«Jetzt sind wieder alle am Hypen»

In Dubai hat sich für Belinda Bencic alles zum Guten gewendet. Die St. Gallerin warnt dennoch vor übertriebenen Erwartungen.

Belinda Bencic ist «super happy». Foto: Kamran Jebreili (Keystone)

Belinda Bencic ist «super happy». Foto: Kamran Jebreili (Keystone)

René Stauffer@staffsky

Belinda Bencic räkelt sich auf der Terrasse vor der Players Lounge in Indian Wells mit ihrem Freund und Fitnesstrainer Martin Hromkovic auf einem Sofa. Sogar hier ist zu spüren, wie selbstsicher und entspannt die beste Schweizerin nach ihrem brillanten Saisonstart wieder ist. Sie gehört nun auch wieder zu den Gesetzten, hat damit ein Freilos in Runde 1 und muss erst heute ins Turnier eingreifen, gegen die Belgierin Alison Van Uytvanck.

Nach dem Turnier von Indian Wells begannen vor einem Jahr Ihre Fussprobleme. Sie hatten das Gefühl, das ganze Universum hätte sich gegen Sie verschworen. In den letzten Wochen und Monaten hat sich Ihr Leben ins Gegenteil gedreht. Empfinden Sie das auch so?
Ja, sicher. Schon in den letzten sechs Monaten habe ich mich gut gefühlt auf dem Platz und Fortschritte gesehen. Das war die Folge der Arbeit, die letztes Jahr gemacht wurde. In jenem Moment hatte sich das aber resultatmässig noch nicht gross gezeigt. Ich habe nun gemerkt: Die Arbeit zahlt sich nicht immer sofort aus. Manchmal erst nach einem halben Jahr oder später. Die letzte Woche war super in Dubai, aber auch schon vorher in Australien hatte ich mich gut gefühlt.

Was kann eine solche Woche wie in Dubai bewirken? Fühlen Sie sich nun wieder als Spitzenspielerin?
Ich fühle mich genau gleich. Nur sind jetzt alle um mich herum schon wieder am Hypen: Dubai, super! Du bist wieder zurück! Comeback! Wie Toronto! Bla, bla, bla… Ich denke einfach, dass es eine super Woche war, mega positiv, und bin super happy. Das Selbstvertrauen ist wieder da. Aber ich kann nun nicht hingehen und erwarten, dass ich jede Woche so spiele. Ich möchte mit der gleichen Mentalität und Erwartungshaltung fortfahren, mit der ich in Dubai antrat. Als mir dort gegen Hradecka und Steffi Vögele zwei gute Matchs gelangen, waren wir mega happy. Zwei Runden zu überstehen in Dubai, ist ja auch gut.

Und dann gewannen Sie gleich das Turnier. Haben Sie nun ein neues Saisonziel?
Als Saisonziel hatten wir uns vorgenommen, sicher die Top 30 zu erreichen, das habe ich bereits geschafft. Die Top 20 wären super, und jetzt habe ich bis Wimbledon fast keine Punkte zu verteidigen. Aber das eigentliche Saisonziel ist erreicht, darüber bin ich sehr froh. Ich bin auch froh, dass es diesmal langsam nach oben geht.

Sie könnten nun auf die Idee kommen, sich für das Saison­finale in Shenzhen zu qualifizieren. Im Jahresklassement sind Sie ja die Nummer 4.
Diese Wertung habe ich gar nicht verfolgt bisher. Die hohe Klassierung ist ein schöner Bonus, aber bis Shenzhen geht es noch lange, gibt es noch viele Turniere.

Vor Dubai verloren Sie in St. Petersburg in der Qualifikation gegen die ­unbekannte Anhelina Kalinina. Was war dort los?
Tennis ist einfach so. Man muss sich vorstellen, es gibt 30 Turniere im Jahr, und du kannst nicht jedes voll gut spielen. Man kann nur versuchen, die Konstanz zu verbessern, wie es die Top 10 vormachen. Eine Halep spielt ja immer Viertelfinal oder besser, Switolina steht auch konstant im Halbfinal oder Final. Das ist sicher ein Ziel von mir – aber jede Woche gut spielen ist wirklich schwierig. In St. Petersburg hatte sie einen superguten Tag, ich einen weniger guten. Es war ein Aussetzer.

Die Schweiz spielt im Fed-Cup Ende April nun auswärts in San Antonio gegen die USA um den Aufstieg in die Gruppe 1. Ein ungünstiges Los?
Es ist extrem sch... Denn nun spiele ich nach Indian Wells und Miami in Charleston und Lugano auf Sand, dann sollte ich zurück nach Texas, wo vermutlich auf Hartplatz gespielt wird. Und gleich die Woche danach ist das grosse Sandturnier in Stuttgart, wo ich jetzt im Hauptfeld stehe.

Der Fed-Cup bringt Ihren Fahrplan so sehr durcheinander, dass Sie zweifeln, ob Sie ihn überhaupt bestreiten?
Im Moment schon. Nach diesem Turnier setzen wir uns zusammen und wägen ab. Für meine Planung auf Sand, wo ich möglichst gut spielen möchte, wäre es schlecht, würde ich nochmals zurück in die USA gehen.

Alles können Sie kaum spielen.
Nein, das kann ich nicht. Diese Frage müssen wir noch klären.

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