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Zwischen Anspruch und Realität

In den technischen Disziplinen befinden sich die Schweizer nicht in der erhofften Ausgangslage. Das Podest scheint weit entfernt zu sein.

Stapelt tief: Thomas Stauffer, Cheftrainer der Schweizer Skifahrer.
Stapelt tief: Thomas Stauffer, Cheftrainer der Schweizer Skifahrer.
Keystone

Thomas Stauffer ist nicht dafür bekannt, unbefriedigende Situationen schönzureden. Der Berner, seit 2014 Cheftrainer der Schweizer Skifahrer, hält denn auch nüchtern fest, seine Equipe stehe nicht dort, wo sie vor Beginn einer Heim-WM-Saison stehen sollte.

«Als Swiss-Ski-Team müssen wir den Anspruch haben, in jeder Disziplin um Medaillen zu kämpfen», sagt der 47-Jährige aus Unterlangenegg. Er ortet drei Podestkandidaten und stapelt damit keineswegs tief, hat doch der fernab der Piste für Schlagzeilen sorgende Patrick Küngseit Dezember verletzungsbedingt kein Rennen bestritten. Bei den andern beiden handelt es sich um Beat Feuz und Carlo Janka.

Womit klar ist, dass Swiss-Ski erwähntem Anspruch nicht gerecht wird, weil sich die Perspektiven der Genannten auf Abfahrt, Super-G und die Kombination begrenzen. «Wir müssen alles tun, damit unsere Besten an der WM aus dem Vollen schöpfen können», stellt Stauffer klar.

In Jankas Fall wurde die Betreuung optimiert. So ist Jörg Roten nicht mehr Chef der Riesenslalomgruppe, sondern primär für den Olympiasieger von Vancouver zuständig. Hält sich dieser bei den Speedspezialisten auf, wird er von Roten begleitet. Janka sagt, froh zu sein, komme er in den Genuss der «Luxusvariante», weil ihm diese höchste Flexibilität eröffne.

Letztere ist vorab wegen des lädierten Rückens nötig. Nach erheblichen Beschwerden im letzten Winter hat der Bündner den Umfang des Riesenslalomtrainings reduziert; er sagt, im Moment fühle es sich auf der Piste sehr gut an. Die Basisdisziplin aus dem Programm zu kippen, sei für ihn trotz allem keine Option. «Ich bin immer Riesenslalom gefahren; es würde mir ­etwas fehlen, wenn ich ihn nicht mehr hätte.»

Seine Haltung ist insofern erstaunlich, als er sich bewusst ist, wie hoch die Trauben hängen. «Ich bin 30 und längst nicht mehr so beweglich wie die Jungen. Es wird sehr schwierig, vorne hineinzufahren.»

Die andere Dimension

Was den Zustand in den technischen Sparten betrifft, spricht Stauffer von einer steten, langsam voranschreitenden Entwicklung. Vor zwei Jahren konnte er in Sölden sechs Fahrer nominieren, im sonntäglichen Rennen werden acht Schweizer zu sehen sein. Gar von sechs auf neun ist die Anzahl der Startplätze in der gleichen Zeitspanne im Slalom gestiegen.

«Unser Problem ist, dass die Besten in beiden Disziplinen in einer anderen Dimension fahren», resümiert Stauffer, die Überlegenheit von Marcel Hirscher, Henrik Kristoffersen und Konsorten unterstreichend. «Klassierungen ab Platz 6 sind für unsere stärksten Athleten möglich, wenn ihnen zwei gute Läufe gelingen.» Wer weiter nach vorne stossen wolle, müsse «eine Sekunde schneller fahren».

Vom Oktett, welches in Sölden antritt, darf von Gino Caviezel, Janka, Loic Meillard und Justin Murisier die Finalqualifikation erwartet werden. Selbige haben auch Pierre Bugnard, Sandro Jenal, Marco Odermatt und Elia Zurbriggen im Visier. Deren Aussichten jedoch sind trüb, weil es auf der Gletscherstrecke in der Regel wenigen gelingt, mit hohen Nummern nach vorne zu stossen.

Es gebe nur Vollgas, sagt Stauffer: «Wer hier dosieren will, hat schon am Start verloren.»

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