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Alle Trainer weg - Fluck ist neuer Chef

Wenige Wochen nach den Olympischen Spielen hat der Turnverband (STV) die Reissleine gezogen und die gesamte Trainer- Crew der Männer ausgewechselt.

Der 52-jährige Zürcher Beni Fluck ersetzt den Ungarn Sandor Kiraly als Cheftrainer.

Die Verträge mit Sandor Kiraly und den beiden Assistenztrainern Nicu Pascu (Rum) und Csaba Bordan (Un) werden per Ende Jahr aufgelöst. Eine gewisse Stagnation hätte zu dieser Massnahme geführt, sagt der STV-Verbandsverantwortliche Jürg Stahl: «Wir glaubten nicht mehr an eine Weiterentwicklung. Wir wollten auch keine kosmetische Übung und nur den einen oder andern Trainer 'rausnehmen', sondern einen kompletten Neuanfang.»

Spannungen unter den Trainern

Im Gegensatz zur Entlassung von Frauen-Chef Eric Demay im Frühjahr 2007 hätte es, so Nationalrat Jürg Stahl, keine disziplinarischen Probleme gegeben, und auch auf fachlicher und menschlicher Ebene hätte es nichts auszusetzen gegeben - was allerdings nur die halbe Wahrheit ist. Es ist kein Geheimnis, dass Kiraly, der Chef, und Pascu, der Assistent, das Heu nicht auf der gleichen Bühne hatten. So zettelten im letzten Herbst einige Turner, offenbar ideel unterstützt von Pascu, eine Opposition an und forderten in einem Brief die Absetzung von Kiraly. Das war, nachdem weder die EM im Mai 2008 in Lausanne noch die Olympischen Spiele überzeugende Resultate brachten, womöglich der Anfang vom Ende.

Noch im Herbst 2007 waren Ruedi Hediger, der damalige Chef Leistungssport und jetzige STV-Direktor, und Kiraly übereingekommen, bis 2011 gemeinsam weiterzumachen. Offenbar enthielten die Verträge aber doch eine Kündigungsklausel. Hedigers Nachfolger Felix Stingelin zog nun aufgrund einer eingehenden Analyse die Konsequenz: «Es geht nicht um persönliche Abrechnungen. Aber die Konstellation hat nicht mehr gestimmt.» Schon nach der WM 2007 hätten Diskussionen eingesetzt, doch wollte man vor der EM im eigenen Land und den Olympischen Spielen keine Unruhe aufkommen lassen: «Doch jetzt mussten wir handeln und einen Schritt nach vorne machen. Es braucht einen Ruck - auch für das Team.»

Der alte Chef: «Muss mich nicht schämen»

Cheftrainer Kiraly war seit 1997 in der Schweiz tätig, seit 2003 als Verantwortlicher für den gesamten Männer-Turnsport. Er erzielte einige bemerkenswerte Erfolge, so den Gewinn von zwei EM- Bronzemedaillen durch Christoph Schärer und einen 8. Rang mit der Mannschaft an den WM 2006 in Aarhus, dem besten Resultat seit der Aera Jack Günthard.

Dagegen verpassten die Schweizer die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2008 in Peking, wo lediglich zwei Einzelturner teilnehmen durften. Er sei überrascht worden vom Entscheid, sagt Kiraly: «Damit habe ich nicht gerechnet, obwohl ich spürte, das etwas im Tun ist.» Die Resultate seien zwar nicht immer ausgefallen wie gewünscht, «aber ich brauche mich wegen der gezeigten Leistungen nicht zu schämen.» Er werde seine Arbeit loyal und professionell zu Ende führen.

Der neue Chef: «Potenzial vorhanden»

Der neue Chef Bernhard «Beni» Fluck betreute bisher den Nachwuchs. Er war Trainer jener Junioren-Riege, die an den Europameisterschaften 2002 in Patras (Grie) hinter Russland sensationell die Silbermedaille gewann. «Es freut mich, vom Verband das Vertrauen zu spüren», sagt Fluck, «ich nehme die Herausforderung gerne an. Ich bin überzeugt vom Potenzial unserer Turner.» Mit Ausnahme von Christoph Schärer und Roger Sager sind alle jetzigen Kaderturner durch seine Schule gegangen.

Der im Thurgau ansässige Fluck ist, von Interimslösungen abgesehen, der erste Schweizer Cheftrainer seit Bernhard Locher zu Beginn der Neunziger Jahre. Mit Locher hatte 1992 letztmals eine Schweizer Mannschaft die Olympia-Qualifikation geschafft - ein gutes Omen?

si/fal

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