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Bereit für den nächsten Schritt

Die Schweizerinnen überstehen die Vorrunde bei der Volleyball-EM nicht. Der abtretende Coach übergibt ein Team mit Perspektiven.

Starker Abschluss einer erfreulichen EM-Kampagne: Die Schweizerinnen schlugen Weissrussland 3:1. Foto: Andreas Eisenring
Starker Abschluss einer erfreulichen EM-Kampagne: Die Schweizerinnen schlugen Weissrussland 3:1. Foto: Andreas Eisenring

Im letzten EM-Match waren die Schweizerinnen für einen Sonder-Effort bereit. Gegen Weissrussland siegten sie 3:1. Trainer Timo Lippuner hatte vor der Europameisterschaft davor gewarnt, dass sein Team fünfmal 0:3 verlieren könne. Doch die Spielerinnen bescherten dem Headcoach, der nach sechs Jahren zurücktritt, nicht nur einen erfreulichen ­Abschluss. Sie waren schon vorher stärker, als manche erwartet hatten.

Gegen Rekord-Europameister Russland hätte im dritten Match der erste Satzgewinn gelingen können – nach einer 22:18-Führung und einem Satzball. Und gegen Spanien lag nach einer 2:0-Satzführung gar der Sieg in Griffnähe. Da habe in den entscheidenden Momenten die Erfahrung und auch etwas die taktische Disziplin gefehlt, begründete Lippuner.

Der Gesamtauftritt des Teams mit Durchschnittsalter 21,5 war sehr erfreulich. Andreas Vollmer, der Assistenzcoach von Deutschland und gleichzeitig Clubtrainer von Aesch-Pfeffingen, sah sich gar zu einem Lob veranlasst: «Vor Kurzem haben viele noch gedacht, dass die Schweizerinnen an der EM vielleicht Kanonenfutter sein würden, aber die haben grosse Fortschritte gemacht und gut mitgehalten.»

Nicht der Angriff entscheidet

Aufgeschlüsselt auf die Kern­elemente sah die Schweiz im internationalen Vergleich so aus: Vor allem dank der zwei Power-Angreiferinnen, den zwei Auslandprofis Laura Künzler (neu Mulhouse) und Maja Storck (Aachen), kann die Offensive im europäischen Vergleich bestehen. «Die beiden könnten bei jedem Gruppengegner in der Stammsechs mitspielen, mit Ausnahme von Russland ­vielleicht. In diesem Bereich sind wir wohl am nächsten dran», meint Lippuner.

Auch beim Service ist die Schweiz gut dabei: Captain Künzler (fünf Asse gegen Spanien) oder etwa Gabi Schottroff brachten mit dem ersten Ball die Gegnerinnen sehr oft in Bedrängnis.

Allerdings ist es eine alte Volleyballweisheit, dass nicht der Angriff über Sieg und Nieder­lage entscheidet, sondern die Kombination der Aktionen zuvor. Lippuner bringt es auf eine verkürzte Formel: «Neben dem Service entscheiden die besseren Annahmen eine Partie. Und zu 20 Prozent die bessere Defensive. Da hinken wir der Konkurrenz noch einiges hinterher.»

Der Schweiz gelangen in den ersten vier Spielen im Durchschnitt 36 Prozent positive Annahmen (davon 16,5 % sehr gute). Die vier Gruppengegner kamen aber auf fast 50 Prozent (25 %), was den entscheidenden Unterschied ausmacht.

Wir alle sind hier mit so viel Lust und Freude aufgetreten, und wir sind alle so ehrgeizig. Ich denke, dass das Team in etwa so zusammenbleiben wird.

Laura Künzler, Captain

Auch in der Verteidigung ortet Lippuner ein Defizit. Seine Spielerinnen seien zwar oft an den Bällen dran, könnten diese aber zu wenig kontrollieren. Da habe die Schweiz keinen ­körperlichen Nachteil, das sei schlichtweg eine Frage von Trainingsfleiss und bedingungsloser Bereitschaft.

Die Schaltstelle im Spiel, die Passeurposition, wurde von Méline Pierret besetzt. Sie war mit 1,75 m die Kleinste aller Zuspielerinnen in Bratislava. Sie hatte oft entscheidende Nachteile, sei es beim Pass oder beim Blockspiel.

Lippuner übergibt eine Equipe, in der er das professionelle Denken verankert hat; auch wenn er oft zu Kompromissen gezwungen war. Das Team scheint bereit, den nächsten gemeinsamen Schritt zu tun. Die Gespräche über die Zukunft wird der Verband zwar erst nach der EM führen, einen neuen Nationaltrainer gibt es noch nicht, aber Captain Laura Künzler ist zuversichtlich: «Wir alle sind hier mit so viel Lust und Freude aufgetreten, und wir sind alle so ehrgeizig. Ich denke, dass das Team in etwa so zusammenbleiben wird.»

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