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«Es fragt sich, ob die Swisscom den Netzunterhalt vernachlässigt»

Am Freitag kam es zur vierten schweren Störung seit 2018. Selbst Polizei und Ambulanz waren unerreichbar. Das löst bei Branchenkennern Fragen aus.

Jon Mettler
Telefonate über das Festnetz von Swisscom waren am Freitagmorgen nicht möglich. Foto: iStock
Telefonate über das Festnetz von Swisscom waren am Freitagmorgen nicht möglich. Foto: iStock

Die Entwarnung kommt kurz vor Freitagmittag: «Gemäss aktuellem Kenntnisstand können aktuell die Kunden wieder alle Dienste uneingeschränkt nutzen, die Systeme stehen unter enger Beobachtung», teilt die Swisscom mit. Etwa zwei Stunden zuvor hatder grösste Schweizer Telecombetreiber mit massiven Störungen im Festnetz zu kämpfen. Betroffen sind mehrere Kantone, darunter Zürich, Bern und Basel-Landschaft.

Als Ursache der Panne macht die Swisscom ein abgestürztes Netzwerkteil aus. Ein Neustart dieser Komponente habe den Ausfall behoben. Es gebe keine Hinweise auf einen Hackerangriff, präzisiert eine Firmensprecherin auf Anfrage. Die Störung habe etwa 90 Minuten gedauert. «Wir bedauern dies und entschuldigen uns», sagt die Swisscom-Sprecherin.

Nicht die erste Panne

Schon vor zwei Jahren war der blaue Riese von einer Pannenserie betroffen. Anfang 2018 war die Festnetztelefonie für Geschäftskunden innert Wochenfrist zweimal eingeschränkt. Ein Softwarefehler führte damals zu den Beeinträchtigungen. Die Informatiker des Lieferanten mussten damals zusammen mit den Spezialisten von Swisscom Überstunden schieben, um das Problem zu beheben. Zurück blieb Spott und Häme für den staatsnahen Betrieb, der sich im Markt als Qualitätsanbieter positioniert. Anfang März 2019 schliesslich fielen bei der Swisscom zudem während fast einer Stunde landesweit das Mobilfunknetz, das Internet und der Fernsehanschluss aus.

Die Live-Störungskarte für die gesamte Schweiz vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz. Karte: alert.swiss
Die Live-Störungskarte für die gesamte Schweiz vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz. Karte: alert.swiss

Umso mehr staunen Branchenkenner, dass es nun erneut zu einer Panne gekommen ist. Störungen «können passieren», sagt Ralf Beyeler vom Vergleichsdienst Moneyland.ch. Trotzdem falle die Swisscom in vergangener Zeit immer wieder durch Störungen auf. «Da stellt sich die Frage, ob die Swisscom nicht den Unterhalt vernachlässigt», so Beyeler. Die Swisscom-Sprecherin weist diese Vermutung von sich. «Wir investieren jedes Jahr mehrere Milliarden Franken in die Netze», sagt sie.

Der aktuelle Vorfall führt vor Augen, wie empfindlich die Schweiz durch Störungen in ihrer Telecominfrastruktur beeinträchtigt werden kann. In mehreren Kantonen wie Bern, Zürich und Aargau waren die Notfallnummern von Polizei und Feuerwehr nicht mehr oder nur eingeschränkt erreichbar. Selbst die Callcenter von Swisscom konnten vorübergehend keine Anrufe entgegennehmen.

Auch Deutschland hatte Probleme

Die Sicherheitskräfte informierten die Bürger auf Twitter und empfahlen, über das Mobiltelefon die Notfallnummern zu wählen. Die Kantonspolizei Bern versuchte auf dem Online-Kurznachrichtendienst zu beruhigen: «Gut zu wissen: Einsatzkräfte nutzen untereinander unabhängige Infrastrukturen und waren von den Netzstörungen nicht betroffen. Unsere Einsätze waren uneingeschränkt gewährleistet.»

Eine absolute Sicherheit für die Erreichbarkeit von Notrufdiensten gebe es nicht, erklärt Pascal Aebischer, Sprecher des Bundesamts für Bevölkerungsschutz. Diese Dienste hätten jedoch höchste Priorität bei den Telecomanbietern. Auch bei den Notrufzentralen würden für solche Fälle Massnahmen und Vorkehrungen getroffen.

Swisscom-Konkurrenten waren ebenfalls direkt oder indirekt von der Panne betroffen. Grund ist, dass sie entweder Swisscom-Dienste mitbenutzen oder aber die Verbindung ins Festnetz des blauen Riesen nicht möglich war. Durch die Swisscom-Störung hätten UPC-Kunden «teilweise Einschränkungen» hinnehmen müssen, sagt eine Firmensprecherin. Es seien Mobilfunknummern und im Festnetz 0800-Nummern betroffen gewesen.

Salt habe keine Störungen im eigenen Netz festgestellt, sagte eine Firmensprecherin. Wahrscheinlich sei aber, dass Salt-Kunden, die mit einem Swisscom-Anschluss in Kontakt haben treten wollen, diesen nicht erreichen konnten. Die Kunden von Sunrise waren in der gleichen Situation. Sie konnten untereinander oder mit Ausnahme von Swisscom mit Nutzern der anderen Anbieter störungsfrei telefonieren, wie der zweitgrösste Telecombetreiber des Landes mitteilt.

Auffallend ist, dass in der Nacht auf Freitag auch in Deutschland grossflächige Störungen in den Telefonnetzen aufgetreten sind. Davon betroffen waren Vodafone, die Deutsche Telekom und 1&1. Bei Vodafone war unter anderem ein Ausfall eines Servers der Grund für die Beeinträchtigung. Laut Swisscom gibt es keinen Zusammenhang zwischen den Ausfällen in Deutschland und in der Schweiz.

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