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Mit 12 Zehen und Zahnschmerzen zu Gold

Was für eine Cinderella-Story: Die indische Siebenkämpferin Swapna Barman meistert alle Hindernisse.

All der Schmerz, körperlich und seelisch, war es wert. Endlich hat sich all die Mühe ausbezahlt – und sie steht da, wo sie immer stehen wollte. Sie, das ist Swapna Barman, eine indische Siebenkämpferin. Die 21-Jährige hat in ihrem Leben viel durchgemacht, nun hat sie Historisches geleistet.

Barman kommt aus Jalpaiguri im indischen Bundesstaat Westbengalen und wird mit je sechs Zehen an beiden Füssen geboren. Das macht es ihr von Beginn weg schwierig, die richtigen Schuhe, nicht nur für den Sport, sondern auch für den täglichen Gebrauch zu finden. Ausserdem schmerzen durch die Fehlbildung ihre Füsse bei Landungen im Sport. Finanzielle Unterstützung bekommt sie von ihrer Familie nur wenig, denn sie wächst unter ärmlichen Bedingungen auf. Ihr Vater, früher Rikschafahrer, ist altershalber seit Jahren bettlägerig und kann nicht arbeiten. Ihre Mutter arbeitet in einem Teegarten. Geld ist fast keins vorhanden. Nichtsdestotrotz macht Barman immer weiter, gibt nie auf.

«Schmerz ist der beste Motivator»

Auch wenn sie stets Schmerzen verspürt, arbeitet Barman weiter an ihrer Sportkarriere als Siebenkämpferin. 2018 nimmt sie an den Asienspielen in Indonesiens Hauptstadt Jakarta teil. Auch dort wird sie von den Schmerzen nicht verschont, dieses Mal tut ihr ein Zahn weh. Die Medien sind sich uneins, woher die Zahnschmerzen stammen. Zum einen existiert die Version, dass sie in einem der sieben Wettbewerbe – 1. Tag: 100 m Hürden, Hochsprung, Kugelstossen, 200 m. 2. Tag: Weitsprung, Speerwurf und 800 m – mit ihrem Kinn auf dem eigenen Knie landet. Zum anderen wird berichtet, kurz vor Beginn der Spiele hätte sie sich eine Entzündung eingehandelt, die immer schlimmer wurde. Barman schreibt auf ihrem Twitter-Account: «Schmerz ist der beste Motivator.»

Das scheint sich zu bewahrheiten. Vor dem abschliessenden 800-m-Rennen hat sie 64 Punkte Vorsprung auf ihre erste Verfolgerin. Ihr wird der Sieg also nicht geschenkt. Barman läuft mit Zahnschmerzen zu einem vierten Rang, das reicht, sie sichert sich Gold – mit persönlicher Bestleistung von 6026 Punkten. Sie ist damit die erste Inderin, die an den Asienspielen Gold im Siebenkampf holt. Zum Vergleich: Jackie Joyners (USA) Weltrekord von 1988 liegt bei 7291 Punkten, der Schweizer Rekord von Géraldine Ruckstuhl von 2017 steht bei 6357.

Mutter kanns nicht fassen

Nach ihrem Sieg sagt Barman überglücklich: «Alles tut weh, der Knöchel, das Knie, mein Rücken, die Finger und nun auch noch die Zähne.» Aber das ist ihr egal.

Wie viel der Sieg ihrer Familie bedeutet, zeigt die Reaktion von zuhause. Vor allem der Mutter geht der Erfolg sehr zu Herzen:

Vor den Asienspielen hatte Barman noch gesagt: «Ich brauche einen anständigen Job. Meiner Familie geht es finanziell schlecht und sie hat viel für mich geopfert. Eine Arbeit hätte mir geholfen, mich besser auf den Sport konzentrieren zu können.» Nun muss sie sich darüber keine Sorgen mehr machen.

Denn der Sieg in Jakarta zahlt sich für sie finanziell aus. Der westbengalische Ministerpräsident Mamata Banerjee gab bekannt, dass sie eine Prämie von 1 Million indischer Rupien, was rund 14'000 Franken entspricht, erhalte. Und er bot ihr einen Regierungsjob an.

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