Der Chef muss gehen

Das Team Adelboden trennt sich vom langjährigen Skip Sven Michel. Der Inter­lakner will wieder mehr Spass am Sport haben, die anderen Spieler jedoch verfolgen nur ein Ziel: die Qualifikation für Olympia 2018.

Vergangenheit: Sven Michel, Enrico Pfister, Simon Gempeler und ­ Marc Pfister (von links) werden künftig getrennte Wege gehen.

Vergangenheit: Sven Michel, Enrico Pfister, Simon Gempeler und ­ Marc Pfister (von links) werden künftig getrennte Wege gehen.

(Bild: Hans Wüthrich)

Marco Oppliger@BernerZeitung

Sommerzeit, Ferienzeit? Sommerzeit, Arbeitszeit! Wer denkt, Curler würden zwischen April und September eine ruhige Kugel schieben, liegt falsch. Sven Michel, Maurer und Skip des Teams Adelboden, schuftete am Dienstag auf der Baustelle. Und Marc Pfister, Maschinist und Third im Oberländer Ensemble, leistete in den letzten Tagen auf dem Bagger Überstunden.

Keine Kompromisse

Gut möglich, dass die beiden froh um die Abwechslung waren. Denn am Morgen verkündete das Team brisante Neuigkeiten: Simon Gempeler, Enrico Pfister, Marc Pfister und Sven Michel wollen nicht länger zusammenspielen. Nach einer umfassenden Saisonanalyse und intensiven Gesprächen über die Planung des nächsten Winters seien unterschiedliche Einschätzungen und Prioritäten aufgetreten, liessen sie verlauten. Deshalb muss Michel die Equipe verlassen.

«Es tut uns sehr leid für Sven, aber auf diesem Niveau kann man keine Kompromisse eingehen», sagt Marc Pfister, der die Rolle des Vizeskip innehat. Gempeler und die beiden Pfister-Brüder sind der Meinung, dass sich im Team nicht viel verändert hätte, wäre es in dieser Formation zusammengeblieben. «Doch wir drei denken ziemlich gleich, wollen unsere Ziele erreichen», hält Pfister fest. Das Hauptziel wurde im letzten Sommer definiert, als sich die Oberländer Gempeler und Michel mit den Emmentalern Marc und Enrico Pfister zusammengetan hatten. Es ist die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2018.

Wenig Zeit für Spielersuche

Michel, der das Team seit sieben Jahren anführte, sagt: «Für mich ist es wichtig, Spass am Sport zu haben. Ich wollte das Curling deshalb wieder etwas mehr als Hobby angehen.» Beim 28-Jährigen haben sich die Prioritäten verschoben. «Ich möchte im Beruf aktiver sein, Geld verdienen. Das darf nicht zu kurz kommen», sagt er. Michel nimmt seinen Kollegen nicht übel, haben sie sich gegen ihn entschieden. Auch Marc Pfister betont, man gehe in Freundschaft auseinander.

Ausschlaggebend für die Trennung dürfte letztlich der Auftritt an der WM in Basel im April gewesen sein. Das Team Adelboden erreichte dort nur den 9. Platz. «Da haben wir gemerkt, wo wir im Vergleich mit der internationalen Konkurrenz stehen. Wir haben ­alle mehr erwartet», sagt Pfister.

Michel führte die Adelbodner 2013 zum Europameistertitel, ein Jahr später an die Olympischen Spiele und zu EM-Bronze. Ob er seine Karriere in einem anderen Team fortsetzen, oder aufhören wird, lässt der Interlakner offen. Seine ehemaligen Teamkollegen suchen derweil mit Hochdruck nach einem neuen Spieler. Viel Zeit bleibt ihnen nicht, schliesslich beginnt das Eistraining bereits im Juli, und die Qualifikation für Olympia 2018 läuft.

Denkbar ist, dass Marc Pfister nun die Chefrolle übernimmt. Schliesslich hatte er vor seinem Wechsel zu Adelboden als Skip das Team Bern Heliomalt überraschend an die WM 2015 geführt. Der 26-Jährige hält fest, die Positionen würden zugeteilt, wenn ein neuer Spieler bereitstehe. Es gibt für ihn in diesen Tagen viel zu tun – nicht nur auf der Baustelle.

Berner Zeitung

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