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Der Protest ist in Davos angekommen

Die Winterwanderung gegen das Weltwirtschaftsforum hat es am Dienstag über Umwege in den Bündner Bergort geschafft.

Friedlicher Protest: Am Dienstag kam die Winterwanderung gegen das WEF in Davos an.
Friedlicher Protest: Am Dienstag kam die Winterwanderung gegen das WEF in Davos an.
Keystone

Um kurz nach halb sechs drängen Hunderte Menschen um die letzte Biegung und auf den Platz zwischen Migros und Coop. Noch einmal recken sie ihre Schilder in die Höhe, schreien ihre Parolen in die Dunkelheit. Seit Sonntag waren sie unterwegs, von Landquart über Schiers nach Klosters und schliesslich auf dieser letzten Strecke. Hinauf nach Davos.

Die «Winterwanderung für Klimagerechtigkeit» kam am Dienstagabend am Ziel an. Nur Stunden nachdem das jährliche Stelldichein der Mächtigen im Bergort eröffnet wurde: das World Economic Forum. Den Protest hatte ein Verbund aus NGOs, Parteien und Privaten organisiert. Angeschoben wurde er schon vor Monaten – in Bern, im Umfeld der Organisatoren der Tour de Lorraine.

Getragen haben ihn Klimaaktivistinnen, Globalisierungskritiker, junge und alte Menschen. Sie zogen nach Davos, um für einen besseren Klimaschutz, mehr Gerechtigkeit und das Ende des Weltwirtschaftsforums zu demonstrieren. «Ich bin sehr zufrieden – die Stimmung war super. Wir sind auf dem ganzen Weg auf viel Sympathie gestossen», sagte Payal Parekh, Mediensprecherin des Aktionskomitees «Strike WEF».

Auf verschneiten Pfaden

Die letzte Etappe nach Davos war die heikelste der gesamten Wanderung. Die Bündner Behörden hatten der Demo im Vorfeld nur die Routen von Landquart bis Klosters bewilligt. Diese folgten zu grossen Teilen den Kantonsstrassen durch das Prättigau.

Die letzten Strassenkilometer hinein ins Landwassertal und damit nach Davos allerdings waren zu. Dieser Abschnitt bildet den wichtigsten Zugang zum WEF. Als der Protestzug am Montag in Klosters ankam, war nicht klar, wie sich die Situation am nächsten Tag entwickeln würde.

Das Komitee und die Demonstrierenden traten die Wanderung zwar mit der Maximalforderung an, dass das WEF abgeschafft gehört, sie machten aber gleichzeitig klar, dass sie ihr gewaltfrei Ausdruck verleihen würden. Daran hielten sie sich. Für den letzten Abschnitt wichen die meisten Demonstranten auf verschneite Pfade aus.

Vor allem auf Wanderwege. Zweimal blockierte die Demo den Verkehr nach Davos zwar kurzzeitig, als sie versuchte, doch noch auf die Strasse zu gelangen – und einen Stau verursachte. Die Sicherheitsbehörden reagierten darauf, indem sie erstmals in diesen Tagen echte Präsenz gegenüber der Demo markierten.

Die friedliche Lage drohte, von aussen betrachtet, dennoch nie zu kippen. Polizei und Demonstranten legten vernünftige Zurückhaltung an den Tag. Beide hatten ihr Zeichen gesetzt. Die Blockade war gelöst.

Nicht alle absolvierten die letzten Kilometer zu Fuss. Kreativ wurden rund zwei Dutzend Demonstranten und organisierten eine Skitour: Von Arosa aus überquerten sie zwei Pässe und kamen schliesslich gar vor dem eigentlichen Demozug an.

Unter ihnen war auch eine 23-jährige Bernerin, die ihren Namen zwar nicht in der Zeitung lesen will, über die Tour aber bereitwillig Auskunft gab: «Für mich war es wichtig, mit eigener Kraft nach Davos zu kommen.» An diesen «absurden Ort», an dem sich in diesen Tagen die Ungleichheit der Gesellschaft widerspiegle. Man sehe das schon nur an der Wanderung. «Viele von uns schafften es trotz sehr bescheidenen Mitteln irgendwie nach Davos. Gleichzeitig kommen andere mit Helikoptern hier oben an, ganz bequem.»

Bis ans Ende gewandert

Die Winterwanderung ist in Davos angekommen. Mit Verspätung. Eigentlich hätten sich die – je nach Angaben – zwischen 350 und 600 Wandernden um drei Uhr einer bewilligten Platzkundgebung der Bündner Juso anschliessen sollen. Sie hielten schliesslich ihre eigene ab. Kurz vor sieben Uhr war die Wanderung offiziell beendet. Die Leute machten sich auf die Heimreise. Erschöpft – aber lautstark.

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