«Viele Spieler haben geweint»

Ottmar Hitzfeld und der emotionale Abschied gegen Argentinien – seine letzten Worte als Schweizer Nationaltrainer.

«Das war eine famose Leistung der Mannschaft»: Ottmar Hitzfeld nach der heroischen Niederlage gegen Argentinien.
Sebastian Rieder@RiederSebastian

Es gibt Momente im Leben, die lassen sich nur schwer beschreiben. Ottmar Hitzfeld hat es trotzdem versucht an diesem Mittwoch, dem Tag nach dem Aus im Achtelfinal gegen Argentinien. «Wir waren auf Augenhöhen mit einer der besten Mannschaften der Welt. Wir haben Grossartiges geleistet, und man kann auch in der Niederlage etwas gewinnen. Ich glaube, die Schweizer Nationalmannschaft hat sehr viel gewonnen, Symphatien in der ganzen Welt.»

Ottmar Hitzfeld ist davon überzeugt, dass der Auftritt der Schweiz beim 0:1 gegen Argentinien in der Fussballwelt bleibenden Eindruck hinterlassen hat und noch Jahre später in den Köpfen sein wird. Auch wenn es kein Sieg war, ist der 65-jährige Lörracher der Mannschaft dankbar, dass sie ihm so einen Abschied geschenkt hat. «Viele Spieler haben nach dem Spiel geweint. Sie waren gar nicht mehr aufnahmefähig.»

Auch Ottmar Hitzfeld hatte in den Minuten vor und nach dem Schlusspfiff mit einer Reizüberflutung zu kämpfen. «Das Tor in der 118. Minute war ein Schock.» Dann kam doch noch Sekunden vor dem Ende die Hoffnung auf den Ausgleich durch Blerim Dzemaili. «Da habe ich noch einmal die ganze Facette des Profifussballs erlebt. Es war alles drin, die Dramatik, das was unseren Sport ausmacht.»

Der schmerzhafte Schlusspfiff war gleichbedeutend mit dem Karriereende von Ottmar Hitzfeld, der auch diesen Moment mit vollen Bewusstsein auslebte und sich noch auf dem Platz bei den Spielern bedankte. «Das war eine famose Leistung der Mannschaft. Es war fantastisch, wie sich das Team während der WM steigern konnte.»

Im Trubel um das Drama gegen Argentinien ging fast vergessen, dass Hitzfelds 81-jähriger Bruder Winfried vor wenigen Tagen an Leukämie verstarb. Ein Schicksalsschlag, den der scheidende Schweizer Nationaltrainer wohl erst in den kommenden Wochen und Monaten richtig verarbeiten kann. Zeit dazu wird er wohl erst nach der WM finden. «Dann aber will ich mich vor allem um meine Familie kümmern, speziell um meine Frau, die in den letzten 40 Jahren auf vieles verzichten musste.»

langenthalertagblatt.ch/Newsnetz

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