Zum Hauptinhalt springen

Selbstbeobachtung in 5 PunktenWarum wir Selfies im Lift machen

Sie sind eine eigene Disziplin im digitalisierten Alltag: Selfies aus dem Aufzug. Fünf Gründe, warum ausgerechnet dort so viele das Handy zücken.

Der Spiegel ist gross, das Handy da: Model Stefanie Giesinger und ihr Freund Marcus Butler nutzen die Liftfahrt für ein Paarselfie.
Der Spiegel ist gross, das Handy da: Model Stefanie Giesinger und ihr Freund Marcus Butler nutzen die Liftfahrt für ein Paarselfie.
Foto: Instagram

Ich habe es mehrfach getan. Und ich weiss, ich bin bei weitem nicht der Einzige: Fussball-Superstar Cristiano Ronaldo hat kürzlich in einem Lift für seine 231 Millionen Instagram-Follower posiert (der Schweizer Hersteller Schindler freute sich über die Gratiswerbung), seine Freundin Georgina Rodríguez postet regelmässig direkt aus der metallenen Kabine. Und nebst ihnen: Hunderttausende andere Social-Media-User, die Fotos von sich aus dem Lift auf Instagram hochladen, die meisten nicht bekannt, andere sehr.

Georgina Rodríguez, Freundin von Fussball-Superstar Cristiano Ronaldo, posiert im  Lift – rechts oberhalb ihres Kopfes ist das  Logo des  Schweizer Herstellers Schindler ersichtlich.
Georgina Rodríguez, Freundin von Fussball-Superstar Cristiano Ronaldo, posiert im Lift – rechts oberhalb ihres Kopfes ist das Logo des Schweizer Herstellers Schindler ersichtlich.
Foto: Instagram

Liftselfies sind so verbreitet, dass sogar die «Vogue» «7 stylishe Looks fürs Liftselfie» empfiehlt. Warum fotografieren sich Menschen so gern im Lift? Hier sind fünf mögliche Anreize.

Der Ort

In Bürogebäuden sind Lifte mit Spiegeln besonders häufig. Wenn ich hier ein Liftselfie mache, dann direkt am Morgen, bevor einen die Arbeit in Beschlag nimmt, oder zum Feierabend. Morgens ist man unbeschwert; Workload, Chefärger und andere Stressfaktoren hatten noch keine Chance, aufs Gemütund damit auf die Erscheinung? – zu schlagen. Und man hat sich ja gerade noch zurechtgemacht, um in der Welt zu bestehen. Abends, nach getaner Arbeit, ein kleiner Euphorieschub: Der lässt den Moment vielleicht grösser erscheinen, als er ist – also hält man ihn fest.

Der Spiegel

Sowieso, der Spiegel. Denn Spiegel im Lift sind eine eigene, stolze Spezies. Sie sind allermeistens von der Decke bis hinunter zum Boden gezogen. Und da steht man dann, während die Türe zugleitet – und sieht sich mal in ganzer Grösse und im kompletten Look, ahnt, wie man auf andere wirkt. Obwohl ich zu Hause einen Ganzkörperspiegel habe, schaue ich da selten rein. Im Lift drängt sich mir mein Full-Size-Spiegelbild aber regelrecht auf. Gut möglich, dass einen das hin und wieder positiv überrascht.

Das Timing

Wer ausserhalb des Arbeitsortes einen bespiegelten Lift benutzt, begegnet seinem Spiegelbild da immer wieder in Momenten, die einen für Selbstbestätigung und damit für Selfies anfällig machen: Gestylt vor dem Ausgehen, motiviert vor oder zufrieden nach dem Sport, leicht angetrunken nach dem Apéro.

Das Licht

Ist das Licht in Liften besser, als man intuitiv meinen würde? Lifte sind wesensgemäss eng, darum wird auf schwache Lichtquellen gesetzt, die nicht zu viel Hitze produzieren. Man wird in Liftkabinen wohl grundsätzlich ganz gut, sprich sanft, ausgeleuchtet.

Die Langeweile

Die Zeit im Lift ist auch eine Unzeit. Man ist für einige Momente eingesperrt, unbeholfen, kann nichts tun. Und dann steht mir da das eigene Spiegelbild gegenüber. In solchen Momenten zückt der moderne Mensch gern das Handy zwecks Ablenkung oder Beruhigung – eine Übersprungshandlung? Zum Selfie sinds da jedenfalls nur noch ein, zwei Daumenbewegungen. Plus: hier wird auch garantiert niemand reinplatzen, solange der Lift fährt.