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Warum ist die Schweiz so reich?

In dieser Rubrik beantworten unsere Redaktorinnen und Redaktoren häufig gegoogelte Fragen.

Der wirtschaftliche Zustand der Schweiz ist das Ergebnis einer Vielzahl von Entwicklungen. Foto: Keystone
Der wirtschaftliche Zustand der Schweiz ist das Ergebnis einer Vielzahl von Entwicklungen. Foto: Keystone

Gemessen am Einkommen pro Kopf zählt die Schweiz zu den reichsten Ländern der Welt. Der wirtschaftliche Zustand der heutigen Schweiz ist – wie bei jedem anderen Land auch – das Ergebnis einer Vielzahl kultureller, wirtschaftlicher und politischer Entwicklungen über eine lange Zeit.

Auch glückliche Zufälle haben der Schweiz ­geholfen, etwa, dass das Land umgeben ist von wirtschaftlich erfolgreichen Regionen. Der Wirtschafts­historiker Tobias Straumann weist darauf hin, dass der Raum der Schweiz zu einem Gebiet gehört, das sich von Norditalien bis nach England erstreckt und das schon seit rund tausend Jahren für wirtschaftlichen Erfolg steht.

Zudem war die Schweiz schon bei der Industriellen Revolution im vorletzten Jahrhundert auf dem Kontinent führend. Damit verbunden war ­allerdings, wie überall in deren Frühphase, viel Elend bei den Arbeitern.

Sozialstaat sorgt für Arbeitsfrieden und Flexibilität

Eine grosse Bedeutung hat auch die direkte Demokratie und die dezentralisierte ­staatliche Organisation des Landes. Diese Institutionen verlangsamen zwar zuweilen die Entscheidungsfindung, stärken aber die Legitimität des Gesamtsystems und damit dessen Stabilität, was ­wiederum für eine gute ­wirtschaftliche ­Entwicklung unverzichtbar ist.

Die weitgehende demokratische Mitbestimmung und die dezentralen Strukturen ­schützen zudem vor obrigkeitlicher Willkür, was dem unternehmerischen Tun entgegenkommt. Das gilt auch für den in der Schweiz gut ausgebauten Sozialstaat: Er sorgt für Arbeitsfrieden und ermöglicht Flexibilität und das Eingehen unternehmerischer Risiken.

Als weiterer Erfolgsfaktor gilt ausserdem das allgemein zugängliche, durchlässige und anwendungsorientierte Bildungssystem.

«Weiche» Faktoren

Dem Ruf als stabiles und sicheres Land verdankt die Schweiz den Zufluss von Kapital und hochkompetenten Arbeits­kräften. Die teure Währung wie auch der Mangel an Rohstoffen zwingen das Land überdies andauernd zu Effizienzsteigerungen und Innovationen.

Wichtig sind auch «weiche», kulturelle Faktoren, die der Bevölkerung zugeschrieben werden: Fleiss, Verlässlichkeit, Unternehmergeist, Fairness, Ehrlichkeit, Offenheit. Sie sind ebenfalls Geschichte und Institutionen zu verdanken.

All die genannten und nicht genannten Grundlagen für Reichtum sind aber nie gesichert. Gesellschaften, Institutionen und das Umfeld können sich ändern und diese Grundlagen gefährden.

Allein deshalb ist es sinnvoll, sich über diese Gedanken zu machen.

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