Wie sich Federer selber schlug

Der Baselbieter erlebte gegen John Millman einen schwarzen Abend. Nicht nur, weil er erschreckend schwach servierte.

Der Vorhandfehler, der Federers Aus besiegelt. Video: SRF

Selbst der Aufschlag liess Roger Federer im Stich. Sein Service, der schon manche Niederlage verhindert hatte, der ihn in Cincinnati in den Final getragen und nun am US Open die eine oder andere Schwäche in den ersten Runden kaschiert hatte. Gegen John Millman (ATP 55) rettete ihn sein verlässlichster Schlag für einmal nicht.

Federer brachte lediglich 49 Prozent der ersten Bälle ins Feld, dazu unterliefen ihm zehn Doppelfehler und 76 unerzwungene Fehler. Es sind Zahlen, wie sie beim 37-Jährigen nur selten vorkommen. Dass er im zweiten Durchgang, in dem nur 31 Prozent der ersten Aufschläge sassen und er 22 unerzwungene Fehler beging, bei 5:4 und 40:15 dennoch unmittelbar vor der 2:0-Satzführung stand, zeigt, dass auf der anderen Seite des Netzes keineswegs ein Überspieler stand.

Doch Federer half kräftig mit, den 29-jährigen Australier aufzubauen und an den grössten Coup seiner Karriere glauben zu lassen. Zuerst setzte er eine Vorhand ins Netz, dann eine Rückhand, dann einen Volley, und schliesslich schenkte er dem Gegner das Rebreak mit einem Doppelfehler.

Videos: SRF

Es ging in diesem Stil weiter. Federer erarbeitete sich bei 5:6 zwei Spielbälle, doch zum Tiebreak kam es nicht. Es folgten ein Doppelfehler, ein Stopp neben die Linie, ein missglückter Netzangriff und ein Rückhand-Topspin, der weit im Aus landete – Satzausgleich.

Wie sehr Federer mit sich zu kämpfen hatte – gemäss eigener Aussage machten ihm die Hitze und die hohe Luftfeuchtigkeit zu schaffen –, zeigte sich auch im dritten Satz. Wann sonst hat man den Weltranglistenzweiten einen Rückhand-Slice in einer wichtigen Phase wie beim 6:6 im Tiebreak derart kläglich verschlagen sehen?

In dieselbe Kategorie geht sein verunglückter Smash bei Spielball im siebten Game des vierten Satzes. Statt 5:2 hiess es Einstand und wenig später 4:3, weil Millman das Rebreak gelang.

Wer dachte, schlimmer könne es aus Schweizer Sicht kaum mehr werden, der irrte. Im folgenden Tiebreak unterliefen Federer beim Stand von 1:2 gleich zwei Doppelfehler hintereinander.

Spätestens da war klar, dass er die Partie nicht mehr würde drehen können. Dass er den Match mit einem weiteren unerzwungenen Fehler beendete (Video ganz oben), überraschte schliesslich niemanden mehr.

kai

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