«Wenn man den Faden verliert, fährt der Zug ab»

Roger Federer erklärt die Niederlage gegen Novak Djokovic und spricht über seine Chancen an den US Open.

Federers klare Niederlage gegen Djokovic. Video: Tamedia
Adrian Ruch

Im Final von Cincinnati ist Ihnen gegen Novak Djokovic nicht viel gelungen. Wie beurteilen Sie Ihre Form im Hinblick auf das US Open?
Roger Federer: Es fehlt sicher noch etwas, doch vielleicht werde ich über drei Gewinnsätze etwas ruhiger, entspannter aufspielen können. Das Wichtigste ist für mich, dass mein Aufschlag funktioniert. Den Rhythmus habe ich gefunden, ich kann gut variieren, mit dem ersten und mit dem zweiten Service. Das Grundlinienspiel hängt stark von den Beinen ab. Ich glaube, das ist die Schwierigkeit im Alter an den Masters-1000-Turnieren: Du triffst Tag für Tag auf Topspieler, und im fünften Match ganz am Schluss bist du einfach ein Quäntchen müder als gewohnt.

Wie werden Sie sich nun konkret vorbereiten?
Ich gehe nach New York und mache wohl bis und mit Dienstag frei, denn ich muss mich etwas erholen. Am Mittwoch beginne ich voraussichtlich wieder mit dem Training. Ich muss schauen, wie es mit den anderen Bällen läuft. Hier war es für alle schwierig, den Ball im Spiel zu halten. Vor dem Turnier in Cincinnati hatte ich schon in New York trainiert; die Bälle dort springen auch hoch ab, fliegen vielleicht sogar noch schneller als hier.

Was trauen Sie sich am US Open zu?
Ich bin trotz der Finalniederlage hier optimistisch: Ich kann darauf hoffen, einen Exploit zu schaffen. Aber die Favoriten sind Rafa (Nadal, die Redaktion) und Novak, die zuletzt in Paris und Toronto respektive in Wimbledon und Cincinnati die Titel gewonnen haben.

Sie triumphierten am US Open von 2004 bis 2008 fünfmal in Serie, doch seither warten Sie auf einen Titel. Haben Sie eine Erklärung dafür?
Um diese Frage richtig zu beantworten, muss man jedes einzelne Jahr analysieren. 2009 hätte ich den Final gegen Del Potro gewinnen müssen, dann erlebte ich die beiden brutalen Halbfinals gegen Djokovic, als ich nach Matchbällen noch verlor. Wenn ich da einmal durchgekommen wäre, hätte ich im Final eine gute Chance gehabt. 2015 bestritt ich den Final gegen Djokovic, der ein klein wenig besser war als ich. 2016 fehlte ich, 2017 trat ich verletzt an. Einmal verlor ich gegen Robredo, weil ich wegen meiner Rückenprobleme noch nicht richtig in Form war, in einem anderen Jahr spielte Berdych schlicht sackstark. Ich habe mir immer wieder Chancen gegeben, hatte vier sehr gute Jahre. Daher ist, wenn ich 100-prozentig fit bin, sicher sehr viel möglich.

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Was sind im Vergleich mit den anderen Grand-Slam-Turnieren die besonderen Herausforderungen am US Open?
Es ist viel los in New York. In Australien bist du weit weg von daheim; ich bin immer mit den gleichen Leuten dort. In Wimbledon bewegst du dich wie in einer Blase. Am US Open pflegst du soziale Kontakte, bist viel unterwegs. Du gehst in gute Restaurants, besuchst vielleicht mal eine Broadway-Show. Lässig ist, dass du dich gut ablenken kannst. Du willst nicht nach New York gehen und stets steril im Hotelzimmer sitzen, aber du willst auch nicht deine Chancen beeinträchtigen. Diesen Spagat musst du schaffen.

Und was macht das US Open sportlich speziell?
Das grosse Arthur-Ashe-Stadion. Während der Day- und der Night-Sessions herrschen unterschiedliche Bedingungen. Früher hatte es auf dem Platz oft viel Wind, jetzt mit dem mobilen Dach ist es unglaublich heiss dort unten – und sehr laut. Wie gut du spielst, ist daher auch eine Konzentrationsfrage. Zudem sind die Bedingungen auf der schnelleren Seite, daher musst du aufpassen, stets wachsam sein. Wenn du den Faden verlierst, fährt der Zug ab.

In der Vergangenheit waren Sie bei der Gestaltung und Auswahl Ihrer Outfits stets involviert. Ist das nach Ihrem Ausrüsterwechsel von Nike zu Uniqlo immer noch der Fall?
Ja, wir hatten vor zwei Wochen einige Meetings. Wir haben die technischen Aspekte und die Farben angeschaut. Aufgrund der Kurzfristigkeit lässt sich vom Design her nicht alles machen. Wichtig ist in erster Linie, dass die Kleider zum Spielen bequem sind. Das hatten wir schon für das Turnier von Wimbledon fertiggebracht. Die Planung für 2019 hat auch schon begonnen. Bis jetzt macht die Arbeit sehr viel Spass.

Tragen Sie in New York also etwas Neues?
Ja, es gibt ein neues Dress für das US Open und ein weiteres für das Turnier in Shanghai. Ich werde bis Ende Jahr noch einige neue Outfits tragen.

Tages-Anzeiger

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