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Was die Absage des Skimarathons für das Engadin bedeutet

Am Engadiner nehmen jährlich über 14’000 Sportlerinnen und Sportler teil. Nun muss er wegen des Coronavirus ausfallen.

Die Absage ist erst die zweite in der 52-jährigen Geschichte der grössten Wintersportveranstaltung der Schweiz. Foto: Keystone
Die Absage ist erst die zweite in der 52-jährigen Geschichte der grössten Wintersportveranstaltung der Schweiz. Foto: Keystone

Wintersportler seufzen am Nachmittag kurz vor 16 Uhr, als sie ihre Handys zücken. Per SMS erhalten sie die Botschaft: «Die Engadin-Marathonwoche muss abgesagt werden. Grund: Coronavirus.» Damit ist alles gesagt.

Menduri Kasper, der Chef des Skimarathons, gibt sich gefasst. «Das ist eine sehr traurige Situation für uns», sagt er. Für ihn kam die Absage von Marathon, Frauen- und Nachtlauf aber nicht völlig überraschend. «Wir waren im ständigen Kontakt mit dem Kanton. Und als dann auch noch die zwei Fälle im Engadin bekannt wurden, war klar, was passieren würde.»

Es ist in der 52-jährigen Geschichte der grössten Wintersportveranstaltung der Schweiz erst die zweite Absage. 1991 war es zu warm gewesen, die Seen nicht gefroren. Kasper wird nun mit den Sponsoren über deren Beiträge verhandeln müssen, weil die nicht die zugesicherte Präsenz haben werden. «Eine Klausel für einen Ausfall wegen höherer Gewalt akzeptiert niemand», sagt er. Existenziell wird die Absage den Skimarathon aber nicht treffen. «2021 wird es einen Marathon geben», hält er fest.

«Die Marathonwoche ist unsere umsatzstärkste des Jahres. Es werden 200'000 bis 300'000 Franken wegfallen. Das trifft uns sehr.»

Jürg Roth, Boom Sport St. Moritz

Einerseits haben die Veranstalter für solche Fälle Rückstellungen gemacht. Anderseits ist das Startgeld der 14’200 Angemeldeten längst auf ihrem Konto. Von diesem – die Startgebühr beträgt je nach Zeitpunkt 100 Franken und mehr – sind die Organisatoren laut Reglement verpflichtet, bei Rennabsage 16 Franken zurückzuzahlen. Kasper verspricht, alles zu tun, damit es noch ein paar Franken mehr sein werden. Mehr als ein Versprechen will er aber nicht abgeben.

Härter trifft es die Gewerbetreibenden im Tal und darüber hinaus. Die Bruttowertschöpfung des Engadin-Skimarathons beträgt jährlich rund 15 Millionen Franken, wie 2017 eine Studie der Hochschule Luzern zeigte. 6,2 Millionen fallen dabei aufs Engadin ab. Die Hotellerie dürfte noch verhältnismässig glimpflich davonkommen: Die meisten Zimmer können so kurzfristig nicht mehr storniert werden – und jene Marathoni, die mehrere Nächte gebucht haben, werden trotzdem anreisen.

Deutlich grössere Einbussen werden dagegen Restaurants und Sportgeschäfte erleiden. Einen Einblick, was die Absage für die Sportartikelhändler bedeutet, gibt Jürg Roth von Boom Sport in St. Moritz, einem der grossen Player im Tal. Vor dem Marathon werden in Roths Geschäft rund 400 Paar Ski präpariert, der günstigste Rennservice kostet 79, der teuerste 149 Franken. Dazu kommen weitere 100 Paare vor dem Frauenlauf. Ebenso wird ein Grossteil der Laufkundschaft wegfallen. «Die Marathonwoche ist unsere umsatzstärkste des Jahres. Da fallen 200'000 bis 300'000 Franken weg», schätzt Roth. «Das trifft uns sehr.»

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