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Rauchzeichen eines Comebacks

Lance Armstrong, pensionierter Radrennfahrer und siebenfacher Sieger der Tour de France, kommt zurück. Ernsthaft? Und – warum?

Zuerst waren es nur Rauchzeichen. Doch gestern Abend bestätigte Lance Armstrong die Gerüchte. «Nach Gesprächen mit meinen Kindern, meiner Familie bin ich glücklich über die Ankündigung, dass ich in den Profiradsport zurückkehre», liess er gegenüber der Agentur AP verlauten. Von fünf Rennen ist die Rede, die Lance Armstrong im nächsten Jahr bestreiten soll. Die Tour de France, die er zwischen 1999 und 2005 siebenmal gewann, gehört dazu. Die Frage ist nur: In welcher Mannschaft wird er fahren? Die am nächsten liegende Antwort heisst: Astana. Das ist das von der kasachischen Industrie gesponserte Team, das wegen der Dopingskandale im letzten Jahr die Tour de France dieses Sommers nicht bestreiten durfte. Es wird von Johan Bruyneel geführt, dem belgischen Teamchef, der Armstrong bei allen Tour-Siegen begleitete. Mit Alberto Contador fährt auch der Tour-Sieger von 2007 und designierte Favorit des nächsten Jahres für Astana.

Astana hat laut Mediensprecher Philippe Maertens «keine Pläne mit ihm». Bruyneel erklärte, er wisse von nichts, doch natürlich würde er das Angebot, noch einmal mit seinem Musterschüler zusammenzuarbeiten, nicht ablehnen.

Lance Armstrong wird die Sache schon sehr bald klären. Er mag das Spiel mit seinen Gegnern, zu denen er auch einen Grossteil der Medien zählt. Bei seinen Siegen in der Tour de France gehörte der Bluff zu seinem Repertoire. Er liebte es, seine Gegner zu überlisten. Mag sein, dass er auch jetzt nur spielt und sich lausbübisch über all die Reaktionen freut.

Trotzdem: Wenn Armstrong von einem Comeback spricht, muss man ihn ernst nehmen, auch wenn viele Fragen offen bleiben. Es ist denkbar, dass er bereits im Februar bei der Kalifornien-Rundfahrt dabei sein will - und danach bei Paris-Nizza, der Tour of Georgia, der Dauphiné und der Tour de France. Denn Armstrong gehört zu jener Art von Champions, denen alles zuzutrauen ist. Wer hätte vor neun Jahren gedacht, dass Armstrong nach überstandenem Hodenkrebs zurückkehren und die Tour de France gewinnen würde? Seither gibt es das Wort «unmöglich» im Zusammenhang mit dem Texaner nicht mehr. Auch wenn er bald 37 wird.

Tatsache ist: Lance Armstrong hat Anfang August beim «Leadville Trail 100» den zweiten Platz belegt und dabei den sechsfachen Sieger Dave Wiens zu einem Streckenrekord getrieben (auch er selber blieb elf Minuten unter der bisherigen Bestleistung). Der «Leadville Trail 100» ist ein Mountainbikerennen über 100 Meilen mit 5000 Höhenmetern, dessen Strassen und Wege auf 3800 Meter führen. Es war Armstrongs erstes Radrennen seit der Tour de France 2005, und offenbar hat es ihn wieder gepackt. Vor dem Rennen hatte er sich bei der amerikanischen Anti-Doping-Agentur Usada für das obligatorische Testprogramm der lizenzierten Rennfahrer angemeldet. Nach dem Rennen sprach er davon, in Zukunft weitere Bike- und auch Querfeldeinrennen zu bestreiten. Von einem Comeback auf der Strasse sprach er nicht.

Tatsache ist auch, dass Armstrong bei all seinen Siegen darunter litt, des Dopings verdächtigt zu werden. Er kämpfte mit Anwälten gegen alle Anschuldigungen, und er wirkte ziemlich hilflos, als ihm die Sportzeitung «L’Equipe» und das Labor von Châtenay-Malabry bei Nachkontrollen des gefrorenen Urins der Tour 1999 Epo-Missbrauch nachweisen konnten. Möglich, dass er im modernen Radsport, in dem Blutprofile als eine Art «biologischer Pass» jede Manipulation aufdecken sollen, eine Chance sieht, seine Sauberkeit zu beweisen. Laut «Velo News» will er seine Blutwerte ins Internet stellen. Und dann endgültig und unwiderruflich beweisen, dass er auch «clean» gewinnen kann?

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