So spart man mit der Pensionskasse Steuern

Wer seine Steuern optimieren will, sollte damit nicht bis zur Steuererklärung warten. Eine spürbare Entlastung erreicht zum Beispiel, wer jetzt Geld in die Pensionskasse einzahlt. Doch dabei ist einiges zu beachten.

Vor einer Einzahlung in die Pensionskasse sollte deren Finanzierung geprüft werden.

Vor einer Einzahlung in die Pensionskasse sollte deren Finanzierung geprüft werden. Bild: Fotolia

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Steuertipps haben Anfang Jahr Hochsaison, wenn viele Pflichtige ihre Steuererklärung ausfüllen. Doch um wirklich Steuern zu sparen, müssen schon im Vorjahr oder früher Entscheide gefällt werden. Wer beispielsweise jetzt Geld in die Pensionskasse einzahlt, kann Anfang nächsten ­Jahres den ganzen Betrag vom steuerbaren Einkommen abziehen.

Gleichzeitig werden damit die Altersvorsorge und die Ver­sicherungsleistungen der Pensionskasse (Invalidenrente, Ehegatten- oder Waisenrente) gestärkt. Der Versicherte profitiert also mehrfach. Zudem wirft das Geld in der Pensionskasse eine höhere Rendite ab als auf dem Sparkonto. Sogar Aktienanlagen müssen eine gute Performance erreichen, um besser abzuschneiden als die Pensionskasse.

Um mit Einzahlungen in die Pensionskasse Steuern zu sparen, müssen zwei Bedingungen erfüllt sein: Es sind genügend flüssige Mittel vorhanden, und es gibt eine Deckungslücke.

Den Verzicht planen

Vorzeitige Auszahlungen aus der Pensionskasse sind nur erlaubt, um Wohneigentum zu finanzieren, eine selbstständige Erwerbstätigkeit aufzunehmen oder den Wohnsitz ins Ausland zu verlegen. Andernfalls kann bis zur Pensionierung nicht mehr auf dieses Vermögen zugegriffen werden. Deshalb ist es empfehlenswert, darüber nachzudenken, ob nach einer Einzahlung in die Pensionskasse genügend finanzieller Spielraum für Unvorhergesehenes bleibt. Besonders wenn schon bald eine Investition wie eine Dachsanierung oder der Kauf eines neuen Autos fällig sein könnte, sind die flüssigen Mittel mit Bedacht einzusetzen.

Pensionskasse gibt Auskunft

Das Sparkapital in der zweiten Säule ist nach oben begrenzt. Diese Obergrenze hängt vom Einkommen ab. Da der Lohn während eines Berufslebens in aller Regel steigt, haben die meisten Versicherten eine Deckungs­lücke, die sie mit zusätzlichen Zahlungen auffüllen können. Auch ein Studium, ein Auslandaufenthalt, Erwerbslosigkeit oder ein längerer Schwangerschaftsurlaub können zu Deckungslücken führen. Die zuständige Pensionskasse gibt Auskunft darüber, bis zu welchem Betrag sich die Versicherten zusätzlich einkaufen können.

Die Finanzierung prüfen

Schweizer Pensionskassen sind in der Regel gut finanziert. Es gibt aber Ausnahmen. Wer keinen Verlust riskieren möchte, prüft deshalb vor einer Einzahlung den Deckungsgrad. Dieser gibt an, in welchem Umfang die Renten gesichert sind. Er sollte bei mindestens 100 Prozent liegen. Lukas Riesen, Pensionskassenexperte und Partner bei PPCmetrics, mahnt allerdings auch bei diesem Wert zur Vorsicht: «Er wird unterschiedlich berechnet und kann geschönt werden.»

Riesen empfiehlt, sich zusätzlich nach dem «technischen Zinssatz» zu erkundigen, auf dem der Deckungsgrad basiert. Wird mit einem Zinssatz von 2 Prozent oder weniger kalkuliert, so ist das ein gutes Indiz. Und wenn zudem der Anteil der Verpflichtungen gegenüber den Rentnern weniger als ein Drittel beträgt, ist der Versicherte mehr oder weniger auf der sicheren Seite.

Gestaffelt einzahlen

Es ist nicht ratsam, grosse Beträge zu überweisen. Der Versicherte spart mehr Steuern, wenn er zum Beispiel einen Betrag von 100'000 Franken verteilt auf fünf Jahre in die Pensionskasse einzahlt. Liegt das steuerbare Einkommen auch bei 100'000 Franken, beträgt die Steuerersparnis beim ersten einbezahlten Franken rund 30 Prozent. Dieser Grenzsteuersatz sinkt, je höher der Betrag steigt. Ab 100'000 Franken können gar keine Steuern mehr eingespart werden.

Die Rente muss später als Einkommen versteuert werden. Auch wenn der Versicherte sich das Sparkapital bei der Pensionierung auszahlen lässt, zahlt er Steuern. Der Steuersatz variiert je nach Betragshöhe und Kanton zwischen rund 5 und 15 Prozent. Die Steuerreduktion bei der Einzahlung war bei einem Grenzsteuersatz von rund 30 Prozent aber deutlich höher.

Für den Kapitalbezug gilt zudem eine Sperrfrist von drei Jahren. Wer diese Frist ritzt, muss das Sparkapital voll als Einkommen versteuern. Und wichtig ist auch: Ein Kapitalbezug muss vor der Pensionierung frühzeitig ­angemeldet werden. Die Frist variiert je nach Pensionskasse und beträgt in der Regel ein halbes oder ein ganzes Jahr.

Schwierige Rentenrechnung

Die Planung der Rente ist mit vielen Unsicherheiten behaftet. Mit dem gesetzlich vorgeschriebenen Umwandlungssatz und dem Sparkapital lässt sich zwar einfach eine Jahresrente berechnen. Doch nicht nur der Umwandlungssatz kann zum Beispiel mit der kommenden Abstimmung zur Altersreform ändern. Vor allem die Höhe des Einkommens und damit auch die Lohnbeiträge in die Pensionskasse verändern sich.

Wenn jemand kurz vor der Pensionierung steht, lässt sich die Rente aufgrund des vorhandenen Sparkapitals ziemlich genau berechnen, bei Berufseinsteigern ist hingegen eine seriöse Prognose nicht möglich. Grundsätzlich gilt: Versicherte mit tieferen Einkommen sollten zusammen mit der AHV rund 60 Prozent ihres bisherigen Lohns erhalten, sofern es in der Pensionskasse keine Deckungslücken gibt.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 29.08.2017, 12:22 Uhr

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Auszahlung oder Rente?

«Ein Kapitalbezug ermöglicht es, die Hinterbliebenen besser ­abzusichern», sagt Michael Lauener vom Schweizerischen Pensionskassenverband Asip. Weiter nennt er steuerliche Vorteile. Doch er warnt auch: «Eine allgemeingültige Empfehlung gibt es nicht – die Frage, ob Rente oder Auszahlung, hängt von der gesundheitlichen, familiären und finanziellen Situation eines Versicherten ab.» Zu berücksichtigen sei auch, dass bei einem Kapitalbezug das Geld für durchschnittlich zwanzig Jahre reichen sollte.
Lukas Riesen von PPCmetrics gibt zu bedenken, dass Versicherte ihre Finanzkenntnisse manchmal überschätzen und nach dem Kapitalbezug mit ihrem Geld oft eine schlechtere Rendite erwirtschaften. Und: «Pensionskassen zahlen in der Regel gern Geld aus, da sich Renten aus ihrer Sicht nicht besonders lohnen», sagt er.

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