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Jetzt gegen Profis

Orientierungsläufer Joey Hadorn hat gute Erfahrungen mit Heimtitelkämpfen und kennt das Gelände im Tessin. Die Europameisterschaft ist für ihn trotzdem Neuland.

Joey Hadorn blickt seinen ersten Elite-Titelkämpfen entgegen.

Heute reisen die Schweizer Athleten ins Tessin. Morgen beginnt dort die Europameisterschaft. «Ich freue mich, dass ich überhaupt dabei sein darf», sagt Joey Hadorn. Diese Aussage mag erstaunen, denn der 21-Jährige aus Fahrni bei Thun kann bereits einen beachtlichen Palmarès ­vorweisen.

An der Heim-Weltmeisterschaft im bündnerischen Scuol hat er 2016 dreimal Gold und einmal Silber gewonnen. Doch alle bisherigen Auszeichnungen errang er als Junior. «Jetzt steht meine erste Elitesaison an, alles ist neu. Ich laufe nun gegen Profis, die sich teilweise auf einzelne Disziplinen konzentrieren und somit Spezialisten sind.»

Das war bisher nicht so: «Alle Junioren gehen noch zur Schule oder stecken in der Ausbildung.» Mit dem Schritt in die Elitekategorie ändern die Zielsetzungen. Hadorn geht an seinen zweiten Heimtitelkämpfen nicht auf Medaillenjagd, sondern hält fest: «Ich will die Qualifikation überstehen.»

Das Talent hat sich mit guten Leistungen an den Selektionswettkämpfen für die Heim-EM qualifiziert. «Diese Läufe haben gezeigt, dass nicht viel fehlt. Allerdings gelang mir keine fehlerfreie Leistung.

Nun hoffe ich, dass ich an der EM Topläufe zeigen kann.» Hadorn wird im Tessin im Sprint und über die Mitteldistanz starten. Da sind die Unterschiede zu den Junioren am kleinsten. Über die Langdistanz dagegen wird für ihn ein Lauf nun nicht mehr gut 60, sondern rund 90 Minuten dauern.

SM-Zweiter im Halbmarathon

Längere Läufe bedeuten für den Oberländer indes nicht ein Problem. Im vergangenen Jahr überraschte er an der Schweizer Halbmarathon-Meisterschaft mit Platz zwei, hinter dem Schweizer Aushängeschild und Europameister Tadesse Abraham.

Trotzdem wird Hadorn nicht in die Leichtathletik wechseln. «Natürlich reizt die Aussicht auf eine Teilnahme an Olympischen Spielen jeden Sportler, aber ich bleibe dem OL treu, obwohl diese Sportart leider nicht olympisch ist.»

Hadorn schliesst jedoch nicht aus, dass er in einigen Jahren ­einmal während einer Saison das Hauptaugenmerk auf Marathonläufe legen wird, auch im Hinblick auf einen möglichen Start an Sommerspielen. «Doch das ist Zukunftsmusik und sehr offen.»

Kein Profi-Status

Vorerst will sich Hadorn in der Elitekategorie der Orientierungsläufer etablieren. Profi will er aber noch nicht werden. Der ausgebildete Fahrradmechaniker absolviert derzeit die Berufsmatura. Die Schule wird er im Sommer abschliessen. Im Winter steht dann die Rekrutenschule für Sportler in Magglingen auf dem Programm.

«Dazwischen werde ich auch immer wieder in meinem früheren Lehrbetrieb, der Firma Stöckli, arbeiten.» Schliesslich sei der Trainingsaufwand für einen Laufsportler in seinem Alter begrenzt. Hadorn beziffert seinen physischen Trainingsumfang (ohne technische Einheiten wie das Kartenlesen) auf 550 Stunden pro Jahr, was rund eineinhalb Stunden pro Tag entspricht, aber im Winter und im Sommer variiert.

Das Schweizer Team hat seit 2017 im Tessin rund achtzig Trainings absolviert. Mit dem Heimvorteil peilt Swiss Orienteering mindestens sechs Medaillen an. Eine von Hadorn ist diesmal nicht eingerechnet.

Viele Berner

Unter den 172 Männern und 136 Frauen an der EM im Tessin sind auch viele aus dem Kanton Bern. Judith Wyder kehrt dabei nach einer Babypause ins Wettkampfgeschehen zurück. Die Bernerin gebar vor fünf Monaten eine Tochter.

Judith Wyder kehrt nach fünfmonatiger Babypause zurück. Video: Peter Berger

«Es ist nicht selbstverständlich, schon wieder am Start von internationalen Titelkämpfen zu stehen», betont sie. Auch für Sabine Hauswirth war der Start ungewiss. Die Belperin hatte im Januar einen Fussbruch erlitten. Mit Sarina Jenzer, Mar­tina Ruch, Florian Schneider, Jonas Egger, Joey Hadorn und der siebenfachen Juniorenweltmeisterin Simona Aebersold sind weitere Berner am Start.

Sabine Hauswirth hat sich rechtzeitig von einem Fussbruch erholt. Video: Peter Berger

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