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Berner OL-Märchen im Tessin

Mit Silber hat Judith Wyder für einen starken Auftakt an der EM im Tessin gesorgt. Mit Sabine Hauswirth kommt in den Walddisziplinen ein weiterer Berner Trumpf hinzu.

Auf Silberkurs: Judith ­Wyder unterwegs im EM-Sprintrennen.
Auf Silberkurs: Judith ­Wyder unterwegs im EM-Sprintrennen.
Davide Agosta ­(Keystone)

So ein unbeschwertes, freies Lachen wie am Sonntag nach dem EM-Sprintrennen hat man bei Judith Wyder nach sportlichen Auftritten zuletzt nur noch selten gesehen. Immer wieder musste die 29-Jährige aus Bern in der jüngeren Vergangenheit gesundheitliche Rückschläge verarbeiten und aussetzen. Vor einem Jahr dann folgte die Schwangerschaftspause. Anfang Dezember gebar sie eine Tochter.

Der Wiedereinstieg verlief zunächst harzig. «Die EM im Tessin kommt für mich zu früh», sagte sie deshalb im Vorfeld. «Die erfreulichen Fortschritte während des letzten Monats» verliehen ihr aber Zuversicht.

Und so lief sie beim EM-Start mit dem einst ausgespielten Selbstvertrauen und Selbstverständnis – sowohl vormittags in der Qualifikation in Bellinzona wie auch nachmittags beim Final in Mendrisio. Das hervorragende Ergebnis im Sprint aber überraschte sie selber: Platz 2, geschlagen nur von der aktuellen Weltnummer 1, Tove Alexandersson aus Schweden.

Glücksgefühle zu dritt

Judith Wyder sprach danach von «höchsten Glücksgefühlen» und hob hervor, «wie schön es ist, einen solchen Erfolg mit Gabriel und Linn zu feiern». Ihr Ehemann, der Multisportler Gabriel Lombriser, und ihre Tochter begleiten an der EM die sichtlich beflügelte Mutter.

«Von einem derartigen Erfolg hätte ich nicht zu träumen gewagt», sagte sie. Diese Silbermedaille habe einen besonderen Stellenwert in ihrem Palmarès, sie relativierte aber auch: «Den Vergleich mit meinen früheren Bestresultaten möchte ich nicht ziehen.»

Weltmeisterin im Sprint (2014) sowie Europameisterin im Sprint (2014/2016) und über die Langdistanz (2014) ist sie bereits geworden. Hinzu kommen die drei Weltmeister- und die beiden EM-Titel mit der Staffel, respektive mit der Mixed-Staffel. Gespannt blickt sie nun auf die Walddisziplinen.

Senkrechtstarterin Aebersold

Eine andere Bernerin überraschte sich ebenso: Simona Aebersold. Die erst 20-Jährige aus Brügg hat sich in den letzten drei Jahren als siebenfache Weltmeisterin bei den Juniorinnen profiliert und ist in dieser Kategorie nach wie vor startberechtigt.

Diese Elite-EM hatte sie anfänglich nicht eingeplant. Erst Anfang Jahr liess sie sich von Kader­trainerin Vroni König überzeugen. Die Qualifikation fürs Team schaffte sie souverän. Und die ersten Auftritte auf höchster Ebene waren mehr als überzeugend: Aebersold belegte in ihrer Qualifikationsgruppe Platz 2. Im Final lief sie dann auf Platz 5.

«Ich kanns noch nicht glauben», sagte sie unmittelbar nach dem Rennen und wusste nicht, wie sie «dieses Resultat einordnen soll». Und es wäre beinahe noch besser gekommen: Bis zum letzten Kontrollposten lag sie gar auf Platz 4, ehe sie von Weltmeisterin Maja Alm (Dä) noch überholt wurde. «Nümm möge» habe sie am Schluss, sagte Aebersold lächelnd. Starten wird sie auch noch über die Mitteldistanz sowie in der Staffel.

Enttäuscht zeigte sich dagegen Sarina Jenzer. Sie war nur Siebte geworden, nachdem sie am Morgen ihren Lauf in der Qualifikation noch vor Aebersold gewonnen hatte.

Hauswirth revidiert Ziele

Und da ist aus Berner Sicht noch Sabine Hauswirth, die Aufsteigerin der letzten Saison (Gesamtweltcupdritte, WM-Teamsprint-Bronze). Die 30-Jährige aus Kirchenthurnen erlitt im Januar einen Ermüdungsbruch im Fuss. Das grosse Ziel Heim-EM war gefährdet.

Erst vor gut drei Wochen begann sie sachte wieder mit dem Laufen. Und dabei erkannte sie, «dass ich physisch weniger als befürchtet verloren habe». Nach bestandenem Belastungstest fand sie Aufnahme im Team. Revidiert hat sie hingegen ihre Zielsetzung für ihre Einzeleinsätze: «Im Herbst habe ich Medaillen anvisiert, jetzt würden mich bereits Diplomränge zufriedenstellen.» Klassierungen unter den besten sechs also.

Zum Einsatz kommen wird ­Sabine Hauswirth am Mittwoch über die Mittel- sowie am Sonntag über die Langdistanz.

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