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Unter dem Joch des Gigantismus

Die Sommerspiele 2012 in London werden zu den teuersten der Geschichte. Dabei wird das vor sieben Jahren eingereichte, sportbezogene Budget um gut 100 Prozent überzogen, was eine Trendwende bedeutet.

Als Baron Pierre de Coubertin 1894 beim Gründungskongress des Internationalen Olympischen Komitees das Motto «Citius, altius, fortius» vorgab (höher, schneller, stärker), dachte der französische Pädagoge wohl in erster Linie an die Leistungen der Teilnehmer. Doch während die sportlichen Bestwerte in etlichen Disziplinen – auch als Folge der intensivierten Dopingbekämpfung – an Grenzen gestossen sind, gilt seine Devise weiterhin ungebrochen für die Olympischen Spiele selber. Waren die ersten Wettkämpfe der Neuzeit 1896 in Athen noch ein beschauliches Treffen einiger Dutzend Athleten, so sind die Spiele zu Beginn des 21. Jahrhunderts zu derart kolossalen, städteverändernden und komplexen Gesamtwerken mutiert, dass selbst eine Metropole wie London sie nur noch unter Ächzen und Stöhnen stemmen kann.

De Coubertin beklagte selber schon 1911 «oftmals übertriebene Ausgaben für die Olympiaden», und der heutige IOK-Präsident Jacques Rogge sagte Ende der 90er-Jahre dem unbändigen Gigantismus den Kampf an. 2008 wiederholte er seinen Appell zum Masshalten: «Wir müssen sicherstellen, dass die Spiele nicht überorganisiert, zu gross und zu teuer werden. Jede Forderung nach mehr Sportarten im Programm, nach mehr Sportlern, mehr Trainern oder einem höheren Serviceniveau macht die Ausrichtung noch schwieriger», so der Belgier in Istanbul.

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