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Die Einwanderung in die Schweiz im europäischen Vergleich

Mehr Migranten pro Kopf, dafür eine bessere Integration in den Arbeitsmarkt: Diese Grafiken zeigen, wie sich die Zuwanderung in die Schweiz entwickelt hat.

Der Zeitpunkt ist ideal: Gestern debattierte der Nationalrat über die Begrenzungsinitiative der SVP, heute hat die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ihren jährlichen Migrationsbericht veröffentlicht. Er zeigt, wie sich die Zuwanderung in die Schweiz im Vergleich mit anderen Ländern entwickelt hat.

Insgesamt ist die Migration im OECD-Raum, zu dem auch die Schweiz gehört, wieder leicht angestiegen. Im vergangenen Jahr sind rund 5,3 Millionen Personen mit permanentem Aufenthaltsstatus in die OECD-Staaten eingewandert und damit zwei Prozent mehr als 2017. Auch hierzulande nahm die Migration 2018 erstmals wieder leicht zu. Die OECD-Zahlen zeigen aber, dass in den vorangegangenen Jahren das Gegenteil der Fall war.

Seit 2013 kamen immer weniger Migranten, die sich permanent in der Schweiz niederliessen. Hauptgrund dafür ist die rückläufige Zuwanderung aus dem EU-Raum. 2017 verzeichnete die Schweiz noch insgesamt 118’000 Migranten, 5 Prozent weniger als im Vorjahr.

Im Vergleich zu Deutschland (860’000) oder Frankreich (259’000) ist das wenig. Setzt man die Zahlen aber ins Verhältnis zur Bevölkerung, ergibt sich ein ganz anderes Bild: Zwischen 2010 und 2017 hat die Schweiz im Schnitt 126’000 Personen pro Jahr permanent aufgenommen. Das entspricht fast 1500 Migranten pro 100’000 Einwohner. Nur Luxemburg und Island verzeichnen einen noch höheren Wert in Europa.

Nicht zu den dauerhaften Migranten gezählt werden Asylbewerber, deren Zahl deutlich zurückging. 2018 wurden im OECD-Raum noch gut eine Million Asylanträge gestellt. Das sind im Vergleich zu den Rekordjahren 2015 und 2016 ganze 34 Prozent weniger.

Auch in der Schweiz gab es gegenüber dem Vorjahr einen Rückgang von 18,8 Prozent auf 14’000 Anträge. Die meisten davon kamen aus Eritrea (2500), Syrien (1200) und Afghanistan (1100). Seit 2013 stellten pro Jahr durchschnittlich gut 22’600 Bewerber einen Asylantrag in der Schweiz. Das sind 269 Anträge pro 100’000 Einwohner. Sechs Länder, darunter Deutschland und Österreich, verzeichnen einen höheren Schnitt.

Weil weniger Asylanträge gestellt wurden, fiel auch die Zahl der registrierten, also bereits anerkannten Flüchtlinge deutlich niedriger aus. Im Jahr 2017 – dem letzten Jahr, für das Daten zur Verfügung stehen – wurden in OECD-Staaten 28 Prozent weniger Aufenthaltsbewilligungen aus humanitären Gründen erteilt als noch 2016.

Andere Formen der Migration sind hingegen im Steigen begriffen, insbesondere die Arbeitsmigration, die um sechs Prozent zunahm. Temporäre Arbeitsmigration, also zeitlich begrenzte Auswanderung zu Arbeitszwecken, stieg laut dem Bericht sogar um über 11 Prozent. Der bei weitem grösste Teil der Zuwanderer bleibt mit einem Anteil von 40 Prozent aber jener, der durch Familienzusammenführung in OECD-Länder kommt.

Ganz anders in der Schweiz. Hierzulande macht der Familiennachzug nur 17 Prozent der Zuwanderung aus. Dafür ist der Anteil der Arbeitsmigranten viel höher. Von den insgesamt 118’000 Einwanderer, die sich im Jahr 2017 langfristig oder permanent in der Schweiz niederliessen, kamen fast drei Viertel im Zuge des freien Personenverkehrs. Davon waren wiederum 86 Prozent temporäre oder saisonale Arbeitskräfte, die meisten aus Deutschland, Italien und Frankreich.

Entsprechend hoch sind in der Schweiz die Chancen, als Migrant eine Arbeit zu finden. 2018 betrug der Beschäftigungsgrad von Neuzugewanderten fast 77 Prozent. Nur in drei europäischen OECD-Ländern ist er noch höher: Island, Tschechien und Israel. Der OECD-Schnitt beträgt nur 68 Prozent.

Mit einer Arbeitslosenquote bei Migranten von 7,9 Prozent liegt die Schweiz etwa im Mittelfeld. Im Durchschnitt des gesamten OECD-Raums ist die Quote mit 8,5 Prozent nur leicht höher. Allgemein haben die Länder in diesem Bereich in den vergangenen fünf Jahren Fortschritte gemacht.

Laut dem Bericht wird die Schweiz also vor allem von Einwanderern aus dem EU-Raum angesteuert, die als temporäre Arbeitskräfte kommen und gut in den Arbeitsmarkt integriert sind. Im Verhältnis zu ihrer Grösse nimmt sie aber mehr Einwanderer mit permanentem Aufenthaltsstatus auf und empfängt mehr Asylanträge als viele andere OECD-Länder.

Für die SVP sind die Zahlen zu hoch. Sie reichte im September 2018 die Volksinitiative für eine «massvolle Zuwanderung» ein – diese sieht vor, das Personenfreizügigkeitsabkommen ausser Kraft zu setzen. Damit stösst sie bei allen anderen Parteien auf Widerstand, aus deren Sicht die wirtschaftlichen Vorteile der Einwanderung überwiegen.

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