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Wasserträger? Hoffnungsträger!

Mit Viktor Glatthard, Markus Hüsser, Emil Feuchtmann Perez und Ersatzkeeper Simon Hunziker stehen bei Wacker Akteure im Zentrum des Interesses, welche vor den Playoffs meist eine Nebenrolle gespielt haben.

Der Dankbare: Markus Hüsser
Der Dankbare: Markus Hüsser
Christian Pfander
Der Routinierte: Emil Feuchtmann Perez
Der Routinierte: Emil Feuchtmann Perez
Christian Pfander
Der Euphorisierte: Viktor Glatthard
Der Euphorisierte: Viktor Glatthard
Roland Peter
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Der Euphorisierte

Zu Saisonbeginn war Viktor Glatthard Ergänzungskraft. Maximal. Der Abwehrspezialist rutschte jeweils ins Kader, wenn sich ein Stammspieler verletzt hatte. In den Playoffs ist der 22-Jährige eine Stütze, er kriegt eine Menge Einsatzzeit – vorab in der Defensive, aber auch im Angriff, wo er als Kreisläufer Akzente setzt und acht Tore erzielt hat.

Der Hüne profitiert dabei freilich von den Ausfällen der auf dieser Position gesetzten Georgios Chalkidis und Reto Friedli. Ganz unabhängig davon hat der Berner Oberländer sein Standing im Team aber markant verbessert. Und so ist der Psychologiestudent Wacker Thuns Aufsteiger der Saison.

Der Brienzer ist ein Nimmermüder, auf und neben dem Platz, er hat sich in Interlaken ein Unternehmen als Touristenführer aufgebaut, ist Kolumnist und sowohl für die Thuner Handballer als auch deren in der Nationalliga B engagierten Partnerklub TV Steffisburg beschäftigt.

Für Aufsehen sorgt die Nummer 9 jeweils schon vor Matchbeginn: Fällt bei der Spielerpräsentation sein Name, eilt Glatthard wie ein Sprinter aufs Feld, schreit und ballt dabei die Faust. Er macht Friedli als Vorkämpfer Konkurrenz.

Der Dankbare

Offensichtlich: Markus Hüsser und Playoff-Final – das passt. 2013, als Wacker erstmals Meister wurde, war der Rechtsflügel in der Ausmarchung um den Titel einer der stärksten Thuner. Im Verlauf der Serie hatte er sich einen Platz in der Startformation erkämpft und dabei Nationalspieler Jonas Dähler verdrängt.

Der Aargauer vermag auch heuer zu gefallen, überzeugte in den letzten beiden Partien mit spektakulären Toren. Am Sonntag erzielte der Linkshänder fünf Minuten vor Schluss den so wichtigen Ausgleich zum 24:24, der den Berner Oberländern erst ermöglichte, Partie vier zu gewinnen.

Der Landschaftsarchitekt, intelligent und unaufgeregt, tritt ausgesprochen freundlich auf, hält nicht viel davon, sich in Szene zu setzen. Seinen Wohnsitz hat er nie nach Thun verlegt, täglich fährt der 30-Jährige mit der Bahn ins Training. Hüsser ist ein sogenannt dankbarer Akteur: Er versteht sich als kleinen Teil des grossen Ganzen. Der schnelle Techniker ist vielseitig einsetzbar, Coach Martin Rubin stellt ihn bei Bedarf im Rückraum auf, wo er, obwohl klein gewachsen, selbst auf Champions-League-Ebene brilliert hat.

Der Routinierte

Emil Feuchtmann Perez hat in Spanien gespielt, in Österreich, in Deutschland, in der Schweiz – und an Weltmeisterschaften, 2013 etwa, als er 40 Tore warf und damit der achtbeste Schütze des Turniers war. Im Leben des 32-Jährigen dreht sich vieles um Handball, all seine Geschwister sind in der Sportart aktiv, seine Frau war in der Bundesliga ­engagiert, und der Absolvent eines Marketingstudiums vertreibt in seiner Heimat Chile Zubehör.

Mit 177 Zentimetern ist Wacker Thuns einziger Sommerzuzug für einen Aufbauer ausgesprochen klein, er kompensiert das Defizit mit Raffinesse, Schnelligkeit und Spielintelligenz. Der Familien­vater ist ein klassischer Regisseur, weicht einem Verteidiger, wenn der Angriff abgeschlossen ist. Feuchtmann Perez hat sich bei den Berner Oberländern gleich integriert, seine Teamkollegen loben ihn für seine zuverlässige Art und schätzen es, sich mit dem Weitgereisten über allerlei Dinge austauschen zu können.

Als Akteur hat der Mittelmann nicht sofort eingeschlagen, oft kam der Routinier nur zu Kurzeinsätzen. In der letzten Partie aber brillierte der Rechtshänder, zeigte, wozu er fähig ist.

Der Nachgerückte

Bereit sein, wenn es mich braucht»: Das sagte Simon Hunziker, als er vor der Saison nach seinem Ziel befragt worden war. Nun braucht es ihn – und der 27-Jährige scheint bereit zu sein. Der Keeper ersetzt im Playoff-Final Marc Winkler, der sich im letzten Training vor der Ausmarchung um den Titel wie schon 2012 schwer verletzt hat. Der Maschinenbauingenieur ist eigentlich Schlussmann der 2. Mannschaft von Wacker Thun und deshalb meist in der 1. Liga engagiert.

Seine Aufgabe im Fanionteam ist es nun, einzuspringen, wenn Andreas Merz nicht auf Touren kommt. Der Emporkömmling ist in allen Partien zum Zug gekommen, oft aber nur bei Penaltys. Auch morgen dürfte sich sein Tätigkeitsfeld darauf beschränken, für einen Siebenmeter der Schaffhauser aufzulaufen. Sollte er einen Strafwurf parieren, könnte der Schlaks unverhofft zur grossen Figur werden. Coach Martin Rubin sagt: «Er soll sich dabei atypisch verhalten, etwas tun, womit der Schütze nicht rechnet.»

In der nächsten Saison wird Hunziker für Steffisburg in der Nationalliga B Bälle halten. Und Joker bei Wacker bleiben.

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