Nächster Halt: Budapest

Maria Piffaretti ist an den Schwimmweltmeisterschaften ab Freitag in Budapest (HUN) die einzige Athletin aus dem Bernbiet. Die 19 Jahre alte Synchronschwimmerin besitzt gute Chancen auf eine Olympiateilnahme.

Zügig unterwegs: Die Berner Synchronschwimmerin Maria Piffaretti pendelt zwischen Bern und Genf. Das Fernziel heisst aber: Tokio.

Zügig unterwegs: Die Berner Synchronschwimmerin Maria Piffaretti pendelt zwischen Bern und Genf. Das Fernziel heisst aber: Tokio.

(Bild: Christian Pfander)

Reto Kirchhofer@rek_81

Synchronschwimmerinnen trainieren viel, sie können unter Wasser lange die Luft anhalten – und sie tauchen selten in den Medien auf. So weit das Klischee. Wobei: Alle drei Dinge treffen zu. Und so kommt es, dass eine Synchronschwimmerin bei einem ihrer seltenen Medientermine mit grösster Wahrscheinlichkeit zwei Fragen beantworten muss: Wie viele Stunden pro Woche trainieren Sie? Wie lange können Sie im Wasser die Luft anhalten?

Bei Maria Piffaretti geht es vordergründig um eine andere Zahl, verbunden mit der Frage: Wie viel Zeit pro Woche verbringen Sie eigentlich im Zug? Die 19 Jahre alte Bernerin wohnt in Stettlen, trainiert aber dreimal pro Woche in Genf. So fährt sie etwa am Donnerstag von Bern nach Genf ins Training und zurück, besucht am Freitag das Sportgymnasium in Hofwil, reist am Abend retour in die Westschweiz, wo am Samstag die nächste Übungseinheit ansteht.

«Ich bin viersprachig, habe viele Einflüsse in mir, fühle mich aber als Bernerin durch und durch.»Maria Piffaretti

Piffaretti folgte vor einigen Jahren dem Ruf der Nationaltrainerin Delphine Berenguer in die Westschweiz. Im hohen Reiseaufwand sieht die Bernerin nur Vorteile: «Im Zug kann und muss ich die Arbeiten für die Schule erledigen. Auf diese Weise komme ich gar nicht in Versuchung, unnötig Zeit zu verschwenden.»

Natürlich stimmen für sie auch die sportlichen Perspektiven. In Genf trainiert sie mit ihrer ein Jahr jüngeren Duettpartnerin Maxence Bellina. Es handelt sich zurzeit um das stärkste Duett der Schweiz. Die beiden besitzen beste Chancen, an den Olympischen Sommerspielen 2020 in Tokio dabei zu sein.

Professionell und viersprachig

Im Verlauf des Gesprächs wird klar, dass Piffaretti zwei Wesensarten vereint, die sich häufig ausschliessen: Lockerheit und Ehrgeiz. Das Lockere, Lebenslustige verdankt sie ihren multikulturellen Wurzeln: Die Mutter ist Spanierin, der Vater Tessiner. Dazu kommt das Trainingsumfeld in Genf. «Ich bin viersprachig, habe viele Einflüsse in mir, fühle mich aber als Bernerin durch und durch», sagt Piffaretti und lacht.

Mit 8 Jahren habe sie sich «ins Synchronschwimmen verliebt». Seither ordnet die Bernerin der Sportart vieles unter. Trotz ihrer erst 19 Jahre lebt und trainiert die Athletin äusserst professionell. Wer die Matura absolviert, daneben 25 Stunden pro Woche trainiert sowie regelmässig mehrere Stunden Reisezeit auf sich nimmt, der braucht Wille und Selbstdisziplin. «Ich besitze sicher ein bisschen Talent. Aber ich würde mich vor allem als Arbeiterin bezeichnen.»

Piffaretti schildert ihren Wochenplan, spricht über die Bedeutung der Ernährung, erwähnt die Wichtigkeit der Ruhephasen und ertappt sich dabei, wie sie sagt: «Am Montag habe ich eigentlich frei.» Frei bedeutet: Montag ist Schultag – ohne zusätzliches Training.

Die Frage nach dem Weshalb

In einer Sportart, in welcher als Schweizerin kein Geld zu verdienen und das sportliche Ergebnis von Richterstimmen und anderen äusseren Einflüssen abhängig ist, bedarf es eines hohen Masses an Eigenantrieb. «Natürlich sieht es so aus, als kriegst du wenig zurück. Aber ich habe ein Ziel vor Augen. Und ich werde alles dafür tun, dieses zu erreichen.» Das Ziel heisst Tokio 2020.

«Natürlich sieht es so aus, als kriegst du wenig zurück. Aber ich habe ein Ziel vor Augen.»Maria Piffaretti

Eine wichtige Etappe auf dem Weg dorthin sind die Weltmeisterschaften in Budapest. Das Duett Bellina/Piffaretti wird sich erstmals an einem internationalen Titelkampf der Aktiven präsentieren. Der Final (Top 12) dürfte ausser Reichweite liegen. «Ein Platz in den ersten 15 wäre ein gutes Ergebnis», sagt Piffaretti.

Zum Abschluss posiert sie am Bahnhof vor der Abfahrt des Intercity nach Genf. «Oft werde ich gefragt, weshalb ich diesen Aufwand auf mich nehme», sagt Piffaretti. Die Antwort? «Ich mache es für mich, für meine Ziele und weil ich ungemein viel lerne» – während 1 Stunde und 44 Minuten zwischen Bern und Genf für die Schule –, vor allem aber fürs Leben.

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