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«Ich habe es nicht verdient, aber hier stehe ich»

Roger Federer zeigt sich nach dem wundersamen Comeback gegen Tennys Sandgren erleichtert. Und ist froh, dass er noch nicht beim Skifahren ist.

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Sieben Matchbälle abgewehrt und doch gewonnen: Roger Federer steht in Melbourne im Halbfinal. (Video: Tennis Australia via AP)

Alles sprach für Tennys Sandgren. Die Führung nach Sätzen, die medizinische Behandlung, die sein Gegner Roger Federer über sich ergehen lassen musste. Und vor allem die sieben Matchbälle. Die er aber allesamt ungenutzt liess. Und so war es am Schluss doch der US-Amerikaner, der als Verlierer vom Platz trottete, vorbei an der Wand mit den Siegern dieses Turniers. Während sich Roger Federer von den Zuschauern für ein wundersames Comeback feiern lassen durfte (zum Matchbericht).

Federer steht nun im Halbfinal des Australian Open, er hat noch nie so um diesen Einzug zittern müssen, wie am Dienstag. Entsprechend erleichtert stand er danach zum Platzinterview bei Jim Courier. Und hier lesen Sie, was der Schweizer nach diesem epischen Spiel alles zu sagen hatte:

Roger, das war ein sehr interessantes Spiel. Sieben Matchbälle abgewehrt und jetzt stehen Sie da. Wie um alles in der Welt haben Sie das geschafft?

Ich habe auch manchmal Glück, das kann ich Ihnen sagen. Bei sieben Matchbällen hat man keine Kontrolle mehr. Auch wenn es vielleicht so aussieht. Ich hoffte einfach, dass er nicht den Winner schlagen wird bei diesem einen Punkt, ich wollte den Ball im Spiel halten. Und wenn er dann einen oder zwei verschlägt, wer weiss, was er dann denkt? Aber das spielte eigentlich keine Rolle. Ich hatte unglaubliches Glück heute, und als das Spiel dann doch weiterging, fühlte ich mich auch besser, der ganze Druck war weg, und ich probierte, zu spielen. Ich hatte erneut Glück, das Break zu schaffen, habe meistens und vor allem gegen Ende sehr gut aufgeschlagen. Ich verdiene das nicht, aber hier stehe ich und bin sehr glücklich.

Ich bin nicht alleine, wenn ich sage, dass Sie den Sieg verdienen. Viele Spieler wären vom Platz gelaufen, 0:3 im dritten Satz, Sie hatten eine medizinische Behandlung, Sie kamen zurück, der Speed bei den Aufschlägen war tief, die Bewegungen waren nicht so, wie wir das gewohnt sind. Was war das Problem?

Ich habe meine Leiste gespürt, meine Beine waren angespannt. Ich hatte Probleme in der Defensive. Es gefällt mir gar nicht, den Physio zu rufen. Es ist ein Zeichen von Schwäche, das probiere ich, nicht zu zeigen. Am Schluss dachte ich: wie auch immer. Die Leute wissen, dass ich nicht bei 100 Prozent bin. Tennys hatte das Spiel im Griff, aber ich glaube an Wunder. Es war nicht schlimm genug, um aufzuhören. Er schaffte es nicht, darum bin ich unglaublich glücklich heute.

Sie hatten nun zwei Comebacks in diesem Turnier. Passiert hier etwas Spezielles?

(lacht) Come on. Die Auslosung wird nicht einfacher, aber ich habe den Rest des Tages nichts zu tun, morgen auch nichts. Ich spiele nachts, und man fühlt sich schon besser in einigen Tagen, und dann weisst du nie. Mit all diesen glücklichen Ergebnissen spielst du ohne Erwartungen, weil du weisst, du solltest schon in der Schweiz sein und Skifahren. Ich bin glücklich, hier zu sein und probiere, das Beste draus zu machen.

Roger Federer, Sie sind einzigartig. Unglaublich. Heute Abend spielen Novak Djokovic und Milos Raonic, einer wird Ihr Gegner. Was denken Sie?

Es ist toll, zu sehen, wie Milos wieder so gut spielt. Das war gute Arbeit bisher. Als er mich 2016 in Wimbledon schlug, schmerzte das wie verrückt und das tut es immer noch. Ich will sehen, dass er es gut macht. Es ist toll für ihn, dass er alle daran erinnert, dass er nach oben gehört im Ranking. Es wird ein grosser Match. Novak ist ein Champion, vor allem hier in Australien, er liebt es hier. Wir hatten epische Spiele in der Vergangenheit. Egal, gegen wen ich spiele, es wird schwierig. Und ich hoffe, mich besser zu fühlen als heute, sonst werde ich wirklich Skifahren gehen.

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