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Restaurantkritik: Freudenberg, Stettfurt TGWenn der «Caprese» eingebürgert wird

Typischer kann ein Schweizer Ausflugslokal kaum sein – hier wird sogar ein italienischer Klassiker echt eidgenössisch abgeändert.

Das Freudenberg serviert ein Cordon bleu, das Freude in sich birgt.
Das Freudenberg serviert ein Cordon bleu, das Freude in sich birgt.
Bild: Daniel Böniger

Manchmal muss es Cordonbleu sein. Und dann ist man gerade in diesen Zeiten gut beraten, wenn man ein Ausflugslokal kennt, das diese Spezialität draussen im Garten serviert. Vorzugsweise zusammen mit einem Glas hausgemachtem trübem Apfelwein vom Fass, unter der ausladenden Baumkrone einer Platane. So landen wir im Restaurant Freudenberg im thurgauischen Stettfurt. Und sind entzückt, wie dieses Lokal – auf einer Anhöhe gelegen – erstens sämtliche ausgemalten Erwartungen erfüllt. Und sie zweitens mit liebevollen Details übertrifft.

Man sieht das schon am kalten «Plättli», das uns die muntere Kellnerin als Erstes auf den Tisch stellt: Da sind mehrere Käse- und Fleischsorten drauf – vor allem ein dünn geschnittener Speck aus der eigenen Rauchkammer fällt auf, dessen Räucheraroma jedes Industrieprodukt übertrumpft. Und über die Grösse der Portion staunt man sowieso, wenn man aus der grossen Stadt kommt und für das Gebotene, samt mehreren wunderbar frischen Scheiben Brot, nicht einmal 16 Franken bezahlt.

Noch so ein Detail: Die Radieslispäne auf dem «einfachen» Wurstsalat.
Noch so ein Detail: Die Radieslispäne auf dem «einfachen» Wurstsalat.

Hier bekommt man ihn noch, den Wurstsalat, den es selbstverständlich «einfach» oder«garniert» gibt. Auch den «kleinen Grünen», der liebevoll mit Radieslispänen, Schnittlauch und einem Schnitz Ei serviert wird. Muss erwähnt werden, dass die Sauce nicht plump nach Maggi oder Aromat schmeckt? Nein, sie ist vornehm und auffallend vorsichtig gesalzen. Wir vermuten, dass auch sie hausgemacht ist – denn sämtliche Speisen zeichnen sich durch die Zurückhaltung beim Salzen aus. Zu sehen etwa bei einem Tomatensalat mit Zwiebeln und – jetzt kommts! – Emmentaler. Welch bestechende Idee, den Mozzarella einfach durch einen aromatisch zurückhaltenden Käse aus hiesigen Breitengraden zu ersetzen.

Der Speck aus eigener Rauchkammer überzeugt, weil er jedes Industrieprodukt übertrumpft.

Es ist eine Schnitzelbeiz – und wer ein paniertes Plätzli bestellt, hat selbstredend die Wahl: Kalb oder Schwein? Als «Fitnessteller» mit Salat oder doch lieber mit Pommes frites? Wir wählen die Kartoffelstäbchen – und sind erfreut, dass sie perfekt knusprig sind und hier tadelloses Frittieröl zum Einsatz kommt. Wetten, dass die Eglifilets im wunderbar knusprigen Bierteig nicht in der gleichen Fritteuse gebadet haben?

Und eben, auch das Cordon bleu erfüllt die Erwartungen: Es schmeckt, wie alles in diesem Familienbetrieb, geschmackvoll – statt salzig. Die Panade ist tief gebräunt, aber nicht verbrannt. Und bis zum letzten Bissen fliesst Käse aus dem Paket. Was will man mehr? Natürlich, die Glacekarte, auf der wenig überraschend sogar ein Bananensplit sein Plätzchen hat.

Natürlich liegt ein saftiges Salzgürkli auf dem kalten Plättli.
Natürlich liegt ein saftiges Salzgürkli auf dem kalten Plättli.
Bild: Daniel Böniger

Restaurant Freudenberg, 9507 Stettfurt
Tel. 052 376 11 68, www.restaurantfreudenberg.ch
Im Sommer nur Di geschl.
Vorspeisen ab 6.50 Fr., Hauptgänge ab 16 Fr.

1 Kommentar
    P. Huber

    So ein Käse: In einem Caprese hat es ausser Tomaten, Mozzarella und Basilikum (und einem guten olio di oliva) weder Zwiebeln noch sonst etwas. Behüte mich!

    Hier geht es um schweizerische kulinarische Phantasie aber nicht um einen abgewandelten Caprese.