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Als Binnenland ein Riese auf Sand

In der Schweiz gibt es keine Sandstrände am Meer. Trotz dieses natürlichen Nachteils ist das Nationalteam der Beachfussballer an der WM in Dubai ein Medaillenkandidat. Die spektakuläre Sportart ist in der Schweiz im Aufwind.

Schweizer Spektakel in Dubai: Dejan Stankovic erzielt mit einem Fallrückzieher das 1:1 beim 6:5-Sieg im ersten WM-Spiel gegen Bahrain.
Schweizer Spektakel in Dubai: Dejan Stankovic erzielt mit einem Fallrückzieher das 1:1 beim 6:5-Sieg im ersten WM-Spiel gegen Bahrain.
Dave Joss/zvg

Nur einen Tag nach dem phänomenalen WM-Finalsieg der U17-Junioren gegen Nigeria gewann die Schweiz gestern erneut eine Partie an einer Fifa-Weltmeisterschaft – in Dubai setzten sich die besten Beachfussballer der Schweiz im ersten Vorrundenspiel 6:5 gegen Bahrain durch. «Das war eng», sagt der Berner Reto Wenger, Präsident von Swiss Beach Soccer, «unser Team war ein bisschen nervös, aber am Ende zählt nur der Startsieg.» Erst in der letzten Minute erzielten die Schweizer das 6:5, allein im letzten Drittel (12 Minuten) verzeichneten sie fünf Pfosten- und Lattenschüsse.

Regelmässiges Wachstum

65 Nationen beteiligten sich weltweit an der WM-Qualifikation, und die Schweiz sicherte sich im Juli als Dritter des Qualifikationsturniers in Spanien einen von fünf Plätzen für europäische Teams. «Das ist ein grosser Erfolg», sagt Wenger zur erstmaligen Qualifikation der Schweiz für eine Beachfussball-WM.

Der 35-jährige Reto Wenger ist zusammen mit Angelo Schirinzi, dem Spielertrainer des Nationalteams, der Schweizer Beachfussballpionier. Rund 15000 Personen kicken in der Schweiz mittlerweile regelmässig im Sand, es gibt 600 lizenzierte Spieler, und Wenger sagt: «Die Entwicklung ist rasant. Der Fussballverband unterstützt uns, und auch die Fifa setzt auf Beachfussball.» Vor acht Jahren war Wenger einer der Gründer des nationalen Verbandes, der heute auf seiner Geschäftsstelle in Bern vier Mitarbeiter und drei Praktikanten beschäftigt. «Noch fehlt es an genügend Spielfeldern, aber ich glaube, unsere Sportart wird weiter wachsen. Wer einmal Beachfussball gespielt hat, kehrt immer wieder gerne in den Sand zurück.»

Sehr anstrengende Sportart

Das Schweizer Nationalteam ist seit Jahren gewachsen, es sei wie eine grosse Familie, sagt Präsident Wenger. «Und jetzt stossen langsam jüngere Akteure nach.» Die meisten Auswahlspieler betreiben den Sport als Hobby, doch der zeitliche und vor allem körperliche Aufwand ist riesig. «Es ist sehr anstrengend, auf Sand zu spielen», sagt Wenger. In der Vorbereitung auf die WM trainierte das Schweizer Team sechsmal wöchentlich intensiv am Stützpunkt in Basel. «Eine Stärke von uns sind die vielen einstudierten Spielzüge und die Standardsituationen», erklärt Wenger. Der Torhüter ist oft auch gleich Spielmacher, und die vier Feldspieler formieren sich im 1-2-1-System, wobei sich zwei Spieler eine Position teilen – und sich nach 60-Sekunden-Einsätzen völlig ausgepumpt auf der Bank erholen.

In der Schweiz gibt es eine Beachsoccer-Liga mit 37 Vereinen, seit diesem Sommer stellt auch der FC Basel ein Team. Die Nationalspieler nehmen selten am Ligabetrieb teil, weil sie zahlreiche internationale Termine mit der Auswahl wahrnehmen – oder wie sieben Spieler im Sommer in der italienischen Liga spielen. Bekanntester Schweizer Sandfussballer ist der ehemalige FC-Aarau-Kaderspieler Stephan Meier (28 Jahre alt), der mit der früheren Miss Schweiz Anita Buri liiert ist und als einziger Nationalspieler als Profi leben kann, da er nebenbei als Beachfussballmodel arbeitet. Ein Leistungsträger ist auch der 24-jährige, kräftige Torjäger Dejan Stankovic, der einst beim FC Winterthur spielte – und gestern im Eröffnungsspiel gegen Bahrain ein wunderschönes Tor mit einem Fallrückzieher erzielte. Die Schweiz ist das einzige Binnenland unter den 16 WM-Teilnehmern in Dubai, doch die Ziele des Europameisters 2005 und EM-Zweiten 2008 und 2009 sind hoch. «Wir wollen eine Medaille gewinnen», sagt Reto Wenger. Die Vorzeichen zumindest stehen gut: Am Dienstag trifft die Schweiz im zweiten Vorrundenspiel auf Nigeria.

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