Wen Hitzfeld als Weltmeister sieht

Der abgetretene Coach der Nationalmannschaft ist wieder Messi-Fan. Aber im Kampf um den WM-Titel sieht er ein anderes Team im Vorteil.

«Wenn man Argentinien aus dem Weg räumt, ist der Weg in den Halbfinal kurz»: Ottmar Hitzfeld.

«Wenn man Argentinien aus dem Weg räumt, ist der Weg in den Halbfinal kurz»: Ottmar Hitzfeld.

(Bild: Keystone)

Thomas Schifferle@tagesanzeiger

Ein Viertelfinal gegen Deutschland wäre der grosse Traum von Ottmar Hitzfeld gewesen, und der ganz grosse Traum hätte geheissen: «Auf Deutschland ­treffen und Deutschland rauswerfen.» Daraus ist nichts geworden. Und weil das so ist, spürt Hitzfeld wieder, dass er gebürtiger Deutscher ist. Und darum steht für ihn fest, wer Weltmeister wird: «Deutschland, ist ja klar.»

Die Prognose stellt er, obschon er weiss, wie schwierig das ist vor diesen Halbfinals, vor Brasilien - Deutschland und Holland - Argentinien, vor zwei Spielen, bei denen «alles offen ist», wie er sagt. Am Ende aber drückt bei ihm das Emotional-Nüchterne durch.

Natürlich erkennt er zum einen im Ausfall von Neymar eine Schwächung für Brasilien, zum anderen sieht er auch die Möglichkeit, dass dadurch «die Solidarität» Brasiliens noch stärker wird. Für Deutschland spricht er sich schliesslich aus, weil er a) Deutscher ist und weil er b) mehr Qualität in der deutschen Offensive sieht. «2:1 für Deutschland», sagt er.

Kurzer Weg in den Halbfinal

Was den zweiten Halbfinal betrifft, ist Hitzfeld «ab sofort wieder Messi-Fan». Es ist jener Messi, den die Schweizer im ­Achtelfinal zu zweit, dritt oder gar viert jagten. Es ist aber auch jener Messi, den Hitzfeld unter Druck sieht wie «keinen anderen» Spieler an dieser WM, «ausser Neymar». So erklärt er auch, dass sich der Argentinier gegen die Schweiz und gegen Belgien Fouls erlaubte, die sonst nicht zu seinem Spiel gehören. In beiden Be­gegnungen waren das taktische Fouls, ­gegen die Schweiz kam ein Schwinger in Richtung von Valon Behrami hinzu. ­Hitzfeld ist das nicht entgangen, aber er sagt: «Diese Drucksituation, die Messi hat – das darf man nicht vergessen.»

Hitzfeld hat sich auch vorgestellt, wie das so wäre, mit der Schweiz im Halb­final gegen Holland zu stehen. Warum auch nicht? Argentinien war in São Paulo besiegbar. Und was Argentinien im Viertelfinal gelang, hätte Hitzfeld auch seiner Mannschaft gegen Belgien zugetraut. Oder wie er es sagt: «Wenn man Argentinien aus dem Weg räumt, ist der Weg in den Halbfinal kurz.»

Hollands Viertelfinal gegen Costa Rica sah er nur in Ausschnitten. Die Frage ist, ob er seinen Torhüter vor dem Penaltyschiessen auch gewechselt hätte, wie das Louis van Gaal tat. «Nein», antwortet Hitzfeld, «ich hätte ja Diego Benaglio im Tor gehabt.» Grundsätzlich sagt er aber: «Ein Trainer muss Entscheidungen treffen, von denen er überzeugt ist.»

Als Prognose bleibt: Sieg Argentinien, «das stärkt unsere Rolle», sagt er und meint die Rolle der Schweiz im emotionalen Achtelfinal von São Paulo.

Kritik an den Schiedsrichtern

Was vor den Halbfinals als grundsätzliche Erwartung bleibt, sind bessere Leistungen der Schiedsrichter. Als Massimo ­Busacca, der Schiedsrichterchef der Fifa, die Schweizer wenige Tage vor Beginn der WM in ihrem Hotel in Porto Seguro besuchte, vermittelte er noch den Eindruck, als werde hart durchgegriffen.

Inzwischen hat Hitzfeld einen an­deren Eindruck: «Die Südamerikaner haben mit ihrem tempostarken Fussball den Rhythmus vorgegeben, und die ­Europäer haben mitgezogen, aber die Schiedsrichter haben in diesem Punkt nicht mitgehalten.» Auch für Hitzfeld ­haben sie zu viel laufen lassen, durchaus auch zum Vorteil seiner Schweizer, er hat zu viele ungeahndete harte Fouls ­gesehen. Weshalb er vor den letzten vier Spielen der WM sagt: «Die Schiedsrichter haben noch Luft nach oben.» (ths.)

Dienstag Brasilien - Deutschland 22.00

Mittwoch Holland - Argentinien 22.00

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