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Ohne Fussball keine Seahawks

Ein Wunder hatte einst den Wegzug des Footballteams aus Seattle verhindert.

Manchmal wankt in Seattle die Erde, und dann werden die Seismologen nervös. Die Stadt im äussersten Nordwesten der USA liegt auf einer Subduktionszone. Zittern aber zwischen September und Februar in Seattle die Seismografen, hilft den Wissenschaftlern zur spontanen Beruhigung ein Blick auf den Spielplan der National Football League. Darauf würden sie erkennen: Es droht wohl gar keine Gefahr, dafür geht es den Seahawks umso besser. Wie vor knapp zwei Wochen: Da schlugen die Messgeräte um 15:29 Uhr und 12 Sekunden plötzlich aus. Die Seahawks hatten gerade mit einem Touchdown in der Verlängerung des Halbfinals die Green Bay Packers bezwungen. 68'000 Zuschauer stampften vor Begeisterung. Das CenturyLink Field ist eines der lautesten Stadien der NFL.

Es polterte häufiger in den vergangenen zwei Jahren, die Seahawks stehen ja gerade hoch im Kurs: Vor einem Jahr hatten sie Denver demontiert, und nun stehen sie erneut in der Superbowl. Vor nicht langer Zeit hatten die Seahawks aber nicht so viele Freunde wie jetzt. 1979 gegründet, waren sie weitestgehend ein Team ohne Erfolg und Gesicht, eine langweilige Franchise, der auch in ihrer Heimatstadt vornehmlich Missmut entgegenschlug. «Seachickens» wurde das Team verächtlich genannt.

«Ein perfektes Fussballstadion»

Die Misere ging so tief, dass es Mitte der Neunzigerjahre kaum Proteste hervorrief, als sich der Besitzer entschloss, das Team nach Los Angeles zu zügeln. Einzig ein Angebot von Microsoft-Mitbegründer Paul Allen verhinderte dies, aber Allen stellte eine Bedingung: Die Stimmbürger müssen ein neues Stadion bewilligen. 300 Millionen Dollar an öffentlichen Geldern sollte es kosten, weshalb klar war: Diese Abstimmung ist nur mit einem Wunder zu gewinnen.

Es kam in Gestalt von Fred Mendoza. Der Anwalt und Fussballfan trainierte in seiner Freizeit Amateure und Junioren und wusste, dass in Seattle eine Basis von 300'000 Menschen diesen Sport betreibt, der den USA so fremd war. Sein Traum war es, eine Franchise der neuen Major League Soccer (MLS) für Seattle zu erhalten, und als er eines Tages die Pläne des NFL-Stadions anschaute, dachte er sich: «Ein perfektes Fussballstadion.» Er rief Allen an und versprach: «Wird das neue Stadion für Football und Fussball vermarktet, gewinnen wir die Abstimmung.» Mendoza schien klar: Der hungrige Fussballfan kämpft eher für seine Sache als der übersättigte Footballfan.

Als mitten im Abstimmungskampf die MLS zusagte, in Seattle eine Franchise abzulegen, war das der Schub, den das Stadion brauchte. Mit 51 Prozent der Stimmen kam es 1997 gerade so durch. Mendoza sagt heute triumphierend: «Ohne Fussball gäbe es heute keine Seahawks.» Auf sein Fussballteam musste Seattle hingegen bis 2009 warten. (wie)

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