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Wawrinka: Nach dem Schock die Gala

Der Lausanner erfuhr kurz vor seinem Achtelfinal-Krimi am Australian Open vom Tod von Kobe Bryant. Die beiden trafen sich 2008 in Peking.

René Stauffer, Melbourne
Wawrinka verwandelt den Matchball. (Video: SRF)

Stan Wawrinka postete noch vor seinem grossen Sieg über Daniil Medwedew auf sozialen Netzwerken ein Bild, das ihn mit Kobe Bryant zeigt. «Es gibt wenige Legenden, mit denen ich mich fotografieren liess. Aber ich war immer ein grosser Fan von ihm», erklärte er am Abend in Melbourne. «Es war ein Schock, ihn verschwinden zu sehen. Wie alle bin ich traurig. Er hat seinen Sport für Generationen geprägt.» Entstanden war das Erinnerungsbild an den Olympischen Spielen 2008 in Peking, wo beide mit einer Goldmedaille abreisten (Wawrinka im Doppel neben Roger Federer).

Mit dem 6:2, 2:6, 4:6, 7:6, 6:2 über den Weltranglistenvierten Medwedew sorgte er für eine der grösseren Überraschungen des Australian Open. Beim 300. Sieg auf Hartplätzen gelang ihm nach eigener Einschätzung die beste Leistung seit seiner karrierebedrohenden Knieoperation im August 2017. «Ich absolvierte ein hartes Aufbautraining für diese Saison und bin froh, dass sich das so schnell auswirkt», sagte der 15. der Weltrangliste. «Meine Basis und mein durchschnittliches Niveau sind höher, spielerisch, mental und körperlich.» Sollte er im 18. Grand-Slam-Viertelfinal zum 10. Sieg kommen, würde er schon in die Top 10 zurückkehren.

Nun wartet Zverev

In diesem trifft der dreifache Majorchampion auf Alexander Zverev, der mit Andrej Rublew ebenfalls einen formstarken Russen eliminierte. Die Weltnummer 7 aus Hamburg stand noch in keinem Grand-Slam-Halbfinal, hat die bisherigen zwei Duelle mit Wawrinka aber gewonnen, sowohl 2016 in St. Petersburg als auch 2017 in Miami in drei Sätzen. Zverev ist zwar schlecht in die Saison gestartet, hat aber in Melbourne bisher alle zwölf Sätze gewonnen.

Auch gegen Medwedew hatte Wawrinka die ersten beiden Begegnungen verloren. Wie gut er an diesem Tag spielte, bestätigte dieser neidlos. «Es passiert selten, dass ich nach einer Niederlage nicht enttäuscht bin, aber er spielte grossartig und ich wünsche ihm alles Gute», sagte der letztjährige US-Open-Finalist, der noch keinen Fünfsätzer gewonnen hat (0:6). «Wir zeigten beide eine starke Leistung. Aber ausser im zweiten und dritten Satz war er besser, da konnte ich nicht viel ausrichten.»

Wawrinka und Federer, der am frühen Dienstagmorgen MEZ (ab 4.30 Uhr live im Ticker) gegen Tennys Sandgren spielt, erreichten zum 12. Mal gemeinsam die Viertelfinals an einem Grand-Slam-Turnier. Bei Wawrinka ist dies umso beeindruckender, als er während der ersten Turnierwoche krank war und während der Fünfsatzpartie gegen Andreas Seppi zweimal den Court verliess, um sich zu übergeben.

Die Lieblingsgeste ist zurück

Er habe sich vor dieser Saison grundsätzliche Fragen zu seiner Karriere gestellt, sagte Wawrinka. Und er habe klare Antworten gefunden: «Ich habe zwar nicht mehr viele Jahre übrig, aber daraus möchte ich das Maximum herausholen. Das Tennis ist immer noch meine Passion. Ich liebe es, um die Welt zu reisen, vor vielen Leuten zu spielen und dabei grosse Emotionen zu erleben. Und ich mag den Prozess, der dazu führt, dass man besser wird. Es gibt vieles, was mir daran wirklich gefällt.» Das Geld sei jedenfalls nicht der Grund, dass er noch spiele.

Auch seine Lieblingsgeste ist zurück: der ausgestreckte Zeigefinger, mit dem er sich an den Kopf tippt. Er weiss, was er will, und was er kann. Er habe mit seinem Team hart an jenen Details gearbeitet, die ihm vergangene Saison noch gefehlt hätten, sagt er. «Wichtig ist nun, dass ich das ganze Jahr über hart mit mir bin und konsequent arbeite, Tag für Tag.» Der Romand möchte nicht nur nach Melbourne in den Top 10 stehen – sondern auch Ende Jahr, wenn abgerechnet wird.

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