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Berner KrimiVerschwörung ums Trinkwasser

Mit «Schrattenfluh» legt Gabriel Anwander seinen zweiten Emmental-Krimi vor. Privatdetektiv Alexander Bergmann muss unser höchstes Gut retten.

Der Emmentaler Gabriel Anwander setzt in seinem neuen Krimi auf ein topaktuelles Thema: Verschmutztes Trinkwasser.
Der Emmentaler Gabriel Anwander setzt in seinem neuen Krimi auf ein topaktuelles Thema: Verschmutztes Trinkwasser.
Foto: PD

Das Emmentaler Quellwasser ist rein und wohlmundend. Es sei denn, man findet darin gefährliche Darmbakterien. Genau das passiert in «Schrattenfluh», dem neuen Emmental-Krimi von Gabriel Anwander.

Kurz nach dem Vorfall steht Madam Bernard, ehemalige Rennreiterin, vor Alexander Bergmanns Tür. Die ältere Dame beauftragt den Privatdetektiv, in der Sache zu ermitteln. Denn ihr Schwiegersohn Simon Aeugster war der Brunnenmeister, zuständig für die zwei Quellen und das Grundwasser, die Langnau versorgen.

Nach der Verschmutzung wurde er versetzt, und nun ist er für das Abwasser in der Kläranlage zuständig. Er wird für das Debakel verantwortlich gemacht, weil er die Tür zum Reservoir nicht abgeschlossen haben soll.

Bergmann soll beweisen, dass Aeugster unschuldig ist. Da erschüttern zwei Morde das beschauliche Dorf an der Ilfis. Der eine ist schon drei Wochen vor dem Beginn der Handlung im Buch geschehen, als der Partner von Madam Bernard erschossen wurde. Dann stirbt eine junge Frau, und beide Todesfälle scheinen mit Bergmanns Ermittlungen zu tun zu haben.

Wasserversorgung in Gefahr

Am Ende steht nicht nur das Wasser in Langnau auf dem Spiel, sondern die ganze Trinkwasserversorgung der Stadt Bern. Richtig gefährlich wird es, als es klar ist, dass es sich bei der Bedrohung um multiresistente Bakterien handelt, wogegen Antibiotika wirkungslos bleiben.

In Anwanders neuem Krimi langt Bergmann wieder mal kräftig beim «Härdöpfeler» zu. Der Fall ist genauso spannend wie das erste Buch «Tod im Emmental », wo der Privatdetektiv einen Vermisstenfall lösen musste. Dieser brachte ihn in Kontakt mit dem Rotlichtmilieu und einem Menschenhandelsring.

«Schrattenfluh» bietet ebenfalls Mord und eine ganze Menge Ermittlungsarbeit. Dabei gibt es sogar eine echte Verfolgungsjagd zu Pferd wie im Wilden Westen oder eben über die Hügel des wilden Emmentals.

Die Thematik des Trinkwassers könnte aktueller nicht sein. Schliesslich bereiten die Rückstände des Pflanzenschutzmittels Chlorothalonil manchem Sorgen. Im Roman traut sich der Detektiv zeitweise kaum mehr, ein Glas Leitungswasser zu sich zu nehmen.

Einfach heimelig

Sprachlich ist der Krimi einfach verfasst. Man kann sich im Emmental und in Langnau besonders gut zurechtfinden. Es ist schön heimelig, wie Bergmann sich durch die Restaurants isst und trinkt oder einfach mal die schöne Landschaft beschreibt.

Anwander schafft es erneut, auf gut zweihundert Seiten einen spannenden Fall aufzurollen, mit einem sympathischen Ermittler. Dabei bleibt das Emmental die Hauptattraktion.

Lesung: 1. 3. 2020, 9.30 Uhr, Emmentaler Krimi-Zmorge, Regionalbibliothek, Langnau.

Gabriel Anwander: «Schrattenfluh», Emons, Köln, 2020. 224 S., ca. 19 Fr.