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Umstrittener Heilsbringer

Handballcoach Michael Suter hat die Nationalmannschaft auf Kurs gebracht. In der Szene steht er dennoch in der Kritik.

Polarisiert trotz Erfolg: Michael Suter. Foto: Keystone
Polarisiert trotz Erfolg: Michael Suter. Foto: Keystone

Der Mann hat Nerven! In Belgien spielte die Schweiz am Mittwoch; es war eine wegweisende Partie in der EM-Qualifikation. Nicht berücksichtigt wurde Lukas von Deschwanden, der mehrmalige MVP im hiesigen Meisterschaftsbetrieb, der im Sommer Wacker Thun zum Titel geführt hatte, anschliessend nach Deutschland wechselte, in die wohl beste Liga der Welt, und für seinen jüngsten Auftritt als Stuttgarter Regisseur eine Menge Lob erhielt. Michael Suter hatte den Urner zwar für den Zusammenzug aufgeboten, ihn aber nicht ins Kader für die erste Begegnung berufen.

Der Beschluss ist kühn, er passt zu einem Coach, der mit dem Versprechen angetreten war, die Dinge «anders zu machen», und er war insofern nicht falsch, als die Schweiz siegte. Mit Personalentscheidungen verblüfft Suter regelmässig. Philip Novak und Jonas Schelker nominierte er in den letzten Monaten, Noah Haas im Sommer: Es handelt sich um in Schaffhausen beschäftigte Talente, die bei den hierzulande längst nicht mehr überragenden Kadetten ziemlich weit davon entfernt sind, Schlüsselkräfte zu sein, und über wenig Erfahrung verfügen.

Mit derlei Entscheidungen macht sich Suter angreifbar, zumal ihm, dem Leiter der in Schaffhausen stationierten Swiss Handball Academy, eine gewisse Nähe zu den Kadetten attestiert wird, auch weil er deren Nationalliga-B-Team coachte. So manches Mitglied der helvetischen Handballszene spricht bemerkenswert kritisch über jenen Mann, der dabei ist, die Schweiz an die EM zu führen, und Verband wie Sportart durch das gewinnende Auftreten hervorragend repräsentiert.

Überdurchschnittlich intelligent sei er, einen riesigen Aufwand betreibe er, erzählen Beobachter. Dieselben Leute sagen aber auch, Suter sei ein Kontrollfreak und im Umgang mit seinen Spielern ungemein fordernd, er umgebe sich vorzugsweise mit Menschen, die ihm nicht die Stirn böten, und agiere ausgesprochen berechnend. Einzelne Nationalliga-A-Handballer erklären, sie würden ein Aufgebot womöglich ablehnen, weil sie eher nicht unter Suter auflaufen möchten.

Der Fall Getzmann

Offen kritisch über den Nationaltrainer spricht Simon Getzmann, der Topskorer des BSV Bern, welcher gegenwärtig kein Mitglied der A-Landesauswahl stellt. Der Rechtsflügel kennt Suter seit geraumer Zeit; dieser verantwortete Juniorennationalmannschaften, denen der Linkshänder angehörte. Auf die Frage, weshalb er nicht Teil des Schweizer Teams sei, sagt Getzmann, nachdem er im Mai 2017 EM-Qualifikationsspiele gegen Portugal bestritten habe, habe er nie wieder was vom Coach gehört.

«Er lässt einen nicht wissen, woran man zu arbeiten hat, damit man allenfalls wieder dazugehört.» Er findet, Suter habe in Sachen Kommunikation Defizite, legt aber Wert auf die Feststellung, dass er mitfiebere, wenn die Mannschaft spiele, dieser das Beste wünsche.

In der Liga trifft kein Rechtsflügel öfter als der 27-Jährige. Er versichert, dass er trotz familiärer und beruflicher Verpflichtungen einem Aufgebot Folge leisten würde. «Ich setze sehr wohl voll auf Handball, wie es Suter stets fordert. Ich habe eigens einen Job gewählt, der gewisse Freiheiten zulässt und sich mit Spitzensport vereinbaren lässt.»

Der Absolvent eines Bachelorstudiums arbeitet als Versicherungs- und Vorsorgeberater, und er erzählt, er könne sich gut vorstellen, auch in zehn Jahren noch auf diesem Level Handball zu spielen.

Suter sagt: «Ich empfinde keine schlechten Gefühle für Simon. Wir haben viele schöne Dinge zusammen erlebt.» Er biete ausschliesslich nach sportlichen Kriterien auf und schliesse nicht kategorisch aus, wieder auf Getzmann zurückzugreifen.

Erfolg hat der Winterthurer. Unter ihm glänzten Juniorennationalmannschaften, und nun führte er die A-Auswahl auf ein neues Level, nachdem mit Olympiasieger Goran Perkovac und dem hoch angesehenen Bundesligatrainer Rolf Brack grosse Namen beim Vorhaben gescheitert waren, die Schweizer Handballer auf Kurs zu bringen. An der Entwicklung vieler hiesiger Talente war er massgeblich beteiligt, und es gelang ihm, die Routiniers Andy Schmid und Alen Milosevic von seinem Konzept zu überzeugen.

«Das ist Quatsch»

Dass er in der Szene nicht unumstritten ist, ist auch auf die Eigenheiten des Schweizer Handballs zurückzuführen. Die Rivalität unter den Regionen ist ausgeprägt, es gibt die Ostschweizer, es gibt die Aargauer, die Innerschweizer und die Berner. Und ganz viele Interessen und mindestens so viele Meinungen.

Suter sagt, er plane langfristig, biete mit Ausnahme der Routiniers jene auf, die auch in zehn Jahren noch dabei sein würden. «Dass ich ein Imageproblem haben soll, ist Quatsch; das stimmt nicht. Ich erhalte sehr viele sehr gute Rückmeldungen, auch von meinen Vorgesetzten.» Aber, klar, geredet werde in der Handballschweiz immer – über alle und alles. «Ich gehe unbeirrt meinen Weg.»

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