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Flugschreiber gefundenWieso stürzte die Boeing kurz nach dem Start ab?

Wenige Minuten nach dem Start in Jakarta verliert eine Maschine des indonesischen Billig-Carriers «Sriwijaya» dramatisch an Höhe und stürzt ins Meer. Nun wird fieberhaft nach der Ursache geforscht.

Taucher finden Trümmer: Kurz nach dem Start ist in Indonesien ein Flugzeug der lokalen Gesellschaft Sriwijaya Air vom Radar verschwunden. An Bord befanden sich 62 Menschen.

Zwei grosse Plastiktaschen haben die indonesischen Rettungskräfte am Sonntag an Land gebracht. Darin eingewickelt waren Teile der Boeing 737-500, die Samstagnachmittag im heftigen Regen direkt nach ihrem Start in Jakarta abgestürzt war. Ausserdem persönliche Gegenstände und Körperteile. 62 Menschen sind beim Absturz von Flug SJ 182 der Airlinie «Sriwijaya» ums Leben gekommen. Zwölf Crew-Mitglieder, von denen sich sechs auf einem Transferflug befanden und 48 Passagiere, unter ihnen zehn Kinder. Alle waren Indonesier auf dem Weg in die Provinz Borneo. Am Flughafen von Jakarta wartete unter den verzweifelten Angehörigen ein Mann, dessen Frau und drei Kinder sich an Bord der Maschine befanden. Hoffnung auf Überlebende gibt es keine mehr. «Meine Frau hat mir noch ein Bild des Babys geschickt, wie könnte mein Herz nicht in Stücke gerissen sein» sagte Yaman Zai der Jakarta Post.

Die Behörden suchen nun nach der Ursache des Unglücks. Wegen der heftigen Regenfälle hatte sich der Start der Maschine um fast eine Stunde verzögert. Um 14.06 Uhr hob die SJ 182 ab, sie stieg auf etwa 3.350 Höhenmeter, der Pilot hatte gerade die Erlaubnis eingeholt, weiter zu steigen, als sie in der Flugüberwachung des Soekarno-Hatta-Flughafen in Jakarta auf den Bildschirmen sahen, dass die Maschine innerhalb weniger Augenblicke über 3’000 Höhenmeter verlor und vom Radar verschwand. Die Maschine war bereits in Sicht und Hörweite der benachbarten Inseln Laki und Lancang. Fischer berichteten laut CNN, dass sie einen lauten Knall hörten, aber wegen des dichten Regen nichts sehen konnten. Kurz darauf seien von einer zwei Meter hohen Welle getroffen worden und sahen, wie sich ein Kerosin-Film um ihr Boot bildete.

Keine Hoffnung auf Überlebende

Noch in der Nacht wurde eine Flotte losgeschickt, zusammengestellt von der indonesischen Marine, der Polizei, der Küstenwache und vom Transport-Ministerium, insgesamt 28 Schiffe, fünf Helikopter und zwei Flugzeuge suchten die Gegend des Absturzes ab, hunderte Kräfte waren im Einsatz, darunter Kampftaucher der Marine. Schnell wurde jedoch klar, dass es nichts mehr zu retten gab. Die vermutete Absturzstelle wurde mit orangen Ballons markiert, um die Ursachenforschung auf ein überschaubares Gebiet eingrenzen zu können. Kapitän Eko Suryo Hadi Prayitno von der Küstenwache erklärte, dass sie bereits um 19 Uhr in den Gewässern zwischen Laki und Lancang angekommen waren, etwa 45 Minuten später fanden sie eine Notfall-Rutsche, die sie der vermissten Maschine zuordnen. Die Suche würde durch den heftigen Regen und die raue See jedoch erschwert. Nun wird mit Sonar unter Wasser nach weiteren Wrackteilen gesucht. Suchtrupps haben am Sonntag den Flugschreiber im Meer entdeckt. Dieser sollte Informationen über die letzten Sekunden liefern.

Im Oktober 2018 stürzte unter vergleichbaren Umständen eine Boeing 737-Max der «Lion Air» vor Jakarta ab, nur zwölf Minuten nach dem Start. Wenig später geschah ähnliches mit einer Maschine des gleichen Modells, die für die «Ethiopian Airlines» flog. Im Verlauf der Untersuchungen wurde klar, dass die Ursache fehlerhaft programmierte Software war. Im Fall der SJ 182 aber handelte es sich um eine 26 Jahre alte Maschine anderen Typs, die vorher bereits viele Jahre für eine US-Fluglinie im Einsatz war. Weder Boeing noch die «Sriwijaya»-Airline haben bis Sonntag Mittag Ortszeit ein Statement zur vermuteten Absturzursache herausgegeben. Boeing wurde in der Jakarta Post mit dem allgemeinen Statement zitiert, «wir sind uns der Medienberichte aus Jakarta über den Sriwijava-Flug SJ-182 bewusst. Unsere Gedanken sind bei der Crew, den Passagieren und den Angehörigen».

Wiederholt für Sicherheitsmängel gerügt

Dafür arbeiten die indonesischen Behörden mit besonderem Hochdruck an einer Aufklärung. 2014 stürzte eine Maschine der «Air Asia» mit 162 Menschen an Bord ab. Die Untersuchung ergab, dass marode Teile, mangelnde Wartung und ein überforderter Pilot die Ursachen waren. Der Inselstaat Indonesien wurde wegen mangelnder Flugsicherheit der dort beheimateten Airlines wiederholt international gerügt. Zeitweise waren die dort ansässigen Unternehmen für den Flugverkehr in Europa und den USA gesperrt. Sriwijaya Air ist die drittgrösste Billig-Airline in Indonesien, 950’000 Passagiere fliegt sie pro Monat von einem Ziel an das nächste, etwa 5200 Kilometer weit spannen sich die mehr als 17’000 Inseln des Landes, vergleichbar der Distanz von Rejkjavik nach Palermo. Erst im Juni 2018 war die Sriwijaya Air von der Liste der gesperrten Fluglinien der Europäischen Union genommen worden.

9 Kommentare
    Marco Sommer

    Leider gibt es einige indonesische Gesellschaften, die auf der Blacklist sind. Soweit mir bekannt ist, was Sriwijaya eine davon.