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Das Versuchslabor produziert neue Träume

Die Olympischen Jugendspiele in Lausanne gehen in die Endphase. Stars, Gegensätze, Kuriositäten und einen Beweis gibt es schon heute.

Erste olympische Schritte: Skitourenrennen an den Jugendspielen. Foto: Joel Marklund (OIS)
Erste olympische Schritte: Skitourenrennen an den Jugendspielen. Foto: Joel Marklund (OIS)

Lauberhornrennen? Phaa. Laax Open? So what. Eishockeyrunde? Können wir auch. Sie hat dem befrachteten Sportwochenende im Land getrotzt, die Weltjugend an ihren Spielen in der Westschweiz und in St. Moritz. Am Mittwoch gehen die zwei Wochen zu Ende. Ausgelebt haben 1800 Talente ihren Traum, geglückt ist im Versuchslabor, das der Event auch sein wollte, aber nicht alles.

Der Star:

Der Jugend längst entwachsen

Bei niemandem wurden die Superlative so strapaziert wie bei der Siegerin im Slopestyle der Freeskier: Kelly Sildaru aus Estland, 17 Jahre alt und bereits – eben – ein Star. Während die Games für die Mehrheit der erste internationale Wettkampf sind, ist sie schon routiniert, auch im Siegen. Dass es nur ein Contest mehr ist, hätte sie aber nie so gesagt. Ihre Erfolgsliste ist jetzt schon länger als die meisten von Zurückgetretenen: Mit 11 der erste Wettkampf, mit 14 der erste Gewinn der prestigeträchtigen X-Games (von dreien), mit 17 der erste WM-Titel.

Mit fast 18 demonstrierte Kelly Sildaru nun, dass sie der Jugend längst entwachsen ist. So sagte sie am Samstag nach dem Coup in Leysin: «Ich bin glücklich über dieses Gold, die Erfahrung wird mir 2022 an Olympia in Peking definitiv helfen.» Ob ihr Weg dorthin führt, ob sie die Qualifikation schafft, keine Frage. Sie ist die Beste – wenn sie sich nicht verletzt wie vor Pyeongchang 2018.

Mit 18 der Jugend längst entwachsen: Kelly Sildaru. (Foto: Simon Bruty/Keystone)
Mit 18 der Jugend längst entwachsen: Kelly Sildaru. (Foto: Simon Bruty/Keystone)

Der Magnet:

Eishockeyverrückte Romandie

70'000 Schulkinder seien in die Spiele involviert, sagte OK-Präsidentin Virginie Faivre vor Beginn und meinte damit, seien als Zuschauer «verpflichtet». Nötig sind diese in der Vaudoise Aréna in Lausanne nicht. Sonntagmorgen, 11.30 Uhr, die Affiche lautet: Schweiz - Japan, ein Spiel der 14- und 15-jährigen Frauen. Die Arena: mit 6600 Zuschauern gut gefüllt. Vorwiegend Familien, ab und zu eine Schweizer Fahne. Und vor dem Eingang eine Armada Buggys.

Dass die Romandie eishockeyverrückt ist, ist nicht neu. Neu war hingegen das Format, das in der ersten Woche ausprobiert wurde: das 3-gegen-3-Spiel, wobei sich jedes Trio aus drei Nationen zusammensetzte. Die Folge: drei Gold-, drei Silber-, drei Bronzemedaillen für den Medaillenspiegel. Verspielt bis verwirrend oder gar kurios. Dass die Zuschauerzahlen so gut sind, verdankt sich dem freien Eintritt.

Die Gegensätze:

Aus dem Vollen, aus dem Nichts

Langlauf Cross 1. Siri Wigger (16), Schweiz 57. Nomin-Erdene Barsnyam (15), Mongolei

Einen Tag später: Langlauf Sprint 1. Wigger. 60. Barsnyam.

Zwei Rennen, zwei Läuferinnen, zwei völlig unterschiedliche Wege in eine mögliche Sportkarriere. Siri Wigger ist ein grosses Schweizer Talent. Nicht von ungefähr: Die Eltern Jeremias Wigger und Silvia Honegger waren das selbst und haben je 3-mal an Olympia teilgenommen. Siri Wiggers Weg war also vorgezeichnet: Laufen, Langlaufen, Erfolgreichlanglaufen.

Ganz anders jener von Nomin-Erdene Barsnyam. Die Mongolin hatte das Glück, vom Schweizer Arzt Pascal Gertsch zu seinem Projekt eingeladen zu werden. Vor drei Jahren setzte sich der 74-Jährige, der als Pensionierter immer wieder freiwillig in der Mongolei tätig ist, zum Ziel, eine Gruppe Einheimischer an die Spiele zu bringen. Er hat es geschafft, sie haben es geschafft. In den Anfängen hatten noch nicht alle Stöcke, sondern lediglich Stecken, am Ende wurden sie zu Trainingslagern im Vallée de Joux, dem Wettkampfort, eingeladen. Siri Wigger sagte nach ihrem Triumph, sie sei sehr ehrgeizig, das sei ein Ernstkampf für sie gewesen. Für Nomin-Erdene Barsnyam war es fürs Erste wohl ein Erlebnis.

Anfangs hatte sie noch Stecken: Die Mongolin Nomin-Erdene Barsnyam. (Foto: Laurent Gilliéron/Keystone)
Anfangs hatte sie noch Stecken: Die Mongolin Nomin-Erdene Barsnyam. (Foto: Laurent Gilliéron/Keystone)

Das Ideal:

Sport ist nicht alles

Ob Ernstkampf oder Erlebnis: Die Games haben sich auf die Fahne geschrieben, nicht nur Games, sondern zu 50 Prozent auch Lernpodium zu sein. «Die Jungen sollen ihr Bewusstsein für den Sport, aber auch für die Gesundheit und ihren Körper schärfen. Sie müssen lernen, zu sich Sorge zu tragen, wenn sie gesund alt werden wollen», sagt Faivre. Im kreisrunden Olympiadorf im Uniquartier reiht sich im Parterre diesbezüglich Lounge an Lounge.

Bei «Athlete365» steht das Sicherheits- und Ethikbewusstsein im Zentrum, bei «Health for Performance» die Prävention. Aus einer tönt Musik, in der nächsten werden Videos aufgenommen, in der übernächsten hat die Welt-Anti-Doping-Agentur einen Infostand. Um die Jungen dem olympischen Idealathleten näherzubringen, findet abends jeweils ein «Chat mit einem Champion» statt.

An diesem Abend beantworten Timea Bacsinszky und Florence Schelling Fragen. Aber: Noch ist früher Nachmittag, die Lounges sind fast leer, das Interesse ist gering. Zwei Dutzend jener Athletinnen und Athleten, die freihaben, hängen im Café im Innenhof ab, wie es der Türsteher im Jargon sagt. Was ideal ist, ist auch hier Ansichtssache.

Der Beweis:

Die Schweiz kann das

Olympiastadt ist Lausanne dank IOK-Sitz längst, olympischer als jetzt war sie aber nie. Die Spuren sind überall, Athleten, Betreuer, Zuschauer, alle sind mit dem ÖV unterwegs; im Quartier Flon unterhalten abends Konzerte und anderes. Spuren hinterlassen aber auch die Wettkampforte im Wallis und im Jura: Die Schweiz kann das, Olympische (Jugend-)Spiele austragen.

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Eisbrecher – der Hockey-Podcast von Tamedia

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