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Zweifel bezüglich Reichweite

Durch die SRF-Offensive verbesserten sich die Karten in Verhandlungen mit potenziellen Partnern, sagt Christian Stuckis Manager Rolf Huser.

Die Sponsoren im Bild: Die Schwingerkönige Mat­thias Glarner (links) und Kilian Wenger unmittelbar vor einem Gang.
Die Sponsoren im Bild: Die Schwingerkönige Mat­thias Glarner (links) und Kilian Wenger unmittelbar vor einem Gang.
Andreas Blatter

Die Devise lautet: Zeigen, was man hat. Bis wenige Sekunden vor Beginn eines Gangs stehen sie da, die Spitzenschwinger, eingepackt in einen Trainingsanzug, ein Cap auf dem Kopf. Ob es kühl oder aber 30 Grad warm ist. Die Logos der Sponsoren sollen so lange wie möglich ersichtlich sein. Der Wiedererkennungswert ist ja auch enorm, in einer gänzlich werbefreien Arena. Weil die Abdeckung durchs Fernsehen so umfassend ist wie nie zuvor, scheint der Schwingsport attraktiver geworden zu sein für potenzielle Partner und Sponsoren. Weshalb sich die Frage stellt: Inwiefern profitieren die Athleten?

Rolf Huser ist der Pionier unter den Schwingerberatern. Bei der International Management Group angestellt, schickte er sich vor zehn Jahren an, das Portfolio Jörg Abderhaldens zu erweiterten, der sich seinerseits als erster Schwinger professionell vermarkten liess. Was damals verpönt war, ist heute fast schon gang und gäbe.

Mit eigener Firma kümmert sich Huser mittlerweile um Christian Stucki, und er ist überzeugt, dass die Popularität des Nationalsports durch die die SRF-Offensive nochmals zunehmen wird. Er erwähnt die hohe Qualität der Übertragungen, die besseren Karten in Verhandlungen mit interessierten Firmen. «Der Sponsor kann nun noch mehr Leute erreichen. Ergo bieten wir mehr Gegenwert.»

«Mikrokosmus Schwingerwelt»

Seine Branchenkollegen sind weitaus skeptischer. Roger Fuchs, zu dessen Klienten die Schwingerkönige Matthias Sempach und Arnold Forrer ­sowie der aufstrebende Remo Käser gehören, spricht zwar von einem Schritt in die richtige Richtung. «Jede TV-Minute kann man schwarz auf weiss als Argument vorweisen.» Den Wert von Übertragungen via ­Livestream jedoch hält er für bescheiden, «der Schwingtourist wird kaum im Internet nach diesen Sendungen suchen».

Zweifel betreffend die Reichweite hegt auch Beni Knecht, der die Stream-Berichterstattung als Angebot für den «Mikrokosmus Schwingerwelt» bezeichnet. «Da schauen vorwiegend Leute rein, die kein Ticket erhalten haben. Ein Quantensprung wäre es, würden mehrere Feste komplett auf SRF 2 oder SRF Info ausgestrahlt», sagt der Berater von Kilian Wenger und Matthias Glarner.

Chance für die zweite Garde

Weil Schwingfeste aber rund neun Stunden lang dauern und während dieser Zeitspanne reichlich Leerlauf besteht, existieren bezüglich Telegenität Fragezeichen. Anders als etwa bei Skirennen, wo Startzeiten und Startnummernprozedere nach dem Gusto der TV-Zuschauer festgelegt werden, wird nicht allzu viel unternommen, um die Wettkämpfe für den Fernsehkonsumenten attraktiver zu gestalten. Fuchs meint überdies, der Eidgenössische Schwingerverband hätte in den Verhandlungen mit SRF durchaus fordernder auftreten können. «Dass in der Regel nur der Schlussgang im TV gezeigt wird, halte ich für zu wenig.»

Die Gleichung «Mehr Bewegtbilder gleich höhere Attraktivität» sei aber nicht von der Hand zu weisen, meint Beni Knecht. «Auf künftige Verhandlungen kann dies einen Einfluss haben.» Derzeit jedoch sei davon kaum etwas zu spüren, würden die meisten Verträge doch im Dreijahreszyklus abgeschlossen: Sie laufen von einem «Eidgenössischen» bis zum nächsten. Ex-Radprofi Huser wiederum spricht von einer Chance für die zweite Garde.

«Nun haben auch diese Schwinger eine Plattform, sind einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich.» So hat etwa kürzlich der Emmentaler «Eidgenosse» Patrick Schenk einen Hauptsponsor gefunden, obwohl er ohne Kranzfestsieg dasteht. «Noch vor einigen Jahren wäre so etwas undenkbar gewesen», stellt Knecht klar.

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