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Reparieren statt wegwerfenWarum ein Lehrer kaputte Handys sucht

Zerbrochenes Handydisplay – und was jetzt? In Jegenstorf möchte ein Werklehrer seinen Schülern beibringen, Smartphones selber zu reparieren.

Smartphone-Bildschirme auszutauschen, ist gar nicht so schwierig.
Smartphone-Bildschirme auszutauschen, ist gar nicht so schwierig.
Foto: Getty Images / iStockphoto

Er erhielt keine Antwort. Schade. Thomas Schwander hatte gehofft, dass er mit einem Kleininserat auf der Pinnwand dieser Zeitung ein Projekt lancieren könne. «Ich möchte an der Schule Jegenstorf im Technischen Gestalten ein Smartphone-Reparaturatelier einrichten», hatte er geschrieben. «Dazu suche ich alte Geräte zum Üben. Defekt ok.»

Thomas Schwander hat eine Ausbildung zum Elektroniker bei der Swisscom gemacht, nun ist er Fachlehrer für Werken. An seinem neuen Arbeitsort in Jegenstorf möchte er versuchen, den Schülerinnen und Schülern der achten und neunten Klasse beizubringen, Smartphones selber zu reparieren. «Mein Gedanke ist, auszuprobieren, was machbar ist», sagt der 34-Jährige. «Machmal ist Schule geben auch ein bisschen ein Experiment.»

Der Trend zu do it yourself biete viel Spielraum für den Werkunterricht. Die Schüler sollen merken, dass sie die Fähigkeit haben, Geräte zu reparieren statt wegzuwerfen und neue zu kaufen. Schliesslich ist «Nachhaltige Entwicklung» eine Leitidee im Lehrplan 21.

Der Lehrer schaut ab

War das seine Idee? Nein. Thomas Schwander hat sie abgeschaut, und zwar von Teddy Jutzi, der an der Oberstufe Hinterkappelen unterrichtet. Teddy Jutzi hat in seiner «Smartphone-Klinik» zusammen mit den Lernenden in den letzten fünf Jahren 70 Smartphones, iPads und iPods repariert. Meistens werden kaputte Bildschirme und Home-Buttons ausgetauscht. «Die Schüler müssen erst lernen, vom Nageln und groben Arbeiten auf diese ganz feine Arbeit umzuschalten», sagt Teddy Jutzi. «Es gibt schon Schüler, die zu hibbelig sind, aber die können etwas anderes machen.»

Er gibt als Lehrer nicht vor, was die Schüler reparieren müssen – einige bringen einen kaputten Föhn oder eine Bratpfanne von zu Hause mit. Auch ihm geht es um den Grundsatz: Reparieren statt wegwerfen. «Die Schüler fangen an zu löten und man sieht ihnen die Freude an. Sie machen hier etwas, was Qualität hat und worauf sie stolz sein können.»

Lernen mit Youtube

Beide, Thomas Schwander und Teddy Jutzi, nutzen in ihrem Unterricht Erklärvideos, die Heimwerker aus aller Welt auf Youtube veröffentlicht haben. «Im Kopf ist man oft beschränkt», sagt Teddy Jutzi, «man denkt, dass man etwas nicht kann, bis man in einem Video sieht, dass irgendjemand in Amerika das problemlos schafft – das setzt sehr viel frei.» Für Thomas Schwander bieten die Videos einen weiteren Vorteil: «Die Schüler lernen, selber zu beurteilen, ob sie fähig sind, dies zu machen. Das fördert die Selbstständigkeit im Denken und Arbeiten.»

Im Winter soll es losgehen mit dem Smartphone-Reparaturatelier in Jegenstorf. Thomas Schwander hofft nach wie vor, dass er kaputte Geräte erhält. «Wenn ich nichts höre, kaufe ich einfach 10 bis 15 Geräte. Schön wäre aber, wenn ich das Geld anders einsetzen könnte.»

Wollen Sie ein Smartphone beisteuern? Thomas Schwander hat uns aufgrund der vielen Reaktionen gebeten, seine Telefonnummer aus dem Artikel zu entfernen. Er bittet Personen, die Geräte abgeben wollen, sich per Mail zu melden: thomas.schwander@schule-jegenstorf.ch.

4 Kommentare
    Beatrice Imboden

    Solche Lehrer wünscht man sich - viel Erfolg bei weiteren solchen Ideen!