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Erst gefallen, dann Gefallen erregt

Die Schweizer Degenfechter wurden an der EM in Montreux nach drei Titeln in Folge entthront, holten aber mit einem 39:28-Sieg über die Ukraine die Bronzemedaille.

Grosser Jubel: Fabian Kauter, Benjamin Steffen, Peer Borsky und Max Heinzer (von links) freuen sich über den Gewinn der EM-Bronzemedaille.
Grosser Jubel: Fabian Kauter, Benjamin Steffen, Peer Borsky und Max Heinzer (von links) freuen sich über den Gewinn der EM-Bronzemedaille.
Keystone

Es war gewiss kein Zufall, fand das Galadinner zum hundertjährigen Bestehen von Swiss Fencing am Mittwochabend statt. Der Mittwoch, 10.Juni, sollte der krönende Abschluss der EM in Montreux werden. Schliesslich stand der Teamwettbewerb der Degenfechter auf dem Programm. Die Disziplin, in welcher die Schweizer in den letzten drei Jahren dreimal Europameister geworden waren.

Und die vier Fechter wurden im Vorfeld nicht müde zu betonen, dass dieser Wettkampf für sie höchste Priorität geniesse. Das Resultat zählte im Hinblick auf die Olympischen Spiele 2016 in Rio für das Ranking eineinhalbfach. Dementsprechend hoch war der Erwartungsdruck, den sich die Athleten auferlegten.

Und dementsprechend hoch war auch die Fallhöhe. Als die Schweizer im Halbfinal überraschend an Estland scheiterten, brach für sie eine Welt zusammen. «In der Garderobe war es dreissig Minuten lang mucksmäuschenstill», sagte Fabian Kauter. «Im Kopf befanden wir uns schon im Final.»

Vom Jäger zum Gejagten

Denn der Halbfinal war für das Heimteam auf die bitterste erdenkliche Art und Weise verlaufen. Beim Stand von 27:25 ging Max Heinzer ins letzte Gefecht. Der Schwyzer, der am Sonntag nach dem Gewinn der Silbermedaille in der Weltrangliste auf Platz 3 vorgerückt ist, war in der Vergangenheit in solchen Momenten mehrmals über sich hinausgewachsen. So gelang ihm beispielsweise im Februar beim Turnier in Vancouver ein Meisterstück, als er im Final gegen die Ukraine innerhalb von 90 Sekunden elfmal punktete und die Schweiz trotz 29:37-Rückstand zum Erfolg führte.

In Kanada war Heinzer der Jäger gewesen, im Halbfinal von Montreux wurde er gestern zum Gejagten. Heinzer lag gegen den zweimaligen Weltmeister Nikolai Novosjolov bald einmal mit 31:26 vorne. Eine halbe Minute vor Schluss betrug der Vorsprung immer noch komfortable vier Punkte. Doch dann setzte der Este im Stile von Heinzer zu einer eindrücklichen Aufholjagd an, fünf Sekunden vor dem Zeitablauf gelang ihm der Ausgleich. Und in der Zusatzminute führte er die Aussenseiter in den Final. «Das geht auf meine Kappe. Doch wegen 39 schlechten Sekunden lasse ich mir mein Selbstvertrauen nicht nehmen. Ich bin keine Maschine», meinte Heinzer.

Auf Max Heinzers Schultern hatte gestern aber auch viel Verantwortung gelastet. Denn Kauter, der zweite Hoffnungsträger, erwischte wie schon im Einzel am Sonntag keinen guten Tag. Das 45:40 im Viertelfinal gegen Tschechien schloss der Berner mit einer Minus-8-Bilanz ab. Gemeinsam im Team hätten sie entschieden, dass es besser sei, wenn er nicht mehr antrete, sagte Kauter. «Es gab kein Argument mehr, das für mich sprach.»

Wichtige Punkte für Rio

Fabian Kauters Ersatz, der 24-jährige Peer Borsky, machte seine Sache vorzüglich. In die Bresche sprang aber vor allem der Älteste im Team. Benjamin Steffen (33), der wie Kauter bereits 2004 beim EM-Titel dabei gewesen war, trumpfte gestern gross auf und lieferte die beste Tagesleistung ab. Am Ende wies der Basler Linkshänder eine Plusbilanz von 27 Treffern auf. «Es war unglaublich», lobte Kauter.

Dank Steffens Vorarbeit bekundete Heinzer im Gefecht um Platz 3 gegen die Ukrainer keine Mühe, das Team zur Bronzemedaille zu führen. Den 39:28-Sieg bejubelten die Schweizer ausgelassen. «Wir waren am Boden zerstört, sind dann aber aufgestanden», resümierte Heinzer.

Mit dem 3.Rang sammelten die Schweizer wichtige Punkte im Kampf um den Verbleib in den Top 5 der Teamweltrangliste, die über die Vergabe der Startplätze für die Olympischen Spiele in Rio entscheidet. Hinter Frankreich, das gestern den Titel holte, und Südkorea verbleiben die Schweizer in der Top 3. Einem gelungenen Galadinner dürfte so nichts im Wege gestanden haben. Zumindest das gestrige Resultat kann nicht auf den Magen geschlagen haben.

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