Darum vermissen wir die «Ski Challenge» so sehr

Eine Rennsaison ohne das Kult-Game fühlt sich wie ein Winter ohne Eis und Schnee an. Früher hat es unseren Alltag geprägt.

Das waren noch Zeiten: In der «Ski Challenge» gingen hunderttausende Gamer auf Jagd nach Rekordzeiten und vermissen heute die virtuellen Abfahrten.

Das waren noch Zeiten: In der «Ski Challenge» gingen hunderttausende Gamer auf Jagd nach Rekordzeiten und vermissen heute die virtuellen Abfahrten.

(Bild: SRF)

Es ist zum Heulen. Besonders während der Live-Übertragung der Lauberhorn-Abfahrt werden die Augen feucht und es zuckt einen in den Fingern. Viele würden bestimmt einiges hergeben, um sich wieder einmal mit der «Ski Challenge» auf das härteste Skirennen der Welt einstimmen zu können. Doch das Game existiert nicht mehr; zumindest in jener Version, die es uns angetan hat. Die «Ski Challenge» fehlt uns enorm, weil...

...wir gegenüber Freunden und Arbeitskollegen nicht mehr mit neu herausgefahrenen Bestzeiten angeben können.

...uns vor dem «Znüni» niemand mehr mit einem Jubel- oder Frustschrei – samt Klopfen auf den Bürotisch – weckt.

...wir keine Ausrede haben, weshalb das tägliche Geschäft eine Viertelstunde länger dauert (z.B. bis der Anfahrtswinkel beim letzten Tor vor der Traverse auf der Streif stimmt).

...der bereits budgetierte Betrag für eine neue Tastatur (wegen zu starken Drückens auf die Pfeiltasten oder heftigen Draufhauens aus Frust) anderweitig investiert werden muss.

...wir nicht mehr den Topzeiten des unbekannten Österreichers (im Game nannte er sich Walter) nachjagen können.

...es uns weniger oder gar nicht mehr passiert, dass wir während dem Schauen der Lauberhorn-Abfahrt gedanklich die rechte und linke Pfeiltaste (oder vor einem Sprung die Leertaste) drücken.

...wir beim Skifahren die Kurven nicht mehr so wie die virtuellen Vorbilder nehmen.

...uns die Finger vor lauter Trainings- oder Rennfahrten weh tun und wir so um die einen oder anderen (Haushalts-)Arbeiten herum kamen.

...wir für das ultimative Skierlebnis wieder auf die Piste müssen – und dort draussen kann es manchmal saukalt sein.

Video: Die Lauberhorn-Abfahrt im «Ski Challenge»

Das digitale mit dem realen Rennen in Wengen verbunden: So viel Spass bereitete das Game den Spielern. (Video: Youtube)

Hunderttausende virtuelle Abfahrer

Die «Ski Challenge» wurde im Jahr 2005 als 3D-Computerspiel lanciert und begeisterte Massen. Entwickelt wurde das Game von der österreichischen Greentube Internet Entertainment Solutions AG in enger Zusammenarbeit mit dem ORF. Damals haben die SRG-Sender als Medienpartner zur erfolgreichen Verbreitung des Games beigetragen. Im Offline-Modus konnten die Teilnehmer trainieren, online wurden dann die Rennen in der realitätsnahen Simulation auf zahlreichen Abfahrtsstrecken bestritten und die Zeiten registriert. Später konnte das Spiel auch auf das Smartphone geladen werden. Ab 2011 kamen Super-G-Strecken als weitere Herausforderungen hinzu.

Im dritten Jahr hatten die SRG-Sender einen Höchstwert von 320'000 Downloads für die «Ski Challenge '08» registriert. Für die Version der Weltcup-Saison 2011/12 wurde neben der Download-Variante erstmals ein Webplayer (Spiel direkt im Browser möglich) angeboten. Nach jenem Winter beendete die SRG die Partnerschaft mit dem Spielentwickler. «Die Multimedia-Strategie wurde angepasst», erklärt Silvana Meisel, Projektleiterin Kommunikation bei der Business Unit Sport SRG, weshalb sich der Medienkonzern damals von der «Ski Challenge» verabschiedete. «Heute erhalten wir keine Nachfragen mehr zum Spiel», ergänzt Meisel.

Revival nicht ganz ausgeschlossen

Fans hat das Game aber heute noch. Da Greentube die Weiterentwicklung der «Ski Challenge» im September 2016 einstellte, schaltete die Community eine Homepage auf, sodass das Spiel sowohl im Off- als auch Onlinemodus weiterlebt (hier gehts zur Desktop-Version). So einfach wie früher lässt es sich aber nicht mehr downloaden und die Ranglisten sind auch weniger übersichtlich.

«Unser Kernsegment sind mittlerweile Casino Games, die Fortführung der ‹Ski Challenge› wurde aus unternehmensstrategischen Gründen im Winter 2016 eingestellt», hält Michaela Zajackova fest. Die Marketingverantwortliche der Greentube Internet Entertainment Solutions GmbH verrät, dass es aktuell zwar keine Pläne für eine Neuauflage des Spiels gebe. Mit dem abschliessenden Satz «aber wir wollen es nicht kategorisch ausschliessen» lässt Zajackova allen Fans einen funken Hoffnung auf ein Revival des Kult-Games.

ddu

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