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Taufrisch am Polarkreis

Nathalie von Siebenthal strahlt vor der heute in Finnland beginnenden Langlauf-Weltcupsaison Zuversicht aus. Betreut wird die Lauenerin seit diesem Sommer vom Berner Oberländer Peter von Allmen. Was gleich zwei Vorteile hat.

Wieder in der Spur: Nathalie von Siebenthal strebt nach schwierigem Frühling und längerer Auszeit die Rückkehr in die erweiterte Weltspitze an.
Wieder in der Spur: Nathalie von Siebenthal strebt nach schwierigem Frühling und längerer Auszeit die Rückkehr in die erweiterte Weltspitze an.
Keystone

Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen. Besser als im letzten Jahr sollte es schon sein, erwidert Nathalie von Siebenthal auf die Frage, wie sie sich ihren Auftritt an der Weltcup-Ouvertüre vom Wochenende in Kuusamo vorstelle. Vor Saisonbeginn sprechen Schweizer Langläufer ungern über ihre Perspektiven; im Training fehlt der Vergleich mit der Weltspitze. Die lächelnd formulierten Sätze der Berner Oberländerin sind geschickt gewählt, wurde das Swiss-Ski-Team doch im November 2016 als Ganzes unter Wert geschlagen.

Das Ensemble hatte die unmittelbare Vorbereitung der guten Verhältnisse wegen in Davos absolviert, die Reise an den Polarkreis hinausgezögert. «Fast schlapp» habe sie sich in den Wettkämpfen gefühlt, sagt von Siebenthal. Davos liegt auf 1560 Metern über Meer, Kuusamo rund 1300 Meter tiefer; die Reaktion des Körpers wäre vorhersehbar gewesen. Wer weiss, wie akribisch die Verbandsstrategen an Details feilen, kann sie sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. In diesem Fall wurde vor lauter Bäumen der Wald nicht beachtet.

Gelassenheit und Respekt

Von Siebenthal hingegen spricht über das grosse Ganze, betont eine grundlegende Änderung in der Vorbereitung, die sie «eigentlich zwangsläufig» vorgenommen habe. «Völlig platt» sei sie im Frühling gewesen, hält die 24-Jährige fest. Worauf sie im April auf die Skitestwoche auf dem norwegischen Sognefjell-Gletscher verzichtete, sich auch das vornehmlich aus Radeinheiten bestehende Maitrainingslager auf Sardinien schenkte. Viel länger als sonst habe sie pausiert, den Körper runtergefahren, sagt die Lauenerin, sogleich ergänzend, dies sei eine gute Entscheidung gewesen. Nun fühle sie sich taufrisch und freue sich auf die Rennen. Wer die einstige U-23-Weltmeisterin vor sich hin plaudern hört, die zwischen den Sätzen durchsickernde Zuversicht registriert, der könnte meinen, ansonsten sei alles beim Bewährten geblieben. Was nicht der Fall ist.

Im März verkündete Albert Manhart seinen Abgang bei Swiss-Ski. Er sei ausgebrannt, resümierte der Sarganserländer, welcher das Cheftraineramt ­innehatte, sich dabei primär um die Frauen kümmerte. Der 51-Jährige war von Siebenthals erster Trainer nach dem eigenen Vater, unter seiner Obhut entwickelte sie sich innert weniger Jahre vom Rohdiamanten zur Spitzenläuferin. Disziplinenchef Hippolyt Kempf nahm Manharts überraschenden Rückzug machtlos zur Kenntnis, wohlwissend, wie schwierig es sein würde, einen insbesondere für von Siebenthal adäquaten Ersatz zu finden. Die Nummer 1 im Land ist ein Sonderfall. Sie lebt nicht wie drei Viertel des Nationalkaders in der Nähe des Leistungszentrums Davos, sondern verbringt den Grossteil des Sommers auf einer Alp oberhalb von Les Diablerets; als Kraftraum dient ihr ein Stall des Nachbarn. Manhart sah sich die Infrastruktur an, erarbeitete mit ihr individuelle Lösungen.

Es sieht danach aus, als habe Kempf beim Füllen der Vakanz ins Schwarze getroffen. Von Siebenthal sagt, unter Manharts Nachfolger habe sich wenig verändert. Peter von Allmen qualifizierte sich als Athlet für die Olympischen Spiele 2010 in Vancouver, war 2007 beim Stadtsprint in Stockholm auf Rang 5 gelaufen. Als Trainer ist sein Erfahrungsschatz bescheiden, zuletzt betreute der 39-Jährige aus Heimenschwand im Walliser Regionalverband Junioren. Der neuen Aufgabe begegnet er mit einer Mischung aus Respekt und Gelassenheit. Er sei nicht der Typ, der Funktionierendes über den Haufen werfen müsse, sagt der Berner Oberländer. Gewiss sei die Ebene – von Siebenthal verkörpert als WM-Vierte im Skiathlon Weltklasse – für ihn eine Herausforderung. «Aber Training bleibt Training; es geht darum, im richtigen Moment das Richtige zu tun.»

Im Sommer trainierte er mit von Siebenthal individuell am Col du Pillon und am Col de la Croix. Rasch habe er realisiert, wie viel ihr das Umfeld und die Arbeit auf dem Hof bedeuteten, sagt von Allmen. «Es wäre nicht förderlich, sie aus dem Vertrauten herauszureissen; der mentale Aspekt ist bei uns extrem wichtig.» Super seien erwähnte Rollskieinheiten gewesen, erwidert die Athletin, auf die Spezialbetreuung angesprochen. Und ergänzt, des Trainers Wohnsitz habe einen zweiten erheblichen Vorteil: «Gehen wir in ein Trainingslager oder an einen Wettkampf, muss ich nur noch bis Heimberg selber fahren, das kommt der Erholung zugute.»

Nach Kuusamo ist das Team geflogen – genauer nach Gällivare, dort fanden positiv verlaufene Testrennen statt. Die Skistation im Norden Schwedens befindet sich auf 400 Metern über Meer. Einem ansprechenden Saisonstart scheint nichts im Weg zu stehen.

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