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Die Segel gestrichen

Der Triumph des Team New Zealand am America’s Cup erhöht die Wahrscheinlichkeit auf ein Comeback der Schweizer Equipe Alinghi. Eine erneute Teilnahme der zweimaligen Sieger aus Genf würde der Sportart einen Popularitätsschub verleihen.

Hohe Wellen: Die Alinghi reüssiert 2003 in Auckland – was in der Heimat auf Begeisterung stösst.
Hohe Wellen: Die Alinghi reüssiert 2003 in Auckland – was in der Heimat auf Begeisterung stösst.
Keystone

Es herrscht Euphorie. Boulevard und Feuilleton sind sich einig, erklären die Schweiz kurzerhand zur Segelnation. Nationalrat Toni Brunner, sportaffin und voller Enthusiasmus, schlägt vor, die Regatta beim nächsten Mal in hiesigen Gewässern auszutragen.

Und Moderator Bernard Thurnheer wird sich anlässlich der ­Ti­telverteidigung ein Schweizer Kreuz auf den Kopf malen lassen.

2003 gewinnt die Alinghi als erste europäische Equipe den America’s Cup, vier Jahre später wiederholt das Ensemble um den in Schönried im Berner Oberland wohnhaften Milliardär Ernesto Bertarelli den Triumph in einer mitreissenden Veranstaltung vor der Küste Valencias.

Die Landsleute fiebern stolz mit, Segeln ist schwer angesagt, wenngleich die futuristisch anmutenden, an ­Science-Fiction-Filme erinnernden Jachten wenig gemein haben mit den Booten, welche unsereins durch den See navigiert.

Am Montagabend MEZ sichert sich das Team New Zealand die älteste Sporttrophäe der Welt. Die Schiffe sind noch ein bisschen schneller geworden, erreichen Tempi von über 90 Stundenkilometern.

Der Rumpf befindet sich nicht länger im, sondern über Wasser, angetrieben wird das Hightechfortbewegungsmittel nicht zuletzt von Radfahrern, welche in der Mitte des Bootes in die Pedale treten. Rund 350 Millionen Dollar muss inzwischen aufbringen, wer um den Titel kämpfen will. Der Sieg der Neuseeländer ist hierzulande bloss Randnotiz, professionelles Segeln längst wieder eine Nische.

Der Hahnenkampf

Die Alinghi gibt es unverändert, im letzten Jahr gewannen die Genfer mit dem Bieler Nils Frei an Bord die in der Szene hoch angesehene Extreme Sailing Series. Nachdem Bertarellis Auswahl 2010 dem Team Oracle unterlegen war, zog sie sich vom America’s Cup zurück. Die Segel gestrichen haben die Schweizer nicht der Niederlage wegen.

Dem mit bloss zwei Rennen ausgesprochen kurzen Event war ein langwieriger Gerichtsstreit voraus­gegangen, der den Besitzer «ermüdete», wie dieser später in einem Interview mit der «Neuen Zürcher Zeitung» erzählte.

Bertarellis Widersacher war dabei Larry Ellison gewesen, gleichfalls schwerreicher Unternehmer. Dem US-Amerikaner gehört der Softwarekonzern Oracle – und, beispielsweise, das Tennisturnier in Indian Wells, das gelegentlich als inoffiziell fünfter Grand-Slam-Anlass bezeichnet wird.

Die beiden waren uneins über den Rahmen der Austragung. Der America’s Cup weist zig Eigenheiten auf; so bestimmt weitgehend der Sieger, wie es weitergehen wird. Dass das Team Oracle nun verlor, erhöht deswegen die Chancen auf ein Comeback der Alinghi.

Bertarelli hatte nie ausgeschlossen, zurückzukehren, stellte aber klar, dass er dies nur unter «interessanten Rahmenbedingungen» und der Voraussetzung, dass «verantwortungsbewusste Leute mit Visionen» dahintersteckten, tun würde.

Frei, Trimmer in der Genfer Equipe, weilt dieser Tage auf Madeira. Er sagt, er und seine Mitstreiter hätten den America’s Cup gebannt verfolgt, «uns verbindet schliesslich eine Menge damit». Einzelne Alinghi-Vertreter seien vor Ort gewesen und im Austausch gestanden mit Exponenten des Wettbewerbs.

Tendenzen zu einem baldigen Comeback der Schweizer gibt es laut dem 44-jährigen Bieler aber nicht. Er bestätigt jedoch, dass durch den Sieg der Neuseeländer eine Rückkehr «grundsätzlich realistischer» geworden sei.

Möglicherweise wird also das Standing des America’s Cup hierzulande demnächst wieder steigen. Und die Schweiz erneut zur «Segel­nation».

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