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Corona-Pressekonferenz zum WinterpaketBerset: «Skigebiete können offen haben — mit strengen Schutzkonzepten»

Alain Berset und Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger haben über die Strategie des Bundes für die Wintersaison und das Impfen informiert. Wir berichteten live.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Skigebiete in der Schweiz bleiben offen – mit strengem Schutzkonzept, aber unabhängig davon, was in den umliegenden Ländern entschieden werde.

  • Der Bund arbeitet derzeit intensiv an der Zulassung von Corona-Impfstoffen.

  • Berset stellt einen Impfbeginn «früh im nächsten Jahr» in Aussicht.

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Zusammenfassung der PK

SKIGEBIETE

Laut Gesundheitsminister Alain Berset diskutiert der Bundesrat im Dezember darüber, ob es für die Festtage ein zusätzliches Massnahmenpaket braucht. Klar sei, dass die beginnende Wintersaison eine «ziemlich grosse Herausforderung» sei. Die Erfahrung der ersten Welle zeige, dass die Situation rasch ausser Kontrolle geraten könne. «Es braucht gute Schutzkonzepte, eine strikte Umsetzung und vielleicht Anpassungen.»

Berset betonte aber, dass die Skigebiete in der Schweiz offen blieben – unabhängig davon, was in den umliegenden Ländern entschieden werde. Die Schweiz sei in Kontakt mit dem Ausland.

SCHWEIZER CORONA-STRATEGIE

Die Schweiz ist bei der Bewältigung der Corona-Pandemie auf einem guten Weg, sagt Berset. «Die Zahlen gehen seit drei Wochen zurück, die Massnahmen der Behörden greifen, auch dank der Disziplin der Bevölkerung.»

«Anfang November war die Lage besorgniserregend, heute sieht es schon viel besser aus.» Die Situation bleibe aber sehr ernst.

Das Vorgehen der Politik habe sich bewährt. «Die Massnahmen greifen aber nur, wenn die Bevölkerung diese akzeptiert.» Das sei momentan der Fall. Berset appellierte weiterhin an die Disziplin der Bevölkerung: «Wir brauchen Ausdauer, müssen weitere Monate weitermachen, diesen Winter müssen wir mit eigenen Kräften bewältigen.»

Die schweizerische Corona-Strategie sei ein Mix aus Selbstdisziplin, Eigenverantwortung und Vernunft, sagte Berset. «Wir können weiterhin leben, es gibt keine Ausgangssperre, keinen Lockdown wie in anderen Ländern.»

TEST UND IMPFUNG

Berset warnt davor, die derzeit etwas tieferen Corona-Fallzahlen zu positiv zu werten. Grund dafür sei auch die Anzahl der Tests, diese sei aktuell zu tief. «Wir müssen viel mehr testen als heute.»

Die Positivitätsrate bleibe viel zu hoch, sagte Berset. Man entdecke derzeit nicht alle positiven Fälle. Der Bundesrat appellierte an die Bevölkerung: «Lassen Sie sich testen, auch bei kleinsten Symptomen.» Der Bund habe dazu bereits eine Sensibilisierungskampagne gestartet.

Gegenüber Massentests, wie sie teilweise im Ausland praktiziert werden, sei der Bundesrat skeptisch, sagte Berset. «Das wäre in der Schweiz nicht machbar, auch nicht mit Schnelltests.» Diskutiert würden derzeit aber Schnelltests für Schulen oder Altersheime.

Der Bund arbeitet derzeit intensiv an der Zulassung von Corona-Impfstoffen. Gesundheitsminister Alain Berset stellt einen Impfbeginn «früh im nächsten Jahr» in Aussicht. Eine Notzulassung werde es aber nicht geben.

Die Schweiz habe die Produkte, die am schnellsten auf den Markt kommen und die am besten wirkten, identifiziert, sagte Berset am Donnerstag vor den Bundeshausmedien. «Wir sind gut positioniert.» Verschiedene Impfstoffe würden derzeit von der Schweizerischen Heilmittelbehörde Swissmedic geprüft.

Sobald zugelassen, würden die Impfungen beginnen, sagte Berset. Er sprach von «der grössten logistischen Herausforderung im Gesundheitswesen aller Zeiten». Die Kantone seien dann dafür zuständig, dass die Bevölkerung so rasch wie möglich geimpft werden kann.

IMPFZWANG UND -KOSTEN

Ziel sei, dass die Impfung gratis sein werde, sagte Berset. «Vorgesehen ist, dass der Bund einen sehr stolzen Betrag übernimmt, dass die Krankenversicherungen auch einen Betrag übernehmen und dass es einen Beitrag von den Kantonen gibt.»

Wer zuerst geimpft werden solle, werde derzeit diskutiert, sagte Berset weiter. Die Priorisierung hänge vom Impfstoff ab und von den Resultaten, sagte Expertin Nora Kronig.

Laut GDK-Präsident Lukas Engelberger rückten die Impfstoffe näher, die Kantone seien daran, zusammen mit dem Bund Transport, Lagerung und Verteilung zu planen. Bund, Kantone und Krankenversicherer sollten die Kosten unter sich aufteilen. Es werde keinen Impfzwang geben, sagte Engelberger. «Wir setzen auf die Impfbereitschaft der Bevölkerung».

DRITTE WELLE

«Es ist noch nicht an der Zeit, um über eine generelle Lockerung der Massnahmen zu reden. Das muss auch unserer Wirtschaft bewusst sein», betonte der GDK-Präsident. Jetzt dürfe man nicht lockern, um nicht in eine dritte Welle hinein zu laufen.

Die Pressekonferenz ist beendet. Vielen Dank für Ihr Interesse.

Was wollen die Kantone gegen die hohe Positivitätsrate tun?

«Alle Kantone verfolgen das Ziel, die Testkapazitäten hoch zu halten», sagt Lukas Engelberger. «Das Problem sind nicht die Kapazitäten. Wir müssen an der Motivation der Menschen arbeiten, testen zu gehen. Wenn man Symptome hat und nicht zum Test geht, wird man Teil des Problems und nicht Teil der Lösung.»

Wie unterscheiden sich die Verträge der verschiedenen Impfstoffproduzenten?

«Die Verträge unterscheiden sich nur geringfügig. Der Vertrag mit Pfizer ist noch nicht abgeschlossen, die mit AstraZeneca und Moderna schon», sagt Nora Kronig.

Impfung und Herdenimmunität

Frage: Wann führt die Impfung zu einer Herdenimmunität?

«Ich gehe davon aus, dass wir im Frühling eine gute Kombination haben — aus der Tatsache, dass die Menschen weniger in Innenräumen sind, der Impfung und den Hygienemassnahmen», sagt Alain Berset. «Wir müssen da aber ganz vorsichtig sein..»

Anzahl Impfdosen

Frage: Wie viele Impfdosen stehen anfänglich zur Verfügung?

«Wir arbeiten seit März an einer Impfstrategie, damit wir möglichst früh damit anfangen können», sagt Berset und verweist auf die Fachexpertin des BAG Nora Kronig.

«Wir sind mit den drei schnellsten Firmen in Verhandlungen. Es muss uns aber bewusst sein, dass die Lieferungen gestaffelt erfolgen werden», erklärt Kronig. Eine konkrete Zahl von Impfdosen nennt sie nicht.

Claus Bolte von Swissmedic fügt ergänzend hinzu: «Wie schnell wir mit dem Impfen beginnen können, hängt davon ab, wie schnell Daten über die Impfstoffe der Hersteller bei uns eintreffen.»

Regeln für alle Skigebiete

Frage: Sind alle Skigebiete von den Corona-Regeln betroffen?

«Ja, aber die Kantone dürfen natürlich weitergehen als der Bund», erklärt Berset. «Das grösste Problem ist die Umsetzung. Ein Konzept ist auf dem Papier immer toll.»

Tests von Gesundheitspersonal

Frage: Warum wird das Gesundheitspersonal nicht flächendeckend getestet?

«Dieses Vorgehen wird momentan evaluiert», sagt Virginie Masserey vom BAG. Es gebe aber noch einige Punkte, die abschliessend geklärt werden müssten.

Lukas Engelberger ergänzt, dass Schnelltest ein guter Weg seien. Der Vorschlag sei in Basel bereits gemacht worden.

Koordination unter den Kantonen?

Frage: Braucht es eine bessere Koordination unter den Kantonen?

«Wir bemühen uns in der Nordostschweiz um eine Koordination», sagt Engelberger. «Koordination ist vor allem dort nötig, wo die Situation ähnlich ist.» Im Gegensatz zu den Westschweizer Kantonen seien diejenigen in der Deutschschweiz doch noch sehr unterschiedlich.

Wer wird zuerst geimpft?

«Diese Diskussion hat schon begonnen», sagt Berset. Das sei aber sehr stark abhängig von der Wirksamkeit des Produkts.

«Wir erarbeiten aktuell eine Priorisierung für die Impfung», ergänzt Nora Kronig, Fachexpertin vom BAG. «Momentan sieht es danach aus, das ältere und Risikopatienten als erste impfen werden.»

Könnte eine Form von Impfdruck auf Ärzte und Pflegenden geben?

Laut Engelberger wird kein Druck auf das Gesundheitspersonal ausgeführt, um sich impfen zu lassen. Im Gegenteil. «Wir glauben, dass sich die Bevölkerung impfen lassen will. Die Ungeduld ist riesig, die Pandemie hinter uns zu bringen.»

Der GDK-Präsident ist überzeigt, dass die Schweiz die Corona-Krise auch ohne Impfobligatorium hinter sich bringen wird. «Ich glaube, der Gedanke wird viel grösser sein, als die Skepsis.»

Impfkosten

Frage: Wie werden die Kosten der Impfung verteilt?

«Vorgesehen ist, dass der Bund einen sehr stolzen Betrag übernimmt — ebenso wie die Krankenkassen», antwortet Berset. «Das Ziel ist, wirklich eine kostenlose Impfung anzubieten — ohne Franchise und Selbstbehalt.»

Offenes Skigebieten nur in der Schweiz?

Frage: Ist die Schweiz das einzige Land mit offenen Skigebieten?

«Das müssen wir mit den betroffenen Kantonen besprechen. Klar ist, dass die Schutzkonzepte perfekt angewendet werden müssen», sagt Berset. «Wir haben Bilder gesehen, die uns nicht so gefallen haben.»

Wenn nur die Schweiz ihre Skigebiete offen lassen, würde das zu Spannungen auch auf politischer Ebene führen. «Wir müssen dabei beachten, dass unsere Nachbarländer sich Sorgen machen. Sie schliessen ihre Skigebiete nicht einfach dafür, um die Schweizer Skigebiete zu füllen», sagt Berset.

Laut Berset steht bei der Öffnung der Skigebiete viel auf dem Spiel. «Die Situation darf nicht aus dem Ruder laufen.»

Skisaison: Kantonale Unterschiede

Frage: Wie unterscheiden sich die kantonalen Massnahmen für den Skitourismus?

«Die Skisaison in Basel wird auch dieses Jahr bescheiden sein», scherzt Engelberger — nota bene auch Basler Gesundheitsdirektor. «Die Schutzkonzepte sind bisher gut, wie mir Experten sagen. Wahrscheinlich müssen wir mehr in die Kontrolle investieren als in die Verschärfung der Schutzkonzepte.»

Skisaison: Die Schweiz und das Ausland

Frage eines Journalisten: Wird die Schweiz mit dem Ausland weiterhin über die Skisaison im Kontakt stehen? Berset: «Wir sind ständig in Kontakt mit den Nachbarländern.»

Gemäss Berset hat der Bundesrat noch nicht über eine Strategie an den Festtagen entschieden. «Wir müssen mit den Kantonen schauen, was in der Schweiz machbar ist. Es gibt zwei Wochen Weihnachtsferien und die Herausforderung ist vor allem um die Zeit Ende Dezember.»

«Es wird kein normaler Winter»

Auch Lukas Engelberger kommt auf den erhofften Corona-Impfstoff zu sprechen. Wie Berset betont auch er: «Die Impfung soll gratis sein.» Weder ein Impfzwang noch ein Impfobligatorium seien von der GDK vorgesehen, man setze auf die Impfbereitschaft, so Engelberger.

Engelberger spricht auch dem Gesundheitssystem und seinen Mitarbeitenden seinen Dank aus. «Wir müssen die Belastung des Gesundheitswesens herunterbringen. Die Angestellten konnten sich kaum von der ersten Welle erholen.»

Die Situation habe sich in den Spitälern leicht entspannt. Die Lage in den Pflegeheimen ist aber weiterhin schwierig.

«Wenn wir jetzt nicht aufmerksam sind, bezahlen wir den Preis über die Weihnachtszeit», so Engelberger. «Es ist kein normaler Winter, der uns bevorsteht. Wir haben noch keinen Impfstoff. Darum sind wir auf die Mitarbeit von allen angewiesen.»

Engelberger: «Lage bleibt ernst - Dank ans Volk»

Nun übernimmt GDK-Präsident Lukas Engelberger das Wort. «Als ich vor einem Monat das letzte Mal vor den Medien stand, war die Lage ernst», erinnert sich Engelberger zurück.« Die Zahlen sind weiter zurückgegangen. Aber, was ich damals sagte, gilt immer noch: Die Lage ist ernst.»

Der Winter habe erst begonnen. Engelberger geht davon aus, dass sich die Menschen in den kommenden Monaten vermehrt in Innenräumen aufhalten werden. «Es ist zu früh, jetzt schon über Lockerungen zu reden. Die Massnahmen des Bundes sollen weiter so bleiben, wie sie sind. Die Kantone können ergänzend Massnahmen ergreifen.»

Gemäss Engelberger ist ein Mix aus Corona-Regeln wichtig, «Wir sind mit einem Hybridmotor unterwegs, aber die Strecke ist noch weit.»

Der GDK-Präsident bedankt sich aber auch bei der Schweizer Bevölkerung, die sich bisher an die Massnahmen gehalten habe. «Die sinkenden Fallzahlen zeigen, dass die Bevölkerung mitmacht. Ich möchte mich bedanken, dass sie sich an die Massnahmen hält», so Engelberger.

«Massentests wären in der Schweiz nicht machbar.»

«Wir müssen viel mehr testen als heute», ergänzt Berset in Bezug auf die rückläufige Anzahl der Tests. «Die Positivitätsrate ist zu hoch. Wir entdecken derzeit nicht alle positiven Fälle.»

Massentests steht der Bundesrat «skeptisch» gegenüber. «Stellen Sie sich vor, was das für ein logistischer Aufwand ist. Auch mit Schnelltests wäre das in der Schweiz nicht machbar.»

Der Gesundheitsminister appelliert abschliessend an die Bevölkerung: «Der Schweizer Weg mit Selbstdisziplin und Vernunft hat sich bewährt. Wir dürfen jetzt aber nicht nachlassen. Wir kommen nur mit eigenen Kräften durch den Winter.»

«Impfung wird für alle gratis sein»

Berset kommt auf die Impfungen zu sprechen. Die Schweiz steht mit verschiedenen Impfstoff-Produzenten in Kontakt. «Wenn alles gut läuft, werden wir früh im nächsten Jahr mit dem Impfen beginnen können. Das wird eine einmalige Herausforderung für unser Gesundheitssystem», erklärt Berset.

Gemäss dem Gesundheitsminister wird es eine zweiteilige Impfung geben. «Wir müssen sicherstellen, dass wir eine hohe Sicherheit gewährleisten können. Wir werden Impfungen nur zulassen, wenn sie unsere Standards erfüllen. Wir machen da keine Zugeständnisse.»

Die Schweiz kenne anders als andere Länder keine Notfallzulassung. «Bei Swissmedic hat man gut verstanden, dass es dieses Jahr wohl keine Weihnachtsferien geben wird», scherzt er mit ernstem Ton.

Berset betont erneut, dass es in der Schweiz keine Impfpflicht geben wird. «Und wir wollen, dass die Impfung für alle gratis ist.»

«Skigebiete können offen bleiben»

Der Bundesrat spricht nun auch den Streit um die kommende Skisaison an. «Die Skisaison hat schon begonnen. Sie ist eine ziemlich grosse Herausforderung.» Laut Berset braucht es nicht nur gute Schutzkonzepte sondern auch eine strikte Umsetzung der Corona-Massnahmen.

«Wir wissen, dass unsere Nachbarländer einen strikteren Kurs fahren. Sie wollen eine Schliessung der Skigebiete», sagt Berset. Damit spricht er die Angst an, dass Skitouristen aus dem Ausland sich in der Schweiz sammeln könnten.

Gemäss Alain Berset hat der Bundesrat bereits Anfang Jahr eine Schliessung der Skisaison in Betracht gezogen. «Damals wussten wir aber noch viel weniger über das Virus.» Berset stellt klar: «Bei uns können Skigebiete offen bleiben — mit strengen Schutzkonzepten.» Man müsse sich aber auch überlegen, was passieren soll, wenn ein Schutzkonzept nicht funktioniere.

224 Kommentare
    Giovanni Mari

    Super, dann können meine Verwandten aus der roten Zone in der Lombardei alle in die Schweiz zum Skifahren kommen! (In ein italienisches Skigebiet dürften sie nämlich nicht.)