Kambundji überzeugt, andere bleiben Mittelmass

Der Abstieg der Schweizer Leichtathleten war nicht überraschend. Trotzdem stellen sich für die Saisonhöhepunkte Fragen.

Trotz Gegenwind: Mujinga Kambundji läuft über 200 Meter in 22,72 Sekunden persönliche Saisonbestzeit.

Trotz Gegenwind: Mujinga Kambundji läuft über 200 Meter in 22,72 Sekunden persönliche Saisonbestzeit.

(Bild: Freshfocus/Ulf Schiller)

Spannend wurde es nicht mehr, auch wenn Malaika Mihambo am Ende der Team-EM im polnischen Bydgoszcz noch die herausragende Leistung des ganzen Anlasses gelang. Die deutsche Weltjahresbeste sprang im letzten Versuch 7,11 m weit und überquerte die 7-m-Marke in diesem Jahr zum fünften Mal. Wenn sie es nicht schon vorher gewesen ist, dann ist sie es jetzt: die grosse WM-Favoritin. Ihrem Team hatte sie den Disziplinensieg und 12 Punkte schon zuvor gesichert, aber: Die Titelverteidigung gelang den Deutschen in der Super League dennoch nicht. Die Polen feierten mit 345 Punkten und ­deren 27,5 Vorsprung einen überlegenen Heimsieg, in genau einem Viertel der 40 Wettbewerbe hatten sie gewonnen.

Am anderen Ende des zwölf Nationen umfassenden Rankings mühte sich das Schweizer Nationalkader seit Freitag ab. 2017 mit Schweden und Finnland überraschend aufgestiegen, war klar gewesen, dass der Ligaerhalt eine zu grosse Herausforderung werden würde. Zumal die Super League von zwölf auf acht Nationen verkleinert wird und es deshalb fünf Absteiger (und nur einen Aufsteiger) gibt. So zeichnete sich bereits am Samstagabend ab, dass künftig sowohl die Schweiz (12./175 Punkte) als auch Schweden und Finnland wieder der First League angehören werden, zudem Tschechien und Griechenland.

22,72 bei viel Gegenwind

Von den rund 45 Schweizern ­gelang Mujinga Kambundji ­gestern die bemerkenswerteste Leistung und auch der einzige Disziplinensieg: In 22,72 sprintete sie über 200 m zu einer ­Saisonbestleistung – bei einem Gegenwind von 1,0 Meter pro ­Sekunde. Die Bernerin zeigt damit nach langer Suche deutliche Aufwärtstendenz, nachdem ihr vor einer Woche am Citius-­Meeting in 11,15 schon der erste befriedigende 100-m-Sprint geglückt war. Kambundji blieb nur drei Zehntel über ihrer Bestzeit – was wäre wohl bei günstigeren Verhältnissen möglich gewesen?

So erfreulich die Leistung der ­Rekordsprinterin (die mit der Staffel Zweite wurde), so zwiespältig die Mehrheit der anderen Resultate. So provozierte Europameisterin Lea Sprunger mehr Fragen, als dass sie – über 400 m flach – Antworten lieferte. Ihre 51,84 lagen weit über ihrer Bestzeit, ihr Lauf wirkte schwerfällig und arhythmisch. Und sprintete Salomé Kora über 100 m jüngst in 11,13 zu einer erstaunlichen Bestzeit, verpasste sie den Final in 11,68 ebenso erstaunlich.

Sechs Wochen bis zur WM

Ähnlich blass die Starts der ­U-23-Europameister Angelica Moser, Géraldine Ruckstuhl und Jason Joseph: Sie blieben weit entfernt von ihren Bestleistungen. Allerdings muss man ­ihnen zugutehalten, dass sie ihr Hauptziel hinter sich haben und mit dem Goldgewinn zum emotionalen Höhepunkt machten. Aber: Auch sie sind, wie Kambundji, Sprunger und Kora, für die WM (ab 27. September) qualifiziert. Ihnen bleiben 6 Wochen sowie die Meisterschaften und Weltklasse Zürich, um die Form (wieder) zu finden.

Eines zeigte die Team-EM deutlich: Fehlt mit Alex Wilson, Kariem Hussein, ­Selina Büchel und Fabienne Schlumpf ein ­ganzes Quartett, das an (Hallen-)Europameisterschaften schon Medaillen gewann, fehlt einiges an Erfahrung. Etwas zeigte ­diese EM aber auch: Mit Delia Sclabas (800/1500 m), Simon Wieland (Speer), Emma Piffaretti und Jarod Biya (beide Weit) hat die Schweiz Talente, die noch nicht 20 sind und bereits Luft auf höchster Ebene atmeten.

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