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Der Überflieger im Wasser

Thierry Bollin startet heute über 50 Meter Rücken zu seiner ersten Europameisterschaft bei den Aktiven. Der 18 Jahre alte Berner strebt einen Halbfinalplatz an.

Absprung: Thierry Bollin (vorne) beim Start an der Schweizer Meisterschaft in Genf.
Absprung: Thierry Bollin (vorne) beim Start an der Schweizer Meisterschaft in Genf.
Patrick B. Kraemer, Keystone

Er schwamm zuletzt am «Euro Meet» in Luxemburg, am Multinationsmeeting in Graz, an der Langbahn-Schweizer-Meisterschaft in Genf, an der Junioren-EM in Helsinki – und heute springt er an der Europameisterschaft der Aktiven in Glasgow ins Becken. Thierry Bollin ist häufig unterwegs, schnell unterwegs, erfolgreich unterwegs. Seit Jahren reiht der 18 Jahre alte Berner aus Niederried Erfolg an Erfolg. Die Leistungen werden honoriert mit Medaillen und Auszeichnungen: zwei Meistertitel in Genf, Bronze in Helsinki, dazu die Wahl zum «Bärn Champion» und die Verleihung des Panathlon-Preises.

Bei aller Beachtung behält Bollin, was ihn auszeichnet und was laut seinem Trainer Matthias Kage sein grosser Trumpf ist: die Lockerheit. «Natürlich freuen mich die Erfolge», sagt Bollin. «Es geht immer vorwärts. Aber das muss es auch. Denn die Erwartungen und die Ziele sind hoch.»

Niederlage als Motivation

Wenn Bollin auftaucht, sieht er die Olympischen Spiele 2020 am Horizont. Olympia ist als Zielsetzung bei Athleten en vogue, die Teilnahme für viele ein Traum, für den jungen Berner aber absolut realistisch. Dies belegen entsprechende Vergleiche mit der internationalen Konkurrenz.

Anfang Juli schlug Bollin an der Junioren-EM über 50 Meter Rücken als Dritter an, schaffte damit Historisches, weil er als erster Schweizer Athlet an zwei ­verschiedenen Junioreneuropameisterschaften aufs Podest geschwommen ist. Fast wichtiger war allerdings der Umstand, wonach der Youngster zuvor über 100 Meter Rücken das Podest klar verpasst und ausnahmsweise einen Rückschlag zu verarbeiten hatte.

«Es geht ruhiger zu und her als bei den Junioren.»

EM-Teilnehmer, Thierry Bollin

«Mir ist bewusst, dass es nicht immer aufwärtsgehen kann. Wichtig ist, sich in schlechten Phasen durchzubeissen. Das ist mir gelungen. Ich nutzte die Niederlage als Motivationsfaktor.» David Burkhardt, Nachwuchschef beim Verband Swiss Swimming, zeigte sich in seiner EM-Bilanz «speziell beeindruckt» von der Art, wie Bollin mit der «grossen Enttäuschung» umgegangen sei.

Helsinki ist passé, ebenfalls Bollins Juniorenzeit. Heute steht der Rückenspezialist in Glasgow erstmals bei einer EM der Aktiven am Start. «Es geht darum, Erfahrungen zu sammeln. Aber ich will auch etwas erreichen», sagt Bollin. Er wird über 50 und 100 Meter Rücken antreten. Das Ziel ist ein Halbfinalplatz.

Unbeschwert ins Becken

Die Schweizer EM-Delegation wird angeführt von Jérémy Des­planches. Seit Flavia Rigamontis Rücktritt 2008 fehlt Swiss Swimming das Aushängeschild. Immerhin zählt Desplanches in Glasgow zu den Medaillenkandidaten. Der 23 Jahre alte Romand – er lebt und trainiert in Nizza – ist über die 200 Meter Lagen in der Jahresbestenliste die europäische Nummer zwei.

«Ich kann von Jérémy und den anderen einiges abschauen. Bei den Aktiven geht es ruhiger zu und her als bei den Junioren, entspannter auch», sagt Bollin und lacht. Die Playstation hat er jedenfalls mitgenommen und die Teamkollegen bereits herausgefordert. Der Youngster ist bestrebt, für lockere Stimmung zu sorgen. Denn das ist für ihn die Voraussetzung dafür, im Becken unbeschwert antreten zu können.

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