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Der Superstar und die 29 Wiederholungen

Vor der Superbowl perfektioniert Marshawn Lynch seine Verweigerungstaktik, denn er will partout nicht mit Journalisten sprechen. Trotzdem hat er sich in die Bredouille gebracht.

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Mit Journalisten zu sprechen, ist nicht die Lieblingsdisziplin von Marshawn Lynch. Der Runningback der Seattle Seahawks, die am Sonntag in der Superbowl gegen die New England Patriots spielen, demonstriert dies, wann immer er kann. Zunächst ignorierte er die Medienschar ganz, worauf ihn die National Football League Mal für Mal büsste: Medienarbeit schreibt ihm sein Arbeitsvertrag vor. Ebenfalls in diesem Vertrag steht, dass Lynch jedes Jahr 7,5 Millionen Franken zustehen.

Also übte er in der Folge passiven Widerstand: Zwar stellte er sich im Laufe dieser Saison den Medien zur Verfügung, statt aber Antworten zu geben, bedankte sich Lynch einfach jeweils für die Frage. Für jede einzelne Frage.

Die Kinder in Brasilien? Keine Antwort

Es kam am Dienstag der Media Day anlässlich der Superbowl-Aktivitäten in Glendale, Arizona. Damit die gegen 10'000 angemeldeten Journalisten genug Informationen bekommen, müssen sich ihnen die Teams ausgiebig stellen. Das gilt für alle Spieler, auch Marshawn Lynch. Der stellte aber, kaum auf dem Podest angekommen, klar: «Ihr wisst, warum ich hier bin.» Und zwar: «Ich bin nur hier, um nicht gebüsst zu werden.»

Dieses Sätzchen sagte er jedes Mal, wenn er etwas gefragt wurde. Ob zu seiner Form, seinen Gedanken zur Superbowl oder zu jenen brasilianischen Kindern, die er vor einigen Monaten besucht hatte und sie seither karitativ unterstützt. «Ich bin nur hier, um nicht gebüsst zu werden.» Manchmal lächelte er süffisant. Insgesamt 29-mal betete er den Satz herunter, dann klingelte sein Wecker. «Time», sagte er und stob davon.

Einst 100'000 Dollar Busse

Ja, nicht einmal von Deion Sanders hatte er sich erweichen lassen. Der einstige Superstar der Dallas Cowboys ist inzwischen Experte für den Sender CBS und das NFL Network und hat zu allen Profis einen vorzüglichen Draht. Er pirschte sich von der Seite an das Podest heran, auf dem Lynch sass, und stellte ihm mehrere Fragen. Jedes Mal schallte es zurück: «Ich bin nur hier, um nicht gebüsst zu werden.» Irgendwann hatte Sanders genug und drehte – lachend – ab. Das Ganze ist inzwischen auch ein Spiel im Sinne von: Wer zuerst blinzelt, hat verloren.

Am Ende dürfte Lynch sich die Busse erspart haben, er hat sich den Medien schliesslich nicht verweigert. Dumm nur (oder Kalkül?), dass er während seiner «Pressekonferenz» ein Cap mit seiner eigenen, nicht lizenzierten Marke Beastmode trug. Die NFL hat eine strikte Superbowl-Kleiderordnung und will sich den Fall nach der Superbowl anschauen. Als 2007 der damalige Chicago-Spieler Brian Urlacher dagegen verstiess, musste er 100'000 Dollar Busse zahlen.

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