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Die äusseren Werte zählen

Ein Start-up bringt Verpackung zum Leuchten, zum Beispiel bei Kosmetik. Und folgt damit einem Trend.

In Zeiten sozialer Netzwerke achten Hersteller noch stärker auf eine hübsche Hülle: Eine Verpackung mit Leuchtelektronik von Saralon. Foto: brandpack GmbH
In Zeiten sozialer Netzwerke achten Hersteller noch stärker auf eine hübsche Hülle: Eine Verpackung mit Leuchtelektronik von Saralon. Foto: brandpack GmbH

Vom Werbeplakat strahlt US-Schauspielerin Julia Roberts die Kunden an, daneben leuchtet der darauf abgebildete Parfümflacon der Marke Lancôme, für den sie ihr Gesicht hinhält. Das kann man ein bisschen kitschig finden, aber es fällt in jedem Fall auf.

Wenn Kunden in Geschäften auf blinkende Verpackungen aus Glas, Papier oder Plastik stossen, könnte dahinter das Start-up Saralon stehen. Es hat Tinte entwickelt, mit der sich Elektronik drucken lässt. Statt herkömmlicher Druckfarbe kommen dabei elektronische Funktionsmaterialien zum Einsatz, die Batterien, Sensoren, Displays und ganze Schaltkreise erzeugen können. Damit lässt sich zum Beispiel das Markenlogo auf einer Verpackung zum Leuchten bringen, sobald der Kunde sie berührt.

Eine Spielerei? Nein, glaubt Steve Paschky, einer der Gründer von Saralon. «Nicht nur im Luxussegment ist die Verpackung der verlängerte Arm des Marketings», sagt er. In einer Zeit, in der viele Menschen sämtliche Eindrücke ihres Lebens auf sozialen Netzwerken teilen, achten Konsumgüterhersteller vermehrt auf eine hübsche Hülle.

Mit der Technik von Saralon lassen sich beispielsweise Markenlogos zum Leuchten bringen, sobald der Kunde sie berührt. Foto: PD
Mit der Technik von Saralon lassen sich beispielsweise Markenlogos zum Leuchten bringen, sobald der Kunde sie berührt. Foto: PD

Konsumenten schlürfen Cola oder essen Nutella aus Flaschen und Gläsern mit ihrem Namen, auf Youtube schauen sie anderen Menschen dabei zu, wie sie diese Produkte auspacken – Unboxing nennt sich das. Im stationären Handel und im Netz gehe es für die Unternehmen letztlich darum, sich von der Konkurrenz abzugrenzen, sagt Paschky. Dabei ist es bei Produkten ähnlich wie mit Menschen: Die inneren Werte lassen sich nicht so leicht nachprüfen, das Äussere fällt als Erstes ins Auge.

Keine Schwermetalle

Saralon hat seinen Ursprung am Lehrstuhl für Print- und Medientechnik der Technischen Universität Chemnitz. Dort forschte Moazzam Ali an der Schnittstelle zwischen Druckindustrie und elektronischen Medien. Gemeinsam mit Steve Paschky und einem Team aus Wissenschaftlern gründete der aus Indien stammende Ali vor fünf Jahren Saralon. Der Name leitet sich aus der alten indischen Sprache Sanskrit ab, wo «saral» so viel wie «die einfachen Mittel» bedeutet. Einfach und günstig für die Abnehmer – meist Druckereien der Verpackungshersteller – soll die Elektronik sein. Da die gedruckte Batterie keine Schwermetalle oder Giftstoffe enthalte, lasse sich die Verpackung einfach entsorgen.

In Zukunft möchte das neunköpfige Team um Ali und Paschky die Verpackungen nicht mehr nur zum Leuchten bringen, sondern sie auch schlauer machen. So könnten gedruckte Sensoren beispielsweise die Temperatur eines Verpackungsinhalts erfassen und auf einem ebenfalls gedruckten Display direkt anzeigen oder ans Smartphone übermitteln. «Dadurch kann man sicherstellen, dass die Kühlkette bei Medikamenten oder Lebensmitteln eingehalten wird und weniger weggeworfen werden muss», sagt Paschky.

Sobald der Kunde einen Sensor auf dem Etikett berührt, erscheint eine Information im Display, ob die Verpackung bereits beschädigt oder geöffnet wurde.

Zudem entwickelt Saralon einen Fälschungsschutz, der Verbraucher erkennen lässt, ob eine Verpackung oder ein Dokument unversehrt und versiegelt ist. Dafür werden Etiketten aus Batterie, Sensorik, Schaltkreislauf und Display gedruckt. Sobald der Kunde einen Sensor auf dem Etikett berührt, erscheint eine Information im Display, ob die Verpackung bereits beschädigt oder geöffnet wurde.

In diesem Geschäftsfeld konkurriert Saralon mit den Herstellern von anderen Sicherheitslösungen wie Hologrammen, auch, was den Preis betrifft. Doch man könne es mit den Wettbewerbern aufnehmen, sagt Paschky. Mithilfe von Risikokapital konnte Saralon in den vergangenen Jahren wachsen, etwa in Frankreich, Südamerika oder Indien. «In den nächsten ein, zwei Jahren wollen wir die Gewinnschwelle erreichen», sagt er. Vielleicht ja wieder mit Unterstützung der lächelnden Julia Roberts.

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