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Wenn die Schule zu den Kindern kommt

Ein Projekt aus Heimberg soll jungen, ambitionierten Tennisspielern den Weg nach oben erleichtern.

Bereit zum Lernen: Coach Roger Meylan unterrichtet die Teilnehmer der Tennisakademie im CIS Heimberg.
Bereit zum Lernen: Coach Roger Meylan unterrichtet die Teilnehmer der Tennisakademie im CIS Heimberg.
Patric Spahni

Jeweils am Mittwoch bevölkern mehrheitlich Kinder die Plätze im Tenniscenter Heimberg. Unter fachkundiger Leitung feilen die Erst- bis Sechstklässler an ihrer Technik, arbeiten an ihrer Grundkondition – und «schwänzen» die Schule. Legal natürlich. Am Mittwoch gehen diese ambitionierten Spielerinnen und Spieler amtlich bewilligt nicht zur Schule. Diese kommt stattdessen zu ihnen.

Damit die Kinder am selben Tag zwei Trainingseinheiten Tennis und eine Einheit Kondition absolvieren können, haben die Verantwortlichen des CIS Heimberg ein bisher einzigartiges Pilotprojekt lanciert. Ein Projekt, das von den zuständigen Stellen, schnell und unbürokratisch bewilligt wurde. «Dispensationen vom Schulunterricht sind gesetzlich erlaubt und liegen in der Kompetenz der jeweiligen Schulleitung», sagt Bernhard Häsler, der Schulinspektor der Stadt Thun und für das Amt Interlaken. «Knackpunkt ist meistens die Vermittlung des während den Abwesenheiten verpassten Schulstoffes. Dieses Problem ist in Heimberg mit dem Engagement einer Lehrerin gut gelöst.»

Kritiker könnten sagen, es sei viel zu früh, um bereits fast ausschliesslich auf eine Sportart zu setzen. Das mag stimmen, aber Projektleiter und U10-Chefcoach Roger Meylan hält dagegen: «Die Vorgaben werden vom nationalen Verband gemacht.» Bei Swiss Tennis würden die Talente im Alter von 10 bis 12 Jahren in die Nationalkader eingeteilt. «Wir versuchen einzig, die Chancen für die regionalen Spielerinnen und Spieler zu erhöhen.» In den letzten Jahren hatte das Berner Oberland einige erfolgreiche Junioren. «Gemeinsam war ihnen, dass sie im internationalen Vergleich alle ein paar Jahre Rückstand hatten», erläutert Meylan.

Der Mittwochnachmittag beginnt in Heimberg mit Schulunterricht. Die Kinder nehmen in einem kleinen Raum Platz und beginnen ohne Aufforderung mit der Arbeit. Augenfällig ist, dass sie selbstständig und zielorientiert handeln. Während Dominic, der Erstklässler, Buchstaben und Zahlen kennenlernt, muss Michelle eine vierseitige Mathematikprüfung schreiben. Damit sie nicht mogeln kann, lässt sie sich das verschlossene Couvert von der Lehrerin Sandra Ryser öffnen. Sobald sie fertig ist, werden die Arbeitsblätter unkorrigiert wieder in einem Umschlag verschlossen und in die Schule zurückgebracht.

Sandra Ryser ist vom Projekt überzeugt: «Der Informationsaustausch mit den Lehrkräften und Schulen funktioniert ausgezeichnet», sagt sie. Dass die Kinder in der Schule überdurchschnittlich gut sind, ist übrigens Pflicht. Sollte die Schulleistung nachlassen, müssen die Kinder die Tennisakademie verlassen und ihr Trainingspensum wieder auf konventionellem Weg absolvieren.

Begabung in Sport und Schule allein reichen aber für die Aufnahme in die Heimberger Tennisschule nicht. Es braucht auch Geld. Zwar zahlt die Tennisschule die Lehrerin in diesem Probejahr selber, und auch in Zukunft sollen gemäss Roger Meylan eher Sponsoren als die Eltern für die Zusatzleistung aufkommen. Der Tennisunterricht mit zehn Stunden pro Woche kostet die Eltern aber pro Kind 15000 bis 20000 Franken jährlich. Meylan ist sich bewusst, dass dieser Aufwand happig ist. «Auf diesen Fakt weisen wir aber interessierte Eltern von Beginn weg hin.» Träume dagegen würden keine verkauft. Die Chance, dass jemals ein Kind aus der Heimberger Tennisakademie als Profi den Sprung in die Top 100 schaffen wird, ist sehr gering. «Aber», sagt Meylan, «mit diesem Projekt ist sie grösser als ohne.»

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