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Matthias Mayer betet, hilft und siegt

Der österreichische Skifahrer ist streng gläubiger Christ, er nahm Flüchtlinge auf, sass im Rollstuhl. Nun schielt der zweifache Olympiasieger Richtung Gesamtweltcup.

«Ich will nicht nur an mich selbst und an Erfolge denken», sagt Olympiasieger Matthias Mayer. Foto: Keystone
«Ich will nicht nur an mich selbst und an Erfolge denken», sagt Olympiasieger Matthias Mayer. Foto: Keystone

Völlig «deppert» sei die Planung, sagt Matthias Mayer. Der Österreicher spricht vom Rennkalender über die Feiertage, der das Abend-Parallelrennen von Alta Badia am 23. Dezember und bereits am Stephanstag das Abfahrtstraining in Bormio vorsieht. Es wird nichts mit besinnlichen Weihnachten für Mayer und die anderen Fahrer, «das ist nicht im Sinne der Athleten».

Das Weihnachtsfest ist für Mayer besonders wichtig. Er ist streng gläubiger Christ, geprägt hat ihn die fromme Mutter, eine Pfarrgemeinderätin und Kirchenmusikerin. Sein Glaube sei allgegenwärtig, sagt der 29-Jährige. Immer wieder würden seine Leistungen glorifiziert, immer wieder werde er hochgejubelt. «In diesen Phasen gibt mir der Glaube Sicherheit, ich kann trotzdem locker und leicht durchs Leben gehen.»

Einst meinte Mayer, der zweimal Olympia-Gold und jeweils drei Abfahrten und Super-G gewonnen hat, dass seine Erfolge nicht nur auf körperlichem und mentalem Training basierten – sondern auch aus der Kraft, die er aus seinem Glauben erlange.

Der spezielle Fanclub

Bei Mayers Olympia-Siegen läuteten daheim im Dorf die Kirchenglocken. Er faltet die Hände nicht vor den Rennen zusammen, vielmehr betet er für die weniger Privilegierten – und bietet Hilfe an. 2015 nahmen die Mayers zwei irakische Familien auf, die es nach mehrmonatiger Flucht bis nach Österreich geschafft hatten. Er war bestürzt ob dem Leid, welches die Gäste ihm klagten, ob der ständigen Angst, die sie begleitete.

Mit seinem Fanclub setzt sich Mayer auch für Behinderte ein. Ein Mitglied wird auf seinem Weg zu den Special Olympics, der grössten Sportveranstaltung für Menschen mit geistiger Behinderung, unterstützt. Auch andere soziale Projekte werden gefördert, es gibt Aktivitäten für nicht privilegierte Kinder. Mayer sagt: «Ich will nicht nur an mich selbst und an Erfolge denken.»

Krankheit und Sturz

Als göttliche Fügung könnte man es bezeichnen, dass Mayers Karriere nicht früh zu Ende gegangen ist. Weil er verdorbenes Fleisch gegessen hatte, erlitt er eine Lebensmittelvergiftung, sein Immunsystem geriet aus der Balance, die Darmbakterien lösten eine Arthritis aus. Mayer hatte hohes Fieber, verlor 15 Kilo. Weil die Gelenke derart entzündet waren, sass er zwischenzeitlich im Rollstuhl. Was den Sport betrifft, gaben ihm die Ärzte keine guten Prognosen. Da war er 21.

Mayer stellte die Ernährung um, wechselte den Arzt. Und fand wieder in die Spur. Der nächste Rückschlag folgte vier Jahre später, der Kärntner stürzte in Gröden, brach sich den sechsten und siebten Brustwirbel. Mayer hatte grosses Glück im Unglück, es hätte weit schlimmer ausgehen können. Der Unfall ging in die Geschichte ein, weil sich erstmals in einem Rennen der Airbag ausgelöst hatte.

Es dauerte eine Weile, bis Mayer wieder sein gewohntes Niveau erreichte. So wie er auch Zeit brauchte, den Abfahrts-Olympiasieg 2014 in Sotschi zu verarbeiten. Im Weltcup hatte er zuvor nichts gewonnen, nun war er auf einen Schlag berühmt, und wie! Mayer war gestresst, er hatte Mühe, sich mit dem neuen Leben zu arrangieren. Immerhin trat er aus dem Schatten des Vaters – Helmut war 1988 mit Super-G-Silber aus Calgary heimgekehrt. Später förderte er seinen Junior, der sich an den ständigen Vergleichen aufrieb.

Der Vater hält sich längst im Hintergrund, anders Mutter und Freundin, die dem Sieger des Super-G von Lake Louise Anfang Dezember organisatorische Arbeiten abnehmen, den Rummel so klein wie möglich zu halten versuchen. Mayer mag den Trubel nicht, zwischenzeitlich fuhr er im XXL-Wohnmobil an die Rennen. 12 Meter lang, 15 Tonnen schwer, 35 Quadratmeter Wohnfläche – es war seine ganz spezielle Rückzugsoase.

Tennis-Duell mit Feuz

Mit Olympia-Gold im Super-G in Pyeongchang setzte Mayer seiner Karriere die Krone auf, um 13 Hundertstel distanzierte er Beat Feuz, mit dem er sich hin und wieder auf dem Tennisplatz duelliert. Was fehlt, ist eine Kristallkugel. Mayer ist einer von vielen, die nach dem Rücktritt Marcel Hirschers auf den Gesamtweltcup schielen.

Aus Nordamerika kehrte er als Führender heim, «aber ich habe mir den Zwischenstand nicht ausgedruckt und übers Bett gehängt». Alexis Pinturault und Henrik Kristoffersen sind ohnehin zu favorisieren, zumindest nach der heutigen Abfahrt aber könnte Mayer – gestern nach schwerem Fehler Elfter – wieder vorne liegen. In Alta Badia wird er auch den Riesenslalom und den Parallel-Bewerb bestreiten. Er weiss: Ruhige Weihnachten wird es erst nach der Karriere geben.

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