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Genfer Covid-19-OpferTest verweigert – Familie klagt gegen zwei Ärzte

Die 31-jährige Frau war das erste von unterdessen 290 Todesopfern im Kanton Genf. Obwohl sie zur Risikogruppe gehörte, war sie nicht auf das Coronavirus getestet worden.

Im Labor werden Proben auf Covid-19 getestet.
Im Labor werden Proben auf Covid-19 getestet.
Foto: Raphael Moser

Die Familie des ersten Covid-19-Todesopfers im Kanton Genf hat Klage gegen zwei Genfer Ärzte wegen fahrlässiger Tötung eingereicht. Sie wirft den Medizinern vor, der 31-jährigen Frau einen Corona-Test verweigert zu haben, obwohl sie zuckerkrank und fettleibig war und Symptome zeigte.

Die Staatsanwaltschaft hatte schon im März eine Untersuchung eröffnet. Die Familie des Todesopfers wolle jedoch in die Abklärungen miteinbezogen werden und als Klägerin auftreten, wie ihr Anwalt am Samstag gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA einen Bericht der Zeitung «Tribune de Genève» bestätigte. Dank der Klage hat der Anwalt nun Zugriff auf das Dossier. Die beiden beschuldigten Ärzte sind noch nicht einvernommen worden.

Auf Geheiss ihres Arbeitgebers hatte sich die an einem hartnäckigen Husten leidende Frau Anfang März in den Notfall eines Privatspitals begeben. Dort ist sie jedoch nach Angaben der Angehörigen vom diensthabenden Arzt zurechtgewiesen worden, weil sie wegen einer einfachen Grippe den Notfall überlaste. Der Arzt verschrieb ihr Medikamente.

In den folgenden Tagen verschlechterte sich der Zustand der Frau. Sie konsultierte einen zweiten Hausarzt, der jedoch die gleiche Diagnose wie der erste stellte. Auch er entschied, die Frau nicht auf Covid-19 zu testen. Drei Tage später starb die Frau. Sie war das erste von unterdessen 290 Todesopfern im Kanton Genf.

Das Verhalten der beiden Ärzte ist laut dem Anwalt der Familie «völlig unverständlich». Zu diesem Zeitpunkt seien die Risikofaktoren bereits bekannt gewesen. Der Tod der Frau hätte verhindert werden können. Die beiden Ärzte hätten die Situation der Patientin zu wenig ernst genommen und müssten deshalb bestraft werden.

SDA

26 Kommentare
    Markus Busch

    Wie kommt man zu dem Schluss, dass die Frau überlebt hätte, wenn ihre Infektion mit dem SARS-CoV-2 Virus bei einem Test entdeckt worden wäre? Da es keine ursächliche Behandlung gibt, kann auch eine nicht gestellte Diagnose keinen Unterschied machen. Jetzt so zu tun, als hätten die Ärzte ihren Tod fahrlässig herbeigeführt kann nicht richtig sein. Das führt nur zu noch mehr eigentlich nicht angezeigten diagnostischen Massnahmen, nur um sich vor solchen Klagen zu schützen. Das belastet nicht nur unser Gesundheitssystem, sondern gefährdet auch die Patienten, weil viele diagnostische Verfahren ein eigenes Risiko beinhalten.