Geschmeidig und scheinbar mühelos

So wie sich Paul Pogba nach dem Trainerwechsel bei Manchester United wieder entfalten darf, so positiv hat sich das Team entwickelt. Das soll heute PSG zu spüren bekommen.

Paul Pogba hat sich zur Sehenswürdigkeit der Premier League entwickelt.<p class='credit'>(Bild: Keystone)</p>

Paul Pogba hat sich zur Sehenswürdigkeit der Premier League entwickelt.

(Bild: Keystone)

Auf seinem Instagram-Account ist das Video nicht zu finden, das Paul Pogba in seinem Hauptberuf als Fussballspieler für Manchester United von seinen Kollegen abheben würde. Dabei hätte es die darin zur Schau gestellte Ballkunst im Vergleich zu den Beiträgen, die sich neben Spielbildern um Frisur, Schmuck und Kleidung drehen, wirklich verdient, gesehen zu werden. Mehrmals.

Der Clip aus dem Trainingslager in Dubai zeigt Pogba im Interview für den Vereinssender. Er steht mit dem Rücken zum Spielfeld, ein Ball fliegt in hohem Bogen von schräg hinten auf ihn zu. Mit einer minimalen Bewegung der linken Ferse bringt der französische Weltmeister im Sitzen diesen Ball, dessen Flugkurve er höchstens erahnen kann, sanft unter Kontrolle. Ohne eine Miene zu verziehen, als wäre es eine Allerweltshandlung gewesen. Selbst bei einer Nachstellung wäre es nur einer Handvoll von Spielern zuzutrauen, den Ball mit derselben Coolness zu stoppen.

Die Erlösung dank Solskjaer

Nach dem Trainerwechsel bei Manchester United von José Mourinho zum norwegischen Interimscoach Ole-Gunnar Solskjaer hat sich Paul Pogba, 25, zur Sehenswürdigkeit der Premier League entwickelt. In seinen 23 Einsätzen erzielte er 11 Treffer und leistete er 8 Vorlagen. Mit 19 Torbeteiligungen, 13 davon in Solskjaers Amtszeit, führt er die Torschützenliste der Mittelfeldspieler in den fünf europäischen Topligen an.

An Pogba hat sich das in der Hinrunde fast selbst zerstörende Manchester United wieder nach oben gezogen. So wie Solskjaer nach seinem Amtsantritt Pogba wieder auf die Beine verhalf, jenem Spieler, den er einst im United-Nachwuchs angeleitet hatte. Unter dem Psychospiel des Portugiesen Mourinho – Spieler zur Leistungsförderung öffentlich blossstellen – hatte Pogba besonders gelitten.

Das änderte sich erst, als der Verein durch sein Eingreifen die Bedeutung seines teuersten Spielers über die von Mourinho stellte. Nachfolger Solskjaer hat eine friedsame Arbeitsatmosphäre installiert, in der jeder Spieler wieder sich selbst sein kann. Dann ist Pogba der Beste innerhalb eines talentierten Teams.

Pünktlich zum Gradmesser im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League vom Dienstag gegen Paris Saint-Germain hat sich der englische Rekordmeister erstmals in dieser Saison auf den vierten Tabellenplatz der Premier League vorgespielt. In den vergangenen neun Spieltagen hat Manchester United einen zwischenzeitlichen Rückstand von elf Punkten aufgeholt auf diesen Rang, der zur erneuten Teilnahme am prestigeträchtigsten europäischen Wettbewerb berechtigt.

Tuchel äussert sich zum Fehlen von Neymar und Cavani und wie PSG agieren will. (Video: Teleclub)

Die Red Devils liegen jetzt sogar einen Zähler vor Arsenal und Chelsea, den punktgleichen Verfolgern aus London. Die Mannschaft hat mit David de Gea den vielleicht weltbesten Torhüter, eine seriöse Abwehr, ein beständiges Mittelfeld und einen flexiblen Angriff – und darüber hinaus mit Paul Pogba den wohl derzeit komplettesten Spieler der Welt.

Ballbehandlung und Vision

Für 105 Millionen Euro holte Manchester United im Sommer 2016 seinen ehemaligen Nachwuchspieler nach vier Jahren aus Turin zurück. Die damals obszön anmutende Rekordsumme relativierte sich ein Jahr später, als Paris 222 Millionen Euro hinlegte für Neymar, der wegen einer Verletzung am Mittelfussknochen heute in Manchester fehlen wird. Die Klasse Pogbas lässt sich an der Eleganz ermessen, mit der er selbst durch die schwierigsten Topspiele gleitet.

Seine Bewegungen wirken geschmeidig und mühelos, obwohl er sich für keinen Weg und keinen Zweikampf zu schade ist. Er kann den Ball mit dem Kopf zurückgewinnen oder mit einer Grätsche am Boden. Um seinen Wert für das Team zu erkennen, muss man ihn schon genau verfolgen.

Denn eine Anstrengung lässt sich bei ihm nicht erkennen, weder durch Schweisstropfen im Gesicht noch Schmutz auf dem Trikot. Die «New York Times» schrieb über Pogba, dass es selbst bei seinen Tempoläufen nie so wirke, als würde der Franzose sprinten.

Mit 1,91 m Körpergrösse, mit seiner Athletik und seiner Ausstrahlung zieht Pogba regelmässig die Blicke auf sich. Dabei sind es eher Ballbehandlung und Spielvision, die ihn speziell machen. Seine Gabe: Er ist in der Lage, mit beiden Füssen, auf jede Art, zu jeder Zeit und in jeder Position einen Pass anzubringen, der den Verlauf des Spiels zugunsten seiner Mannschaft verändert. Und er weiss, wann es sich lohnt, selbst in den Strafraum vorzustossen und aufs Tor zu schiessen.

Tages-Anzeiger

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