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Die Hoteliers wollen selber den besten Preis anbieten

Booking.com ist Segen und Fluch zugleich für Schweizer Hoteliers. Sie schätzen den Service, dürfen jedoch auf der eigenen Website keine ­tieferen Preise offerieren. Am Montag erzielten sie einen ersten Sieg.

Viele Gäste, die an der Rezeption des Hotels Ambassadors einchecken, haben ihr Zimmer via Onlineplattform booking.com gebucht. Hoteldirektor Thomas Kübli will deren Preisdiktat nicht länger hinnehmen.
Viele Gäste, die an der Rezeption des Hotels Ambassadors einchecken, haben ihr Zimmer via Onlineplattform booking.com gebucht. Hoteldirektor Thomas Kübli will deren Preisdiktat nicht länger hinnehmen.
Andreas Blatter

Acht oder sogar neun von zehn Gästen der Berner Hotels Ambassador oder City buchen an Silvester oder am Zibelemärit ihr Zimmer auf einer Onlineplattform. Ausserhalb solcher Spitzentage liegt der Anteil tiefer – allerdings steigt er von Jahr zu Jahr.

Die Plattformen, die bekannteste ist Booking.com, kassieren für ihre Vermittlungsarbeit von den ­Hotels Kommissionen, die 10 bis 17 Prozent des Übernachtungspreises ausmachen.

Wenn Hoteliers noch mehr bezahlen – bis zur Hälfte des Übernachtungspreises sind möglich –, werden sie bei ­Onlinesuchen weiter oben auf der Resultatliste angezeigt und damit auch leichter gefunden.

Thomas Kübli, Direktor der beiden Hotels, hat an sich kein Problem mit dieser Praxis. Schliesslich sei damit auch eine Dienstleistung verbunden. Was ihn stört, sind die Vertragsbedingungen: Der Preis, den Kübli auf der eigenen Website anbietet, darf nämlich nicht tiefer sein als auf den Onlineplattformen.

Weil er die Kommission nicht an die Gäste überwälzen kann, schmälern Buchungen via Plattform seine Marge. Ein Verzicht auf ­Onlineplattformen ist aber wegen ihrer starken Stellung im Markt ebenfalls keine Option, wie der Hoteldirektor betont.

Marktbeherrschende Stellung

Kübli ist darum froh, dass der Ständerat am Montag den ersten Schritt unternommen hat dazu, Knebelverträge bei der Preisgestaltung zu verbieten (siehe Box). Die Plattformen, Booking.com ist mit über 73 Prozent aller Onlinebuchungen Marktführerin in der Schweiz, wehrten sich vergeblich dagegen.

Die Wettbewerbskommission (Weko) sah bereits 2015 Tendenzen zu einer marktbeherrschenden Stellung von Booking.com und verschaffte den Hoteliers etwas mehr Freiheiten. Doch die angeprangerte Vertragsklausel stützte sie noch. Die Ständeräte sahen es am Montag nun anders.

Die Plattformen befürchten, dass damit ihr Geschäftsmodell zusammenbricht. Hotels könnten, sofern der Nationalrat ebenfalls zustimmt, als Trittbrettfahrer die internationale Vermarktung via Plattformen gratis nutzen. Sprich: Gäste würden zwar künftig online recherchieren, dann aber beim Hotel direkt zu einem günstigeren Preis buchen.

Thomas Allemann, Geschäftsleitungsmitglied des Branchenverbands Hotelleriesuisse, hält diese Angst für übertrieben: «Das Angebot von Booking.com ist komfortabel und einfach, geniesst ein seriöses Image, umfasst eine sichere Bezahlung per Kreditkarte und eine kostenlose Stornierung. Das funktioniert weiterhin», ist er überzeugt.

Good News für den Gast

In Deutschland, ebenso in Österreich, Frankreich und bald auch in Italien, sind Knebelverträge bereits verboten. Eine neue Studie des Institute for Competition Economics der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf wertete nun aus, wie sich diese Neuerung auswirkt. Die Studie bringt erstmals etwas Objektivität in den Zwist. Insgesamt, wird darin festgehalten, seien seither sogar mehr Hotelzimmer auf den Plattformen verfügbar.

Ein Drittel der deutschen Hotels bietet mittlerweile auf der eigenen Website einen tieferen Preis als auf den Plattformen an.

Düsseldorfer Studie zum Wegfall der Best-Price-Klausel

Die Autoren vermuten, dass Betriebe, die bislang Plattformen mieden, diese dank dem Wegfall des Preisdiktats häufiger nutzen. Erfreuliches förderten die Autoren insbesondere für Hotelkunden zutage: Ein Drittel der deutschen Hotels bietet mittlerweile auf der eigenen Website einen tieferen Preis als auf den Platt­formen an – er liegt laut deutschem Hotelverband bis zu 10 Prozent darunter.

Booking.com sieht in den Resultaten der Studie die eigenen Befürchtungen bestätigt. Der Trittbrettfahrer-Effekt sei bereits in Gang gekommen, sagt ­Peter Lochbihler, Leiter Public Affairs. Weitere Eingriffe in die Unternehmensfreiheit als jene, welche die Weko 2015 tätigte, lehne man darum ab.

Der Kuchen bleibt gleich gross

An sich können Schweizer Hoteliers tatsächlich schon heute einen tieferen Preis als online ­anbieten. Allerdings nur, wenn der Gast anruft, eine E-Mail oder ein Fax schreibt.

Gegenüber dem Hotelgast ist das nicht besonders transparent. Aufkommende Vergleichsplattformen wie Kayak oder Trivago machen momentan immerhin die Angebote der Onlinekonkurrenten vergleichbar. Sie sammeln alle online verfügbaren Preise für ein Hotelzimmer und zeigen dem potenziellen Kunden den günstigsten Preis an.

Für Benjamin Jost, CEO der deutschen Firma Trust you, die Gästebewertungen analysiert und den Hotels zur Verfügung stellt, beleben diese Portale schon einmal den Wettbewerb.

Die Studie aus Düsseldorf zeigt jedoch, dass sich die Preise für ein bestimmtes Angebot kaum unterscheiden, solange der Hotelier den besten Preis einer Plattform überlassen muss. Das ändert sich erst, wenn der Hotelier mehr Freiheiten in der Preisgestaltung erhält.

Will er das Angebot auf seiner eigenen Website dann unter die Leute bringen, muss er ebenfalls bezahlen: Statt einer Kommission pro Buchung verlangen die Vergleichsportale eine Gebühr für das Aufschalten des Angebots.

Spannend ist daran folgendes ­Detail: Das Geld fliesst indirekt an dieselbe Adresse. Denn Kayak gehört der Mutterfirma von Booking.com, Trivago jener der Konkurrentin Expedia, der Nummer zwei auf dem Markt.

Für den Berner Hotelier Thomas Kübli ist dennoch etwas gewonnen, wenn das jetzige Preisdiktat dereinst fallen sollte: Er könnte sich so online besser positionieren. Bis 2020 dürfte nämlich bereits jede zweite Buchung online hereinkommen.

«Onlineplattformen bringen nicht mehr Gäste nach Bern, sie verteilen sie einfach anders unter den ansäs­sigen Hotels.»

Hoteldirektor Thomas Kübli

Und aller internationalen Präsenz zum Trotz traut er eines den Platt­formen nicht zu: dass sie den Kuchen an Logiernächten vergrössern. Für ihn steht fest: «Sie bringen nicht mehr Gäste nach Bern, sie verteilen sie einfach anders unter den ansässigen Hotels.»

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