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Ein Trio klagt, ein Trio strahlt

Im von vielen Absagen geprägten «Bern-Jurassischen» in Orvin endet der Schlussgang gestellt – Florian Gnägi, Willy Graber und Ruedi Roschi sind die Profiteure.

Sie haben gut lachen: Ruedi Roschi und Florian Gnägi können zusammen mit Willy Graber, der schon unter der Dusche ist, den Festsieg erben.
Sie haben gut lachen: Ruedi Roschi und Florian Gnägi können zusammen mit Willy Graber, der schon unter der Dusche ist, den Festsieg erben.
Andreas Blatter
Viel Action im Schlussgang, aber keine Entscheidung – Simon Anderegg stellt Lukas Renfer auf.
Viel Action im Schlussgang, aber keine Entscheidung – Simon Anderegg stellt Lukas Renfer auf.
Andreas Blatter
Christian Stucki (rechts) ist der grosse Favorit in Orvin. (Archivbild Tramelan 2017)
Christian Stucki (rechts) ist der grosse Favorit in Orvin. (Archivbild Tramelan 2017)
Andreas Blatter
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Am Freitagmittag kam der Anruf von Kilian Wenger: «Die Bauchmuskelzerrung ist nicht ausgeheilt, ich kann nicht schwingen», meinte der Diemtigtaler. Am ­frühen Samstagabend folgte die Textnachricht von Matthias Glarner: «Kann wegen des Fusses nicht schwingen, will nichts riskieren.» Und keine Stunde später meldete sich auch noch Christian Stucki: «Muss pausieren, habe einen bakteriellen Infekt im Hals.»

So einladend das Wetter am Sonntag auch gewesen sein mag – der Veranstalter des «Bern-Jurassischen» in Orvin war nicht zu beneiden. Dass sämtliche Aushängeschilder angeschlagen fehlten, führte zu einem qualitativ dürf­tigen Teilnehmerfeld. Auch die «Eidgenossen» Hansruedi Lauper und Damian Gehrig verzichteten auf den Start, mit Florian Gnägi und Willy Graber sowie den nachgemeldeten Simon Anderegg und Philipp Roth waren lediglich vier eidgenössische Kranzschwinger zugegen.

Letzterer brachte kein Bein vors andere, verpasste gar den Kranzgewinn. Anderegg wiederum erreichte den Schlussgang, liess gegen den erstaunlich zähen Jurassier Lukas Renfer nichts unversucht, blieb aber ohne Fortüne und wurde Zweiter. Weshalb sich die Mundwinkel von Gnägi und Graber nach oben zogen: Sie erbten vor 2000 Zuschauern den Festsieg.

Roschis Premiere

Als die Gewinner ausgerufen wurden, seifte sich Willy Graber gerade mit Duschgel ein. Zum sechsten Mal entschied der Bolliger ein Kranzfest für sich, letztmals hatte er vor über sechs Jahren eine Arena als Sieger verlassen. Gnägi, der am Pfingstsamstag mit dem «Neuenburger Kantonalen» bereits ein moderat besetztes Kräftemessen gewonnen hatte, sprach derweil von einem etwas glücklichen Sieg, den er richtig einzuordnen wisse. «Ich bin zufrieden, klar, aber mit meinem Notenblatt brauche ich nicht anzugeben. An den Bergfesten werde ich eine Schippe drauflegen müssen.»

Im Zentrum des Interesses jedoch stand Ruedi Roschi, welcher als Dritter im Bunde mit fünf Siegen respektive 58 Punkten reüssierte. Der Erfolg des 27-Jährigen aus Oey war nach den Rängen 4, 2 und nochmals 4 an den Gauverbandsfesten im Mai nicht ohne Ansage gekommen. Sehr schön und doch irgendwie komisch fühle es sich an, meinte der gelernte Zimmermann. «Wahrscheinlich wären die Emotionen noch intensiver, wenn ich im Schlussgang gestanden wäre.»

Viel fehlte allerdings nicht, und Roschi hätte sich einmal mehr mit einem Ehrenplatz begnügen müssen. Nach rund 8 Minuten lag Renfer im letzten Kampf des Tages auf dem Rücken; das «Guet» des Kampfrichters war vor Andereggs Zug jedoch nicht zu hören gewesen. Roschi seinerseits ist mit dem 3. Rang am letztjährigen Unspunnen-Schwinget ein Licht aufgegangen. Er glaubt seither viel stärker an sich, schwingt aggressiver. Und hat nun seinem prominenten Vater David tatsächlich etwas voraus: Der Schwinger­könig von 1972 in La Chaux-de-Fonds mag in seiner glanzvollen Karriere so vieles gewonnen haben, nie aber schwang er am «Bern-Jurassischen» obenaus.

Glarner und Sempach fehlen

Anfang Juni sind schon fünf von sechs Gauverbandsfesten passé, und hinter dem Formstand einiger Akteure in der Berner Equipe stehen etwelche Fragezeichen. Derweil die «Nicht-Eidgenossen» Matthias Aeschbacher (zwei Festsiege), Curdin Orlik und Ruedi Roschi (je ein Erfolg) für Aufsehen gesorgt haben, ist die Spitze primär mit sich selbst beschäftigt.

Wenger, dessen Bruder Marcel sich in Orvin als geteilter Sechster gerade noch den Kranz ergatterte, sollte am Sonntag auf dem Stoos wieder einsatzbereit sein. Glarner hingegen wird wie Stucki erst am «Seeländischen» in Dotzigen (17. Juni) wieder antreten. Länger pausieren muss Matthias Sempach, dessen Rückenbeschwerden nicht gänzlich abgeklungen sind; er dürfte erst am «Innerschweizerischen» in Ruswil (1. Juli) in den Sägemehlring zurückkehren.

Dezimiert werden die Berner auf den Stoos reisen, wobei die interne Vorgabe äusserst hoch ist. Am Sonntagabend meldete sich Teamchef Peter Schmutz und meinte: «Wir wollen den Sieg. Und die meisten Kränze.»

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