«Rafael kann auch Wimbledon gewinnen»

Rafael Nadals Onkel Toni war nach dem zwölften Paris-Titel seines Neffen besonders gerührt. Weil dieser schwierige Monate hinter sich hat. Nun könne er Kurs auf Roger Federers Rekord nehmen.

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Simon Graf@SimonGraf1

Kurz vor dem Matchball hatten Sie Tränen in den Augen. Weil es ein besonders schwieriges Jahr war für Ihren Neffen Rafael, mit den Niederlagen in Monte Carlo, Barcelona und Madrid?
In Monte Carlo war er immer noch gezeichnet davon, dass er sich in Indian Wells erneut verletzt hatte. Das war ein schwerer Rückschlag gewesen. Er kam ohne gute Vorbereitung nach Monte Carlo, auch ohne das nötige Vertrauen, spielte nicht gut. In Barcelona auch nicht. In Madrid war es schon besser. Aber danach, in Rom, hat sich alles verändert. Ich sagte zu ihm in Rom: Du musst einfach hier gewinnen und in Roland Garros, und alles ist gut. So ist es gekommen.

Was bedeutet sein zwölfter Paris-Titel?
Ich erinnere mich gut, wie wir 2005 erstmals hierherkamen und er Roger Federer im Halbfinal schlug, das war schon unglaublich! Und als er dann am Sonntag noch gegen Mariano Puerta gewann, dachte ich: Jetzt muss er nicht von der Profitour abtreten ohne grossen Titel. Es ging dann einfach immer weiter, Jahr für Jahr. Seine Chancen sind hier in jedem Spiel sehr hoch. Und so haben sich die Titel mit den Jahren kumuliert.

Wie schafft er es, stets mit einer solchen Intensität zu spielen? Schon als er ganz jung war, forderte ich von ihm in jedem Training eine Intensität wie im Match. Es ist wichtig, dass man bei seiner Arbeit immer mit 100-prozentiger Hingabe dabei ist. Das gibt einem auch ein Gefühl der Befriedigung. Das hat er nun schon so viele Jahre getan. Deshalb ist es für ihn nichts mehr Spezielles. Und natürlich sendet er damit auch eine Botschaft an seinen Gegner. Der weiss: Wenn er nicht einen exzellenten Schlag macht, geht der Punkt an Rafael.

«In gewissen Bereichen hat Rafael Fortschritte gemacht»Toni Nadal

War er diesmal sogar noch stärker als in den anderen Jahren?
Nein, das denke ich nicht. 2008 gegen Federer spielte er auf einem höheren Niveau als heute. Thiem war ein sehr guter Gegner. Doch 2008 war besser, das war unglaublich! Aber ja, in gewissen Bereichen hat Rafael Fortschritte gemacht, beim Aufschlag und auf der Rückhand. Dass er immer besser werden will, zeigt, wie gross seine Liebe für diesen Sport ist.

Zwölf Paris-Titel mit 33, gewinnt er noch mehr?
Ich weiss es nicht. Aber ich hoffe schon, dass ich ihn hier nicht zum letzten Mal mit der Trophäe gesehen habe. Und wenn das so sein sollte, ist das auch okay. Dann dürfen wir mit zwölf zufrieden sein. Aber ich glaube, nächstes Jahr hat er hier sicher nochmals die Möglichkeit zu gewinnen.

18 Grand-Slam-Titel, nur noch zwei weniger als Roger Federer. Wird er ihn noch überholen?
Federer ist in der Tat nicht mehr so weit entfernt. Jetzt sollte Rafael erst einmal den Paris-Titel geniessen, in ein paar Tagen kann er sich dann über alles weitere Gedanken machen. Es wird für ihn jedes Jahr schwieriger, weitere Grand Slams zu gewinnen. Zumal eine neue Generation von Spielern aufkommt, die sehr hart draufschlägt. Wir werden sehen, was in Wimbledon und am US Open passiert. Dann wissen wir schon etwas mehr. Aber man darf bei den ganzen Diskussionen, wer der Beste sei, Rod Laver nicht vergessen. Der hat zweimal den Kalender-Grand-Slam gewonnen.

Wie sehen Sie seine Chancen in Wimbledon?
Letztes Jahr war er nah dran. Ich glaube, er kann auch Wimbledon gewinnen. Aber andere natürlich auch, wie Federer oder Djokovic.

Muss sich Nadal etwas überlegen für die Hartplätze, wo er sich oft verletzt?
Das müssen Sie ihn fragen oder Carlos Moya (seinen Coach, Red.). Ich sage schon lange, man sollte mehr auf Sand spielen. Nicht wegen Rafael. Sondern, weil das besser ist für den Körper. Aber die Engländer und Amerikaner glauben, das wahre Tennis sei, einen Aufschlag zu spielen und dann gleich einen Winner. Dabei ist Sandtennis doch wunderschön. Ich hoffe für die nächsten Generationen, dass künftig mehr auf Sand gespielt wird.

langenthalertagblatt.ch/Newsnetz

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